Spektakuläre Prozesse 2013

Kuh-Attacke und Hitlergruß

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Jonathan Meese.

Frankfurt - Eine erfundene Vergewaltigung mit schweren Folgen und der Hitlergruß des Künstlers Jonathan Meese gehören zu den aufsehenerregendsten Fällen hessischer Gerichte im Jahr 2013. Von Ira Schaible 

Die erfundene Vergewaltigung einer Lehrerin aus dem Odenwald, mit der die Frau einen unschuldigen Kollegen fünf Jahre ins Gefängnis gebracht hatte, erregte die Gemüter in ganz Deutschland. Wegen schwerer Freiheitsberaubung verurteilte das Landgericht Darmstadt die inzwischen 49-Jährige zu fünfeinhalb Jahren Haft. Das Alter der Angeklagten und der zeitliche Abstand zur Tat waren in einem anderen Fall besonders spektakulär: Fast 40 Jahre nach dem Terror-Attentat auf die Wiener Opec-Konferenz mit drei Toten wurde die 80 Jahre alte Sonja Suder vom Vorwurf der Mittäterschaft freigesprochen. Wegen der Beteiligung an drei Anschlägen Ende der 1970er Jahre in Süddeutschland verurteilte sie das Landgericht Darmstadt zwar zu dreieinhalb Jahren Haft. Da sie aber bereits mehr als zwei Drittel der verhängten Strafe in der Untersuchungshaft abgesessen hat, verließ sie den Gerichtssaal als freie Frau.

Der Künstler Jonathan Meese wurde in einem Verfahren um einen verbotenen Hitlergruß rechtskräftig freigesprochen. Meese hatte in einem öffentlichen Gespräch im Juni 2012 die „Diktatur der Kunst“ gefordert und den Arm zweimal zum verbotenen Gruß gehoben. Besonders kurios: die tödliche Attacke einer Kuh. Mutterinstinkte sollen „Verona“ dazu gebracht haben, eine Spaziergängerin in Mittelhessen anzugreifen und zu töten. Das Amtsgericht Dillenburg hielt die Besitzerin des Tieres der fahrlässigen Tötung für schuldig und sprach eine Verwarnung aus.

Vaterschaftsklage gegen Udo Jürgens

Die Vaterschaftsklage einer Frau aus Südhessen gegen den Schlagersänger Udo Jürgens wies das Oberlandesgericht Frankfurt ab. Für die 42-Jährige ist der Rechtsweg damit zu Ende. In dritter und letzter Instanz gewann die Witwe des Frankfurter Ehrenbürgers und ehemaligen „Bierkönigs“ Bruno H. Schubert den Streit um das Erbe vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Von dem Millionenerbe ist aber vermutlich gar nichts übrig.Im Prozess um den Fall einer Leiche ohne Kopf und Beine verurteilte das Landgericht Darmstadt den Angeklagten wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft. Die Richter waren der Überzeugung, dass der 56-Jährige seinen acht Jahre jüngeren Mitbewohner in Büttelborn umgebracht und dann Kopf und Beine abgetrennt hatte. Danach habe er die Leiche in die Nähe der fast 30 Kilometer entfernten Burg Frankenstein bei Mühltal gebracht und in Brand gesteckt.

Mindestens neun andere Menschen wurden wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Besonders brutal waren zwei Morde an Obdachlosen. Lebenslange Freiheitsstrafen wurden nach dem gewaltsamen Tod eines 50 Jahre alten Wohnsitzlosen in Rüsselsheim für ein Pärchen verhängt. Die beiden hatten das betrunkene Opfer gewürgt, getreten und mit einer abgeschlagenen Flasche am Hals verletzt. Im neu aufgerollten Prozess um den Mord an einem Obdachlosen in Bad Hersfeld milderte das Landgericht Fulda die Strafen für die beiden Täter auf zehn und siebeneinhalb Jahre ab. Die 24 und 25 Jahre alten Männer hatten Anfang 2012 stark betrunken einen schlafenden 47 Jahre alten Obdachlosen zu Tode geprügelt. Das Landgericht Limburg verhängte lebenslange Haft gegen eine 34-Jährige, die ihre drei Babys mit Spucktüchern erstickt hat. „Sie fühlte sich durch das Schreien des Kindes gestört und hat es abgeschaltet wie ein Radio“, sagte der Richter über die als Mord gewertete Tat.

Freispruch für Jonathan Meese

Freispruch für Jonathan Meese

Für tödliche Schüsse auf einen Familienvater verurteilte das Landgericht Darmstadt zwei Männer zu lebenslanger Haft. Bei dem Älteren stellten die Richter auch die besondere Schwere der Schuld fest. Motiv sollen Schulden gewesen sein. Ein 51-Jähriger, der aus einer Bridge-Runde ausgeschlossen wurde, tötete seine 69 Jahre alte Nachfolgerin und erhielt dafür vom Landgericht Frankfurt eine lebenslange Freiheitsstrafe. Um ein Haus erben zu können, soll ein Frankfurter seinen Vater und seinen blinden Bruder erschossen haben. Auch er muss lebenslang hinter Gitter. Zu lebenslanger Haft hat das Landgericht Frankfurt zwei Männer nach dem Raubmord an einer Rentnerin aus Kelkheim verurteilt.

Unschuldig im Gefängnis: Freispruch nach Jahren

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Quelle: op-online.de

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