Sperrung der A5

Apokalyptischer Brückentag am Darmstädter Kreuz

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Darmstadt/Frankfurt - Das Darmstädter Kreuz ist noch bis Sonntagmorgen eine gigantische Baustelle. Zwei Autobahnbrücken werden abgerissen, eine dritte vorübergehend demontiert. Die nötige Sperrung der A5 wird zugleich genutzt, um am Frankfurter Kreuz 18.000 Quadratmeter Asphalt zu erneuern.

Die Autobahn 5 ist am Donnerstagabend hell erleuchtet. Über dem Darmstädter Kreuz hängt eine riesige Staubwolke. Rhythmisches Hämmern wird untermalt von einem dumpfen Grollen, der Lärm ist ohrenbetäubend. Innerhalb von 57 Stunden werden dort zwei Brücken abgerissen: ein gigantisches Projekt auf einer der meistbefahrenen Straßen Deutschlands. Auch die Behelfsbrücke für die Straßenbahn-Strecke Darmstadt - Griesheim muss demontiert und am Ende der Arbeiten wieder eingesetzt werden. Parallel dazu werden am Frankfurter Kreuz gut 18.000 Quadratmeter der Fahrbahnen erneuert.

"Eine Baustelle in der Größenordnung ist außergewöhnlich", sagt Jochen Vogel, Sprecher der Straßenverwaltung Hessen Mobil. Drei Jahre dauerte die Planung. Insgesamt arbeiten bis Sonntag rund 220 Menschen im Schichtbetrieb auf den Baustellen. Dabei fallen 5000 Kubikmeter Schutt an. Die Betonbrocken werden an Ort und Stelle zerkleinert, neben der Autobahn gelagert und für den Straßenbau recycelt.

Bis Sonntag früh Behinderungen

Autofahrer müssen bis Sonntag früh mit Behinderungen rechnen. Das Darmstädter Kreuz ist zwar sowohl Richtung Norden als auch Richtung Süden als Auf- und Abfahrt geöffnet, der Fernverkehr jedoch wird über die A 3 und die A 67 umgeleitet, weil das Teilstück zwischen den Brücken voll gesperrt ist. Das Frankfurter Kreuz ist nicht komplett gesperrt, aus Richtung Norden bleibt ein Fahrstreifen bis Weiterstadt offen.

"Wir haben diesen Termin bewusst gewählt", sagt Vogel. Für den Brückentag rechneten Experten mit 20 Prozent weniger Verkehr als an einem normalen Freitag. Und am Freitagmorgen zumindest schien die Rechnung aufzugehen: Die Autobahnen rund um Frankfurt und Darmstadt blieben zunächst von größeren Staus verschont. "Alles noch im grünen Bereich. Auch die Umleitungen sind noch frei", sagte ein Sprecher der Autobahnpolizei Darmstadt am frühen Morgen. Am Sonntag um 06.00 Uhr sollen die Arbeiten beendet sein. Wenn also die Kurzurlauber im Tagesverlauf zurückkommen und Berufspendler am Montag wieder losfahren, ist - wenn alles gut geht - der ganze Spuk vorbei.

Täglich 225.000 Fahrzeuge auf dem Darmstädter Kreuz unterwegs

Weichen müssen im Bereich des Darmstädter Kreuzes die Zubringer-Brücke der A 672 und die etwas nördlicher gelegene Brücke, die die Bundesstraße 26 am Ortseingang von Griesheim über die A 5 führt. Obwohl erst in den 60er Jahren errichtet, sind sie marode. "Die Bauwerke wurden unter den damaligen Bedingungen geplant", erklärt Vogel. Heute sind täglich 225.000 Fahrzeuge auf dem Darmstädter Kreuz unterwegs. Eine solch hohe Belastung sei damals nicht absehbar gewesen. "Vor allem die Lastwagen sind heute viel schwerer." Hinzu komme der Einsatz von Tausalz seit den 70er Jahren, das dem Beton zusetze.

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Mehrere Abbruchbagger stoßen ihre Meißel in die Fahrbahn, fressen sich durch den Beton. Brocken fliegen meterweit durch die Luft. Wo Stahl auf Stahl trifft, sprühen Funken. Plötzlich bricht ein Stück aus der Brücke, so groß wie eine Tischplatte. Einen Moment hängt es an den Stahlfäden, fällt dann krachend zu Boden und zerbirst. Die Erde zittert, neuer Staub steigt auf. Apokalypse am Darmstädter Kreuz.

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Die Bagger reißen zuerst von oben den Beton ein. Am Ende brechen sie die tragenden Elemente der Brücke von unten ab. Dafür muss die Straßenbahnbrücke demontiert werden, damit die Bagger genug Platz haben. Diese besteht aus zwei 35 Meter langen Teilen mit einem Gewicht von je 80 Tonnen. Kein Problem für den Kranwagen, der kann auch 500 Tonnen heben. Zwei Bauarbeiter haken die Stahlseile an der Brücke ein. Kurz ruckelt es, dann schwebt sie in der Luft. Der Kran schwenkt seine Last zur Seite und lässt sie langsam ab. Um Mitternacht sind beide Brückenteile samt Schienen abgebaut. Die Straßenbahn wird erst am Montagmorgen wieder fahren, bis dahin werden Busse eingesetzt.

Die neuen Brücken sollen laut Vogel 70 Jahre halten und werden voraussichtlich im Herbst 2014 eröffnet. Bis dahin sind noch 13 Bauphasen geplant. Die Gesamtkosten für Abriss und Neubau belaufen sich auf 24 Millionen Euro.

dpa

Quelle: op-online.de

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