„So sollte keiner wohnen müssen“

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Der Syrien-Flüchtling Mazen Hasoun findet das umstrittene Flüchtlingsheim insgesamt okay.

Fuldatal - Das Flüchtlingsheim in Fuldatal-Ihringshausen ist alt und abgewohnt. Ein Unding, dass Menschen hier leben müssen, sagen Kritiker. Doch der Kreis sieht keine andere Möglichkeit. Denn die einzige derzeit verfügbare Alternative wären Zelte oder Turnhallen. Von Timo Lindemann 

Ein schmaler Flur, Löcher in der Wand und ab und zu Schuhe vor den vielen Türen - das umstrittene Flüchtlingsheim in Fuldatal-Ihringshausen gehört zu den ältesten in Nordhessen. Seit 22 Jahren werden hier Asylsuchende untergebracht. „Es ist vergammelt, verwahrlost und verwohnt“, kritisiert Thomas Aleschewsky vom Hessischen Flüchtlingsrat. So solle kein Mensch wohnen müssen.

Das sieht Ivan Abdullah anders. Der Syrer ist seit drei Jahren in der Einrichtung. „Es gefällt mir gut in Deutschland.“ Probleme in der Behausung sehe er nicht. „Die Küche, alles ist sauber.“ Nur das Bad sei manchmal dreckig, sagt er. „Viele Leute auf der Toilette.“ „Es ist nicht so bequem, und man hat wenig Privatleben“, sagt Mazen Hasoun, der auch aus Syrien stammt. Insgesamt aber sei es okay. Es gebe auch Stimmen, die nicht so zufrieden seien, sagt Hajo Ullrich, der Koordinator der Gemeinschaftsunterkunft. So karg und trostlos die Flure sind, die Zimmer richten die Bewohner nach eigenen Vorstellungen ein, soweit es ihnen möglich ist. In Abdullahs Raum steht ein alter Fernseher auf dem Regal, an der Wand hängt eine Deutschland-Karte, auf dem kleinen Tisch steht eine Pfanne mit Spiegeleiern. In den Zimmern leben bis zu vier Menschen. Obwohl sichtbar abgewohnt, ist die Einrichtung beliebt. „Vielen Flüchtlingen ist der Standard nicht so wichtig wie die Nähe zur Großstadt“, sagt der Sozialamtsleiter des Kreises Kassel, Jörg Roßberg. Dort könnten sie Freunde treffen oder ihre Religion ausüben, am Leben teilhaben.

Im kahlen Bad riecht es streng, am Duschkopf ist Rost, viele Fliesen haben Löcher. Bis zu zehn Menschen teilen sich das Bad, eine Putzfrau kommt täglich. Kritik, es gebe Schimmel und Ratten, weist der Kreis zurück. „Das wird regelmäßig kontrolliert.“ Insgesamt aber entspreche das Heim nicht den Anforderungen, sagt Roßberg. „Man muss die Einrichtung irgendwann endgültig schließen, aber wir sind im Moment nicht in der Lage, bessere Plätze zu schaffen.“ Die Alternative wären Zelte oder Turnhallen.

Mehr als 1000 Flüchtlinge betreut der Landkreis derzeit, 130 davon, meist alleinreisende Männer, sind in Ihringshausen untergebracht. Allein elf Mitarbeiter hat der Kreis zur Betreuung von Asylsuchenden angestellt. Das Land deckt die Kosten nach Angaben des Kreises aber nur etwa zur Hälfte. Für 2015 bleibt der Kreis Kassel damit auf Kosten von rund drei Millionen Euro sitzen. Aleschewsky fordert, der Landkreis müsse dafür sorgen, dass in dem Flüchtlingsheim „menschenwürdig und ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen“ gelebt werden könne, wie es das Gesetz vorsehe. „Es ist eine unserer ältesten Einrichtungen. Aber menschenunwürdig ist es hier nicht“, entgegnet Holger Wollesen, Geschäftsführer von Human-Care. Das Unternehmen aus Bremen betreibt das Heim. Man sei sich aber mit dem Kreis einig, dass der Vertrag beendet werde, sobald die Menschen besser untergebracht werden könnten. Derzeit verhandelt der Kreis über die Nutzung von leerstehenden Kasernen, einige Kilometer entfernt. (dpa)

Quelle: op-online.de

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