Sorge wegen „07-N ultralang“

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Im Kreis Offenbach ist man nicht zufrieden mit dem Maßnahmenbündel, das die Region weiter vom Lärm entlasten soll. Unser Foto zeigt ein Transparent an der Bergkirche der evangelischen Dreikönigsgemeinde im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen.

Dietzenbach - „Das Maß ist voll und die Geduld der Menschen am Ende“ Landrat Oliver Quilling (CDU) sowie die Bürgermeister von Neu-Isenburg, Herbert Hunkel (parteilos), von Heusenstamm, Peter Jakoby (CDU), von Rodgau (Jürgen Hoffmann (SPD), von Mühlheim, Daniel Tybussek (SPD), und von Obertshausen, Bernd Roth (CDU), schlagen Alarm in Sachen Fluglärm. Von Michael Eschenauer

Unter den Vorschlägen, die Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gemeinsam mit Vertretern der Luftverkehrswirtschaft vor zwei Wochen vorgelegt hat, fanden die Politiker einen Vorschlag, der sie „eine Neubelastung der südlichen Region von Frankfurt“ befürchten lässt. „Wir müssen aufpassen, dass wir bei dem Versuch, die Zahl der Belästigten zu senken, nicht eine größere Zahl neuer Hochbetroffener schaffen“, warnte Quilling gestern. .

Um was geht es?

Im Maßnahmenkatalog des jüngsten Fluglärmgipfels, bei dem sich Politik und Luftverkehrsseite auf diverse Punkte einigten - Stichwort: höhere Flugrouten, leisere Flugzeuge, lärmmindernde Start- und Landeverfahren und mehr Geld für passiven Lärmschutz - stießen Quilling und seine Mitstreiter auf einen Vorschlag Frankfurts. Dieser sieht vor, künftig weniger der in Richtung Osten startenden Maschinen mit Kurs nach Norden über Niederrad sowie Oberursel und Bad Homburg (Klinikroute) zu führen. Statt dieser Route, die direkt Frankfurt belastet - genannt „07-N kurz“ - soll ab Herbst 2012 häufiger über die „07-N lang“ in Richtung Osten gestartet werden. Diese bereits genutzte Strecke bringt aber mehr Fluglärm in den Kreis Offenbach. So verläuft die „07-N lang“ in einer weiter gestreckten Kurve Richtung Norden, so dass die Flugzeuge Neu-Isenburg nördlich passieren und dann Oberrad sowie die Kaiserleibrücke überfliegen. Auf ihr sind alle Flugzeugtypen zugelassen, auf der „07-N kurz“ keine Großraummaschinen.

Bringt bereits „07-N lang“ mehr Belastung für den Kreis Offenbach, soll laut Vorschlag im Jahr 2013 der Luftverkehr auf eine neu einzurichtende Route „07-N ultralang“ verlegt werden. Hier wäre nach Einschätzung der Kreispolitiker die Lärmbelastung um Offenbach noch größer. Zwar sei zu begrüßen, dass die Verantwortlichen die verabredeten Maßnahmen des Schallschutzes endlich verbindlich angehen wollten, doch sei es versäumt worden, eine Lärmobergrenze festzuschreiben, ergänzte Landrat Quilling seine Kritik an dem neuen Schallschutzpaket insgesamt. Durch das Fehlen einer Obergrenze sei nicht gewährleistet, dass die Zunahme des Fluglärms limitiert werde. Laut Studien müsse von fünf Prozent mehr Flugbewegungen pro Jahr ausgegangen werden.

Eine weitere Belastung von Neu-Isenburg sei nicht hinnehmbar

Bürgermeister der Stadt, Herbert Hunkel: „Mit Enttäuschung denken wir an die letzten Jahre zurück, in denen Neu-Isenburg eine der stärksten Fluglärmbelastungen der Region aushalten musste, ohne dass dies die Landesregierung gerührt hätte. Wir werden den Vorschlag der Lärmverschiebung nicht akzeptieren und uns mit allen Mitteln wehren. Wir fordern stattdessen die Einführung von Lärmobergrenzen.“

Quilling unterstrich, dass 70 Prozent der Anflüge über Neu-Isenburg führten. „Schon im Mediationsbericht aus dem Jahr 2000 waren ein Anti-Lärm-Paket und ein Nachtflugverbot festgeschrieben worden.“ In Neu-Isenburg und im Kreisgebiet werde die Masse der Anflüge in Richtung Westen als Belästigung wahrgenommen. Wenn aber über längere Zeit in Richtung Osten gestartet werde, führe das zu extremen Lärmbelastungen.

Auch in Heusenstamm stößt die „07-N lang“ auf Unverständnis.

„Anscheinend sind die Bürger des Kreises Offenbach im Vergleich zu Frankfurt und dem Hochtaunus Bürger zweiter Klasse“, macht Bürgermeister Jakoby seinem Unmut Luft. Die Besonderheit für Heusenstamm sei, dass die Stadt mittlerweile nicht nur bei Westwetterlage Fluglärm aushalten müsse. „Bei Ostwetterlage starten Flieger ja auch über Heusenstamm“, so Jakoby.

Weitere Infos zu dem Thema finden Sie in unserem Stadtgespräch

„Das, was jetzt passiert, macht einen stutzig und nachdenklich“, so Rodgaus Bürgermeister Hoffmann. Hier werde mit zweierlei Maß gemessen. Hoffmann: „Wenn der Lärm nicht durch Lärmobergrenzen schon bei der Entstehung gestoppt wird, bleibt nur die Lärmverteilung. Und wenn diese Lärmverteilung ungleich erfolgt, wird mit der Gesundheit der Menschen gespielt.“

Das sieht der Mühlheimer Bürgermeister Tybussek genauso. „Die Belastungen haben auch in Mühlheim hörbar zugenommen. Eigentlich sind die Bürger an der Grenze ihrer Belastbarkeit.“

Diese Sorge treibt auch den Obertshäuser Bürgermeister Bernd Roth um. „Mein größter Wunsch ist, dass das Nachtflugverbot bestätigt wird. Ansonsten stehen die Bürger hier auf den Barrikaden!“

Quelle: op-online.de

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