Zinstief erschwert Geldgeschäfte

Sparkassen-Kunden müssen sich auf steigende Kosten einstellen

Frankfurt - Die Sparkassen in Hessen und Thüringen kämpfen mit niedrigen Zinsen. Derweil spricht sich ihr Verband für die Beibehaltung des Bargelds in Deutschland aus. Von Marc Kuhn 

In der Debatte über die Abschaffung von Bargeld hat sich der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen (SGVHT) für Scheine und Münzen stark gemacht. „Bargeld ist ein Stück Freiheit“, sagte sein geschäftsführender Präsident Gerhard Grandke gestern in Frankfurt. Die Europäische Union prüft Obergrenzen für Zahlungen mit Schein und Münze, Deutschland hatte ein Maximum von 5 000 Euro für Barzahlungen ins Spiel gebracht. Zudem wird in der Europäischen Zentralbank (EZB) über die Abschaffung des 500-Euro-Scheins nachgedacht. Auf diese Weise sollen kriminelle Machenschaften erschwert werden. „Ich halte den 500er nur für einen Einstieg. Den Argumenten, dass es nur um Bekämpfung von Geldwäsche und Kriminalität geht, traue ich nicht“, erklärte Grandke weiter. „Das ist sozusagen die technische Vorbereitung dafür, dass die Leute enteignet werden können.“

In Hessen gibt es 34 Sparkassen, in Thüringen 16. Ihre Kunden müssen sich auf steigende Kosten einstellen. „Wir müssen darauf achten, dass wir unsere Dienstleistungen adäquat bepreisen“, sagte Grandke. Hinter ihnen stehe eine riesige Infrastruktur aus Filialen, Geldautomaten und Webseiten, die viel Geld kosten würden. „Vor der Kulisse der andauernden Niedrigzinsphase ist es richtig und notwendig, dass die Sparkassen ihre Kontomodelle überarbeiten.“

Zur Bilanz des vergangenen Jahres erklärte Grandke: „Unsere Sparkassen in Hessen und Thüringen haben 2015 wieder ein ganz ordentliches Ergebnis erzielt.“ Die nächsten Jahre würden aber nicht leicht werden. „Wir haben genug Substanz, um die Niedrigzinsphase zu überstehen.“ Neben den Minizinsen in Europa bezeichnete Grandke die Digitalisierung und „überbordende Regulatorik“ als Herausforderungen.

Deshalb setzt der Verband verstärkt auf den Verbraucher. Einer Ausweitung des Kreditgeschäfts stehe nichts im Wege, berichtete der Chef des in Deutschland fünftgrößten Regionalverbands der Sparkassen. Insgesamt gibt es elf. „Im Firmenkundengeschäft sind wir schon gut unterwegs.“ Im Privatkundengeschäft sei das beispielsweise bei Baufinanzierungen auch der Fall. „Dagegen können wir bei Konsumentenkrediten sicher noch zulegen“, erläuterte Grandke. Ein weiteres Wachstumsfeld sei das Wertpapiergeschäft.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Das Zinstief setzt die Sparkassen in Hessen und Thüringen zunehmend unter Druck. „Die Sparkassen stellen sich schon darauf ein, dass wir noch eine längere Durststrecke haben werden“, sagte Grandke. Der Zinsüberschuss als wichtigste Ertragssäule der Sparkassen ist 2015 um 31 Millionen Euro oder 1,3 Prozent auf gut 2,4 Milliarden Euro gefallen. Der Provisionsüberschuss ist dagegen um 37 Millionen Euro beziehungsweise 5,6 Prozent auf 694 Millionen gestiegen. Das Betriebsergebnis vor Bewertung blieb mit gut 1,1 (Vorjahr: rund 1,15) Milliarden Euro annähernd stabil, unter dem Strich stand mit 334,9 (283,5) Millionen Euro ein höherer Gewinn. Die Sparkassen in Hessen und Thüringen steigerten ihre Kundeneinlagen um 3,2 Milliarden Euro auf rund 91,6 Milliarden Euro. Das Kreditvolumen legte ebenfalls um 3,7 Prozent auf gut 68,7 Milliarden Euro zu. Auch für 2016 rechnet der Verband mit Zuwächsen.

Bei den Einlagen hat sich der Trend zur kurzfristigen Geldanlage auch 2015 ungebremst fortgesetzt. Die täglich fälligen Gelder legten um gut zehn Prozent zu. Dagegen gingen die Spareinlagen (-3,3 Prozent), die Termingelder (-17,7 Prozent) und die Eigenemissionen (-20,1 Prozent) zurück.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare