Sonne strahlt, Händler schmollen

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Es ist zwar immer viel los auf der Hessentagsstraße mit ihren 240 Ständen. In den Kassen der Händler herrscht aber - wenn sie nicht gerade Fressalien an den Mann bringen - ziemliche Ebbe.

Langenselbold - Der Mann, der die scharfen Messer mit dem blauen Griff in der Hand hält, schaut grimmig drein. Er hat zwar ein Mikrofon vor dem Mund, aber niemand hört ihm zu. Von Jörn Perske (dpa)

Vor seinem Verkaufsstand herrscht zur Mittagszeit gähnende Leere. „Die Leute haben überhaupt kein Interesse“, mault er. Am Freitag schieben sich zwar Menschenmassen durch die enge Hessentagsstraße beim Landesfest in Langenselbold. Auch das Wetter stimmt endlich - nach vielen verregneten Tagen zuvor. Doch die Händler haben überhaupt keinen Grund, mit der Sonne um die Wette zu strahlen. Die Stimmung ist ziemlich verhagelt, das Geschäft läuft für viele mies.

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Ein älterer Mann, der Brillen-Reinigungsmittel, verkauft, kocht sogar vor Wut. „Es ist einfach beschissen“, blafft der Duisburger, „wir werden große Schwierigkeiten haben, die Standmiete wieder herein zu bekommen.“ Von ihm wollen sich nur wenige die Gläser putzen lassen. „Was will man machen? Vor uns so'n Stand, hinter uns so'n Stand. Wir kommen gar nicht zum Zug.“ Händler Michael Egel hat zwar mit seinem Wohnzubehör aus Südostasien weniger Konkurrenz, aber auch er klagt: „Wir haben uns mehr Umsatz erhofft.“ Schmuckverkäufer Fabian Lange beobachtet zerknirscht: „Die Leute sind nicht kauffreudig. Man merkt, dass das Geld nicht locker sitzt - Wirtschaftskrise.“ Beim vorigen Hessentag sei es besser gelaufen.

Besucherzahl trotz Regens bei 610 000

Zum Hessentag sind bis zum Donnerstagabend an sieben Tagen 610 000 Besucher nach Langenselbold gekommen. „Angesichts des oft verregneten Wetters, ist das eine respektable Zahl“, sagte der Hessentags-Beauftragte der Landesregierung, Heinrich Kaletsch, am Freitag. Allein 22 000 Zuschauer strömten am Donnerstagabend zum Konzert der Punkrockband „Die Toten Hosen“. Die Organisatoren beziehen ihre Besucherangaben aus Informationen vieler Stellen: Schätzungen von Polizisten nach Hubschrauber-Rundflügen, Auslastung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs sowie Belegung der Parkplätze. Zudem geben die verkauften Eintrittskarten für kostenpflichtige Veranstaltungen Aufschlüsse. Bei anderen Veranstaltungen hält das Sicherheitspersonal an den Eingängen die Besucherzahl mit kleinen Zählgeräten fest. Der Hessentag mit insgesamt 1000 Veranstaltungen endet am Sonntag mit einem traditionellen Festumzug. Prognosen zufolge sollen bis zu einer Million Besucher an den zehn Veranstaltungstagen nach Langenselbold kommen.

(dpa)

Die Projektleiterin für die Hessentagsstraße hat positivere Beobachtungen gemacht. „Einige Standbetreiber klagen zwar über die schlechte Resonanz. Aber überwiegend sind alle zufrieden“, sagt Soraya Rein. Die Standgebühren seien im Vergleich zu 2008 auch nicht teurer geworden. Wer etwa Kunsthandwerk anbietet, muss für die zehn Tage mit Kosten von etwa 500 Euro rechnen. Von einem Imbiss oder Getränkestand werden rund 3000 Euro verlangt.
Stände, die Kulinarisches anbieten, machen ordentlich Umsatz. Doch die Konkurrenz unter den Köstlichkeiten ist groß. Ein Bratwurst-Stand hat sogar den Preis für die Krakauer gesenkt. Grund: Bei den kurdischen Spezialitäten gegenüber sei in letzter Zeit mehr los, meint eine Verkäuferin.

T-Shirts türmen sich beim Merchandising-Stand des Hessentags. Dort gibt es Erinnerungen an das 49. Landesfest in allen Formen: Kaffeebecher, Feuerzeuge, Schlüsselanhänger. Und alles nun 30 Prozent rabattiert. Das Zeug muss raus. Am Sonntag endet das Fest. Verkäuferin Nicole Mäurer bilanziert, das Geschäft „hätte besser laufen können“.

Quelle: op-online.de

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