Sorge um Schubert

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Der Frankfurter Ehrenbürger Bruno H. Schubert und seine zweite Ehefrau Meharit.

Frankfurt ‐ Die Geschichte hat alle Zutaten für einen Trivialroman: Ein alter, reicher und äußerst angesehener Mann, Ehrenbürger seiner Stadt, heiratet ein mehr als 60 Jahre jüngeres äthiopisches Model, taucht ab, alte Kontakte werden abgebrochen - die feine Gesellschaft ist düpiert. Von Sabine Ränsch (dpa)

Bruno H. Schubert (90), ehemaliger Eigentümer der Henninger-Brauerei und Generalkonsul von Chile, macht in Frankfurt Schlagzeilen - nicht mit neuen Wohltaten, sondern mit Spekulationen, ob er noch Herr seiner Entscheidungen ist. Sein Sohn will gerichtlich klären lassen, ob er noch geschäftsfähig ist. Er habe das Frankfurter Amtsgericht um Überprüfung gebeten, sagte Hanns Peter Nerger am Mittwoch. Ein Termin, den das Gericht daraufhin mit Schubert in der vergangenen Woche anberaumt habe, sei nicht zustande gekommen.

Schubert zeigt sich nicht mehr in Frankfurt, alte Bekannte erreichen ihn auch telefonisch nicht. Schuberts Umweltstiftung ist enterbt, als Erbin ist nun Schuberts 27 Jahre alte Ehefrau eingesetzt, die er im vergangenen Jahr nach dem Tod seiner ersten Frau Inge heiratete. Schubert klagt derzeit gegen die Stiftung. Anrufer verweist sein Büro an seinen Anwalt. Persönlichen Kontakt zu seinem Vater habe er seit vergangenem August nicht mehr, sagt Nerger. Ihm sei der Kontakt untersagt, weil das angeblich Schuberts Gesundheit schade. Zuvor habe er das beste Verhältnis zu ihm gehabt.

Schluss auch mit den legendären Einladungen in die Schubert-Villa direkt neben dem alten Henninger-Gelände in Sachsenhausen. Seit vielen Jahren bat Schubert dort die Spitzen der Gesellschaft zum Mittagessen - aus Freude, Menschen zusammenzuführen und Gäste zu bewirten, sagte Schubert vor Jahren. Politiker, Wirtschaftsführer und andere Persönlichkeiten gehörten zum Kreis der Eingeladenen. 1979 hatte Schubert die Brauerei verkauft und fortan großzügig den Umweltschutz unterstützt. 1984 gründete er mit seiner Frau Inge die nach ihm benannte Stiftung, die zuerst jährlich, inzwischen nur noch alle zwei Jahre einen mit 100  000 Euro dotierten Umweltpreis vergibt. Im Erbvertrag legten die Eheleute fest, dass ihr gesamtes Vermögen einmal an die Stiftung gehen soll.

„Es geht Herrn Schubert gut“, sagt sein Anwalt Hubertus Kestler. Der 90-Jährige sei bester Dinge und erhole sich in der Schweiz von einer Krankheit. „Er hat regen Kontakt mit Freunden.“ Zu denen zählt er aber offenbar nicht mehr die führenden Mitglieder seiner Stiftung, allesamt prominente Namen aus Wissenschaft und Umweltschutz, darunter Zoodirektor Manfred Niekisch, der Frankfurter Universitätspräsident Werner Müller-Esterl oder der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer. Die Stiftung sei nicht mehr Schuberts Erbin, sondern seine junge Ehefrau, sagt Anwalt Kestler. Hintergrund sei die Weigerung der Gremien, sie in den Vorstand aufzunehmen. Stattdessen sei Schuberts Sohn gewählt worden, zu dem er kein Vertrauen habe. Es sei nur natürlich, dass er sich nun enttäuscht von diesen Menschen abwende. Vor Gericht soll Ende August entschieden werden, ob Vorstand und Kuratorium ordnungsgemäß besetzt sind.

Kuratoriumsvorsitzender Niekisch hat keinen Zweifel, das die Zusammensetzung der Gremien einer gerichtlichen Überprüfung standhält. Schuberts Ehefrau habe den Stiftungszweck ändern wollen, das Kuratorium habe dagegen gestimmt und zwei Vorstandsmitglieder ordnungsgemäß gewählt. Als drittes Mitglied gehöre Stifter Schubert dem Gremium nach wie vor an, nimmt aber nach Nergers Worten nicht an Sitzungen teil. Niekisch nennt es „ziemlich merkwürdig“, dass Schubert seit Monaten nicht erreichbar sei und die Stiftung nur über seinen Anwalt von ihm höre. Der habe der Stiftung aber bisher keine von Schubert unterschriebene Vollmacht vorgelegt. Der Kontakt zu alten Freunden sei komplett abgebrochen, Schubert werde offensichtlich isoliert, das gebe Anlass zur Sorge. Das Auftreten von Anwalt Kestler lasse vermuten, dass er sich selbst und Frau Schubert vertrete, nicht aber Bruno Schubert.

Das befürchtet auch Nerger, dem es nach eigenen Worten einzig um den Bestand der Stiftung geht. Anwalt Kestler und Schuberts Frau schirmten seinen Vater systematisch von allem ab. Sie hätten versucht, in den Vorstand zu kommen und die Stiftung in eine Familienstiftung umzuwandeln, um Geld daraus zu ziehen. Dies habe mit dem ursprünglichen Ziel - Förderung des Umweltschutzes - nichts zu tun. Eigene finanzielle Interessen habe er nicht, als unehelicher Sohn sei er auch gar nicht erbberechtigt, sagte Nerger. Die Stiftung und der Preis seien nicht in Gefahr, versichert Niekisch. Dass die Stiftung nun nicht erben solle, sei Schuberts Privatsache. Die nächste Preisverleihung ist im Herbst.

Quelle: op-online.de

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