In der nächsten Woche soll das Hessen-Kabinett stehen

Stühlerücken oder doch neue Köpfe?

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Macht es spannend: Volker Bouffier 

Wiesbaden - „Die Anspannung, insbesondere im Regierungsapparat, ist sehr beachtlich. “ Der das sagt, kennt sich aus in der Hessen-CDU. Und auch bei Roland Koch war es schon so: Wer Minister wird, bewegt der Ministerpräsident allein in seinem Herzen. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Und die Kandidaten, die sich derzeit im Büro von Volker Bouffier die Klinke in die Hand geben, warten auf den ersehnten Anruf. Genau acht können sich über eine Zusage freuen, dem nächsten Kabinett anzugehören: Die sechs Fachministerien für Finanzen, Kultus, Justiz, Wissenschaft, Soziales und Inneres sind zu besetzen, außerdem die Leitung der Staatskanzlei und die Stelle des Bevollmächtigten für Europa und Bundesangelegenheiten. Wirtschaft und Umwelt gingen bereits an die Grünen Tarek Al-Wazir (42) und Priska Hinz (54).

Zwei kämpfen besonders um ihren Verbleib im Kabinett: Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann und Innenminister Boris Rhein. Die 51-jährige Repräsentantin Nordhessens im Kabinett und Vize-Parteichefin gilt ob ihrer schroffen Art als schwierig, dürfte aber aufgrund des Regional- und Geschlechterproporzes gesetzt sein. Rhein hat nach dem Abschluss der Personalquerelen rund um LKA-Präsidentin Sabine Thurau viel getan, sich als Kämpfer gegen Salafisten, Hells Angels und randalierende Fußball-Fans zu positionieren. Ob der 42-Jährige damit seinen Job rettet, ist ungewiss: Der Regierungspräsident in Bouffiers Heimat Gießen, Lars Witteck (39), soll gute Karten haben, als Neuling ins Kabinett zu kommen.

Ansonsten glaubt man in der CDU, dass der Chef sich angesichts des schwarz-grünen Experiments an bewährtes Personal hält, das allenfalls die Häuser wechselt. An erster Stelle zu nennen ist die von Bouffier geschätzte Lucia Puttrich (52), die das Umweltministerium für die Grünen freimachen muss, aber auch Finanzminister Thomas Schäfer (47) und der Leiter der Staatskanzlei Axel Wintermeyer (54). Ausnahme: Michael Boddenberg (55), bislang Minister für Bundesangelegenheiten, wird höchstwahrscheinlich die Fraktion führen, da sich Christean Wagner mit 70 aufs Altenteil zurückgezogen hat. Als ministrabel gelten auch Kühne-Hörmanns Staatssekretär Ingmar Jung (35) sowie Generalsekretär Peter Beuth (46).

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Unsicher ist die Zukunft des aus Offenbach kommenden Sozialministers Stefan Grüttner (57). Er soll sich für den Posten des Landtagspräsidenten interessieren, den zur Zeit noch Norbert Kartmann bekleidet. Aber vielleicht folgt Kartmann, der am Donnerstag 65 Jahre alt wird, ja dem Vorbild seines SPD-Präsidiumskollegen Lothar Quanz und macht den Weg frei für Jüngere. Quanz, lange Jahre Schulpolitiker der SPD und seit 2003 Erster Vizepräsident des Hessischen Landtags, hat schon seinen Verzicht verkündet. Künftig will er sich neben der Europapolitik wieder verstärkt der Bildungspolitik zuwenden. Die ist bislang das Terrain von Heike Habermann (58) aus Offenbach. Dem Vernehmen nach soll eine Frau auf Quanz folgen, die Parlamentserfahrung mitbringen müsste. Auf Habermann träfe das zu. Am Dienstag will Bouffier alle Spekulationen beenden und sein Personaltableau kundtun.

Quelle: op-online.de

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