Bedeutsame Ruhestätten

Mit dem Smartphone Friedhöfe entdecken

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App führt zu Gräbern und Gedenkstätten auf 37 historischen Friedhöfen

Frankfurt - Der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788-1860) liegt unter einer schlichten Granitplatte begraben. Psychiater Alois Alzheimer (1864-1915) hat seine letzte Ruhestätte in einem Familiengrab aus Muschelkalk an der Friedhofsmauer in Frankfurt gefunden, obwohl er in Breslau starb.

Am Grab des CDU-Politikers Walter Wallmann steht noch ein Holzkreuz. Der ehemalige hessische Ministerpräsident und Frankfurter OB war im September 2013 im Alter von 80 Jahren gestorben. Seine Ruhestätte ist die jüngste von 40 Gedenkstätten und Gräbern auf dem Hauptfriedhof, die eine neue App in Foto, Text und Ton vorstellt.

„Wo sie ruhen“ heißt das audio-virtuelle Leitsystem für insgesamt 1007 Gräber auf 37 historischen Friedhöfen in Deutschland - von Berlin bis München. Mit Hilfe von GPS weisen Smartphones oder Tablets Besuchern dann auch den Weg zu den ausgewählten Ruhestätten. In Hessen ist nur der Frankfurter Hauptfriedhof dabei. Allerdings: „Das ist eine Web-App mit Datenbank, die immer wieder erweitert werden kann“, sagt Christina Ringkamp vom Berliner Büro Hortec, das das Internet-Angebot samt Web-Seite und Papier-Flyer im Auftrag der Bundesregierung entwickelt hat. Neue Anfragen gebe es bereits aus verschiedenen Städten. Dafür müssten aber neue Geldquellen aufgetan werden; die bislang bewilligten 548 000 Euro seien erschöpft.

Dies sei kein aussichtsloses Unterfangen, sind Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) und der Historiker Björn Wissenbach überzeugt, der die 40 Frankfurter Grabstätten ausgesucht hat. „Wir könnten noch 300 andere Gräber vorstellen“, sagt Wissenbach und hofft auf Stiftungen in der Stadt als Financiers. Allein 174 Ehrengräber gibt es auf dem Hauptfriedhof.

Die App stellt Gräber „berühmter Persönlichkeiten vor, aber auch die vergessener Menschen, die besondere Grabstätten haben“, sagt Ringkamp. Dazu kommen Gedenkstätten wie das Ehrenmal für die Opfer der beiden Weltkriege. Historiker Wissenbach entschied sich für Gräber, die sich gut finden und ablaufen lassen und nicht so sehr über das Gelände verstreut sind, wie er sagt. Einige Gräber seien kunsthistorisch bedeutend, einige Tote für die Stadtgeschichte wichtig. Andere Prominente kamen von außen in die Stadt.

So wie die Schriftstellerin Ricarda Huch, die mit 83 Jahren von Jena nach Frankfurt übersiedelte. „Als sich totalitäre politische Strukturen in der sowjetisch besetzten Zone abzeichneten, zog sie zu Tochter und Schwiegersohn nach Frankfurt in der US-Zone“, schreibt Wissenbach. „Die Reisestrapazen und der psychische Druck des Umzugs“ hätten ihr aber so zugesetzt, dass sie nur wenige Stunden nach der Ankunft im Gästehaus der Stadt in Schönberg starb.

dpa

Quelle: op-online.de

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