Ein Spatenstich in der Krise

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Landung in Frankfurt. Ab dem Jahr 2011 soll dafür auch die neue Landebahn Nordwest zur Verfügung stehen. Heute ist der offizielle Baubeginn.

Frankfurt - Der Wald ist gerodet, der Bau der Nordwest-Landebahn kann beginnen: Heute ist Symbolik angesagt, wenn Ministerpräsident Roland Koch, Fraport-Chef Wilhelm Bender und Frankfurts OB Petra Roth den Spaten in die Hand nehmen. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Vier Milliarden Euro investiert Fraport insgesamt, denn auch ein drittes Terminal ist vorgesehen. Bis zu 40 000 neue Arbeitsplätze direkt am Flughafen sollen entstehen, die Zahl der Starts und Landungen um 50 Prozent gesteigert werden. Und das nicht nur mitten im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet, sondern nunmehr auch mitten in der Krise. Sie ist für die zahlreichen Kritiker im Umfeld ein weiteres Argument, die Notwendigkeit dieses Projektes zu bezweifeln, das in Zeiten stetig wachsenden Luftverkehrs geplant worden ist.

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Doch auch jetzt, wo die Passagierzahlen unbestritten sinken, arbeite der Flughafen ständig am Rande der Kapazitätsgrenze, so Unternehmenssprecher Klaus Busch. Sobald die Krise überwunden sei, werde eintreten, was bislang nach allen Rückschlägen, ob 11. September oder Irak-Krieg, eingetreten sei: das Passagierminus werde nicht nur ausgeglichen, sondern überkompensiert.

Ab 2011 etwa 120 Flieger pro Stunde

Nach Inbetriebnahme der Landebahn im Kelsterbacher Wald , geplant für den Winterflugplan 2011, sollen auf dem Frankfurter Flughafen 120 statt bisher 80 Starts und Landungen pro Stunde möglich sein. Im Süden des Flughafens soll bis 2015 außerdem ein neues, drittes Terminal gebaut werden für zusätzliche 25 Millionen Passagiere pro Jahr. 2008 zählte Fraport 53,5 Millionen Passagiere. Die neue, vierte Bahn ist 2 800 Meter lang und 45 Meter breit. Sie wird über zwei Rollbrücken über die ICE-Trasse und die Autobahn 3 an die heutigen Betriebsflächen angebunden. Am Flughafen arbeiten insgesamt 70 000 Beschäftigte in über 500 Firmen. Fraport ist seit 2001 an der Börse, Hauptanteilseigner sind das Land und die Stadt Frankfurt. (wet)

Für die Gegner des Ausbaus, über den zum Zeitpunkt der Genehmigung Ende 2007 fast zehn Jahre diskutiert worden war, ist der heutige Spatenstich auch deshalb kritikwürdig, weil vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel das Hauptsacheverfahren noch ansteht. Allerdings hat der VGH die Klagen der Kommunen im Eilverfahren abgelehnt. Spätestens seitdem besteht weder bei Fraport noch bei der Landesregierung der geringste Zweifel, dass das Projekt auch vor dem Bundesverwaltungsgericht bestehen wird. Fraglich ist noch, wie viele Nachtflüge die Richter genehmigen: 17, wie die Behörden, mehr, wie von den Fluggesellschaften gefordert, oder gar keine, wie von der CDU-Landesregierung versprochen und deshalb sogar von Fraport beantragt worden war. Über Jahre hatte diese Frage auch Mediation beschäftigt. Mit dem Verfahren zum Interessenausgleich wollte man auch eine Neuauflage der bürgerkriegsähnlichen Zustände beim Neubau der Startbahn West in den achtziger Jahren verhindern. Zumindest das ist gelungen.

Quelle: op-online.de

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