Spannung bis zuletzt: Quilling muss in Stichwahl

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Wer dem scheidenden Landrat Peter Walter nachfolgen wird, entscheidet sich erst am 11. Oktober. Dann gehen Carsten Müller (SPD, li.) und Oliver Quilling (CDU) in die Stichwahl.

Dietzenbach - Am Ende fehlten ihm ganze 1.152 Stimmen zur absoluten Mehrheit. Dirk-Oliver Quilling hat gestern Nacht mit 49,7 Prozent knapp sein Ziel verfehlt ohne Verzögerung in die politischen Fußstapfen seines Parteifreunds Landrat Peter Walter zu treten. Von Michael Eschenauer

Seine Herausforderer Carsten Müller (SPD) und Daniell Bastian erzielten zwar mit 35,9 beziehungsweise 14,5 Prozent deutlich geringere Stimmenanteile, dennoch reichte es nicht für den Neu-Isenburger Bürgermeister. Stimmberechtigt waren 252.000 Bürger, die Wahlbeteiligung lag bei 71,3 Prozent.

Der Wahlabend bei der „Wahlparty“ im fast völlig verwaisten Foyer des Kreishauses in Dietzenbach entwickelte sich nach zügigem Auftakt bei der Stimmenauszählung gegen Ende zur hochspannenden Nervensache. Gegen 22 Uhr fehlten noch immer mehrere größere Städte - darunter Dietzenbach und Rodgau, deren Stimmenzähler durch die Auszählung der dortigen Bürgermeisterwahlen blockiert waren. Auch aus Langen und Obertshausen lag lange Zeit kein Ergebnis vor. Dadurch waren keinerlei belastbare Prognosen möglich.

Dies änderte sich erst um 22.45 Uhr als das Abstimmungergebnis von Obertshausen in den Rechnern flackerte und das stundenlange Zittern beendete.

„Ein bärenstarkes Ergebnis“

„Ein „bärenstarkes Ergebnis“ und eine „tolle Ausgangsposition“ für die Stichwahl in 14 Tagen nannte Dirk-Oliver Quilling Minuten später sein Abschneiden. Er habe mit einem derartigen Ergebnis gerechnet. Rückenwind verspürte er durch den für das bürgerliche Lager positiven Bundestrend und durch sein positives Image als erfolgreicher Neu-Isenburger Bürgermeister. Man will in den kommenden Tagen eine Strategie für den Endspurt festlegen. Inhaltlich werde es keine eklatanten Veränderungen geben. Auch gebe es keinen Anlass, die große Koalition im Kreistag zu beenden Kommunalwahlen seien ja erst in eineinhalb Jahren. Im Falle seiner Wahl werde er mit allen Fraktionen versuchen zusammenzuarbeiten. Quilling schätzt das ihn stützende bürgerliche Lager, im Kreisgebiet, dies habe die Landratswahl gezeigt, auf 65 Prozent.

Nach dieser Nacht ein paar graue Haare mehr

Deutlich Nerven zeigte SPD-Herausforderer Carsten Müller. „Nach dieser Nacht werde ich ein paar graue Haare mehr haben“, witzelte er. Allerdings war ihm schon kurz nach 19 Uhr klar geworden, dass „ich heute nicht gewinnen werde“. Müller pendelte die meiste Zeit um 35, 36 Prozent. Trotzdem blieb die spannende Frage der Ehre: „Erzwingt der SPD-Mann die Stichwahl oder nicht?“ Das Ergebnis bewertete Müller mit den Worten „Etappenziel erreicht“. Nun gehe es darum, wer mehr Anhänger mobilisiere. Er habe mit SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel telefoniert. Der habe ihm erklärt, die Landratswahl im Kreis Offenbach sei für die Sozialdemokraten „das einzige südhessische Highlight“ gewesen.

Nun werde man 14 Tage weiter Wahlkampf führen. Auch bei Müller sind inhaltliche Schwenks nicht zu erwarten. „Dies wäre nicht fair gegenüber denen, die mich für diese Politik gewählt haben.“ Durch seine „pragmatische Politik“ sei es möglich, dass er die Anhänger von FDP-Matador Daniell Bastian sich ziehen könne. „Die Karten sind neu gemischt“, so Müller. Oft scheiterten Favoriten im zweiten Wahlgang. Unabhängig vom Wahlergebnis wolle er bis Ende seiner Amtszeit in eineinhalb Jahren Kreisbeigeordneter bleiben.

Wahlziel „zehn Prozent plus X“ erreicht

Die FDP wird nun ernst genommen. So ein Ergebnis wäre vor kurzem noch undenkbar gewesen“, freute sich Daniell Bastian (FDP) über die Tatsache, dass man das Wahlziel „zehn Prozent plus X“ klar erreicht habe. Man habe ein Politik-Angebot außerhalb der großen Koalition gemacht, und dieses sei angenommen worden, kommentierte er das auch von Beobachtern als überraschend gut bezeichnete Abschneiden der Liberalen.

Bastian hat besonders in Seligenstadt gepunktet. Hier weht der großen Koalition wegen ihrer Schulpolitik der Wind kräftig ins Gesicht. „Wir sind alle stolz auf Herrn Bastian und sein Ergebnis gegen die Materialschlacht der anderen Kandidaten“, so FDP-Fraktionsführer René Rock. Dies sei nicht nur ein gutes Zeichen für die Kommunalwahl 2011, sondern ein Hinweis, dass man sich in Zukunft häufiger bei Direktwahlen positionieren sollte. Es gibt, so Bastian, noch keine Entscheidung, ob und welchen Kandidaten man in der Stichwahl unterstütze.

Quelle: op-online.de

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