Wie in der Geisterbahn: Die amerikanischen Monster-Rocker

Slipknot in ausverkaufter Frankfurter Festhalle

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Fotos zum Slipknot-Konzert in der Festhalle Frankfurt.

Frankfurt - Monster, Maden und Nu-Metal. Die finsteren Masken-Männer der US-Band Slipknot drehen nach Jahren der Germany-Abstinenz in der zum Bersten gefüllten Festhalle mal wieder ihren ganz eigenen Horror-Film. Von Peter H. Müller

Den passenden Soundtrack liefern die neun Grusel-Darsteller mit dem aktuellen Album „5: The Gray Chapter“ gleich gratis. Und mit Macht. So klingt wohl ein aus allen Wunden blutender Höllen-Zorn, der Schwermetall-Fans im Dauer-Moshpit toben lässt. Nur: Wirklich gut finden muss man diese Geisterbahn-Show nicht. Natürlich ist man auf einiges gefasst bei einem schweißtreibendem Gig von Corey Taylor und Komplizen, die sich nach dem Tod ihres Bassisten Paul Gray wieder berappelt haben: Seit fast 20 Jahren knüppelt die umstrittene Band aus dem US-Hinterhof Iowa nun schon ihren morbiden Hardcore in die Welt - benannt nach einem Henkersknoten, stets verkleidet/geschminkt/vermummt als Serienkiller, die man aus einschlägigen Genrestreifen wie „Texas Chainsaw Massacre“ oder von ganz sinistren Halloween-Feten kennt, und immer beseelt von einem brachial splitternden Sound, der live zumeist in einem wüsten Kirmes-Theater gipfelt.

Slipknot, das ist KISS für die ganz harten Fortgeschrittenen und auch nach eigenem Selbstverständnis hat sich die provokante Sensenmann-Truppe seit Gründungstagen als eine Art Geißel der musikalischen Menschheit verstanden. Die zornigen Killer-Clowns nun livehaftig zu erleben, ist aber schon noch mal eine ganz andere Nummer. Das düster orakelnde „Be Prepared for Hell“ muss also zunächst als Ouvertüre her, bevor die unter Maulkorb-, Clowns- oder Fetisch-Masken versteckten Herren mit „The Negative One“ und „Disasterpiece“ ein erstes kakophonisch hämmerndes Versprechen für die kommenden 90 Minuten im Hades abgeben. Es kracht und wuchtet, als gäbe es kein Morgen. Und den akustisch wertvollsten Moment - Bowies „Ashes to Ashes“-Intro - hat das Konzert bereits hier hinter sich.

Die Bühnenkulisse, ein einziges Absurdistan: Unter einer ziemlich deplazierten Weihnachtsbuden-Lichterkette schrauben sich da seitlich, neben DJ Sid Wilson und Drummer Jay Weinberg, zwei rotierende Plattformen in die Höhe. Vermutlich Chris Fehn und Shawn Crahan klöppeln hier mit Baseballschlägern und anderem armdicken Schlaggerät auf Bierfässer, verbeulte Öltonnen und weitere „Percussion“-Utensilien ein, während Ober-Berserker Corey Taylor, der gerne mal von „Familie“ und „Friends“ fabuliert, die wildesten Moshpits der Saison anzettelt. Die „Maden“, so nennen sich die Fans gerne, wimmeln jetzt bereist restlos enthemmt durch den rappelvollen Innenraum - blaue Flecken sind Pflicht.

Slipknot in der Festhalle Frankfurt: Bilder

Auf einer Leinwand werden derweil zu Monstersongs wie „Eyeless“, „I am Hated“ oder dem aktuellen „The Devil in I“ künstlerisch wertvolle Videoclips abgespult - mit brennenden Schweineköpfen, Gehirnansichten, einer fröhlich Fliegen verspeisenden Gottesanbeterin und etwas Medizinischem, das verdächtig nach Darmspiegelung ausschaut. Spätestens hier fragt man sich als Slipknot-Novize natürlich, ob diese bösen Jungs noch alle Tassen im Schrank haben - und vor allem, was sympathische junge Menschen um die 30 in Scharen zu dieser Grusel-Fastnachts-Narretei treibt. Die Musik - so darf man den Horror-Sound eigentlich nur bei „Melodic-Rock“-Ausreißern wie „Killpop“ nennen - kann es nicht sein. Vielleicht die Faszination des dröhnend Grausigen? Der inszenierte Folterkammer-Zirkus? Man weiß es nicht. Aber es soll, Ehrensache, mal wieder ein geiles, ach was, ein bombastisch geiles Event gewesen sein. Na dann, Narrhalla-Marsch.

Quelle: op-online.de

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