SOS-Signal vom Küchenherd

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Immer weniger Deutsche können richtig kochen. Weil immer mehr Fertiggerichte auf den Tisch kommen, sind viele meist jüngere Leute schon bei relativ einfachen Rezepten überfordert. Dann schlägt die Stunde des Maggi-Beratungsservice und des gleichnamigen Kochstudios.

Frankfurt - Champignons putzen, Backofen vorheizen? Wenn moderne Freizeitköche wegen solcher Anweisungen rätseln, erfragen sie gern fachlichen Rat. Seit 50 Jahren versorgt das Maggi Kochstudio Haushalte mit Küchentipps und Tricks. Am 9. Juni 1959 wurde der Beratungsdienst mit angeschlossener Versuchsküche in Frankfurt gegründet, wo er bis heute angesiedelt ist. Von Monika Hillemacher (dpa)

Per Post, Telefon und E-Mail suchen jährlich Zehntausende Verbraucher Unterstützung.

Der Notruf kommt oft direkt vom heimischen Herd: „Die Gelatine krümelt. Der Käse schmilzt nicht. Was soll ich machen?“, schildert Kochstudio-Teamleiterin Sabine Fiedler typische Fälle. Andere Ratsuchende greifen zum Telefon, weil allein schon der Anblick einer Fünf-Kilo-Weihnachtsgans sie verzweifeln lässt. Vor Festtagen und nach Fernseh-Kochshows klingelt es häufig. Was auf dem Bildschirm einfach aussieht, „überfordert die Leute zu Hause. Ihnen fehlt das Fachwissen. Die Verbraucher haben das Kochen verlernt“, stellt die Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin fest. Die Kenntnisse schwänden, seit in den 90er Jahren der Siegeszug industriell vorgefertigter Speisen begann und Frauen zunehmend aus der Küche ins Berufsleben wechselten.

Der klassische Sonntagsbraten gehört nach den Beobachtungen der Expertinnen ebenso der Vergangenheit an wie die früher typische Speisenfolge. Stattdessen würden „situationsbezogene“ kleine Mahlzeiten zu unterschiedlichen Zeiten bevorzugt. Das Team profitiert vom gesellschaftlichen „Werte- und Kochwandel“: Rund 50 000 Anfragen pro Jahr erreichen das Studio, das seine Kunden auch mit Rezepten von der Suppe bis zum süßen Dessert versorgt. Dem Trend zur schnellen Küche hat das Kochstudio sich längst angepasst: Zu den immer einfacher gehaltenen Anleitungen gibt es im Handel die passenden Würz-, Soßen-, Zutaten- oder Fertigmischungen - und natürlich auch umgekehrt.

Werbung für Maggi-Produkte zu betreiben, gehörte zur Gründungsidee des Kochstudios, das sich als Marktführer vor den Konkurrenten Knorr und Dr. Oetker sieht. „1958 kamen Ravioli in der Dose auf den Markt. In der Vorführküche wurden dazu weitere, einfach nachzukochende Rezepte entwickelt und konnten probiert werden“, erzählt Studioleiterin Gunda-Hedi Pfeifer. Aufgetischt wurden Ravioli mit Sauerkraut und Spiegelei. Es folgten Käseigel, Schichtsalat, Russische Eier, Schinkenröllchen oder Zwiebelschnitzel, für dessen Soße Tütensuppe herhalten muss.

Das Frankfurter Maggi Kochstudio befindet sich in der Neuen Kräme 27, 0 69 / 91 39 93 22. Literatur: Die besten Rezepte aus 50 Jahren Maggi-Kochstudio. 9,95 Euro, Tre Torri Verlag. http://www.maggi.de

Pro Jahr entstehen in Frankfurt-Niederrad an die 500 Rezepte. Anregungen für Neues liefern unter anderem die Verbraucher. „Nach den Ferien steigt bei uns das Interesse an Rezepten aus den Urlaubsländern“, berichtet Gunda-Hedi Pfeifer. Während in den 50er Jahren Italien Pate stand, stünden aktuell Länderküchen aus Asien und Afrika und spanische Tapas sowie Bärlauch und Rucola hoch im Kochkurs. Ein Rezept zu kreieren dauert bis zu vier Tage. Millionenfach auf die Rückseite einer Verpackung gedruckt wird es erst nach umfangreichen Tests. Ein wichtiges Kriterium: „Das Rezept muss mit jeder Zutat gut schmecken. Egal, ob das Hackfleisch beim Metzger gekauft wurde oder im Supermarkt.“

Das Kochstudio ist auch nach 50 Jahren eine Domäne der Frauen. Die meisten von ihnen arbeiten in der Telefon-Beratung, dem Rezeptservice und den fünf Kochstudio-Geschäften in Dortmund, Frankfurt, Hamburg, Leipzig und München. Kochkurse sind dort ebenfalls im Angebot.

Quelle: op-online.de

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