Spezialklinik kämpft um jede Stimme

Logopädin Dagmar Reinhardt bei Sprech- und Entspannungsübungen mit einer Patientin.

Frankfurt/Rhein-Main - Weilmünster Wenn die 51 Jahre alte Frau aus Berlin Klavier spielt oder auf Trommeln schlägt, geht es ihr gut. Dann kann sie alles vergessen: ihre Stimmlosigkeit, ihre Angst vor der Zukunft und dass sie in einer Klinik ist. „Die Musiktherapie hilft mir am meisten, dabei kann ich sogar ein bisschen sprechen“, flüstert die Frau.

Sie ist Patientin im Klinikum Weilmünster bei Weilburg, dem einzigen Akutkrankenhaus Deutschlands für Stimm- und Spracherkrankungen. Etwa 400 Patienten aus dem ganzen Land werden dort jährlich behandelt.

Diese Menschen haben eine Gemeinsamkeit: Sie können nicht oder nur noch schlecht sprechen. Die Ursachen sind vielfältig. So kann eine Bankangestellte nach einer Stimmband-Operation nur noch flüstern. Ein Kellner leidet an einer Stimmbandlähmung, hervorgerufen durch die Überbeanspruchung der Stimme. Bei der Frau aus Berlin sorgten Angst und Stress im Beruf dafür, dass es ihr im wahrsten Sinne des Wortes die Stimme verschlug.

„Psychosomatische Gründe sind häufig die Ursache“, sagt die Psychologin des Krankenhauses, Dorothea Metz-Schneider. Gegen diesen Gedanken sträuben sich viele Patienten, ohnehin fällt die Krankheitseinsicht oft schwer. Sie sehen ihre Heiserkeit oder ihre Stimmlosigkeit nicht als Krankheit, sondern als lästiges Übel. So war es auch lange Zeit bei der Frau aus Berlin. Zunächst war sie oft heiser, im Jahr 2003 blieb die Stimme ganz weg. „Ich dachte, es gibt sich schon wieder“, erinnert sie sich. Dann tingelte sie von Arzt zu Arzt und brachte etliche Therapien hinter sich. Durch Zufall erfuhr sie von der Klinik in Weilmünster.

Wie die meisten Patienten bleibt sie sechs Wochen in dem Krankenhaus, jeden Tag stehen etliche Therapien auf dem Programm. Es gibt Entspannungsübungen, Logopäden arbeiten mit den Patienten, hinzu kommen Psychotherapie und Musiktherapie. Viele der Menschen können als geheilt entlassen werden, garantieren kann das zu Beginn der Behandlung keiner. „Die meisten Patienten wollen als erstes wissen, wann sie wieder sprechen können“, erklärt die Chefärztin Dr. Christa Müller.

Das war auch bei der Frau aus Berlin nicht anders. Nach fünf Wochen Klinikaufenthalt meint sie: „Es ist schon besser geworden. Doch wenn ich an meine Arbeit denke, krampft sich alles zusammen.“ Wann und ob überhaupt sie wieder ganz gesund werden wird, ist fraglich.

Nach der Klinik wird sie noch in eine Reha gehen. Dann will sie sich zu Hause in Berlin einen neuen Job suchen, am liebsten in einer Verwaltung, wo sie nicht viel reden muss. „Wenn ich den nicht finde, bin ich wohl erwerbsunfähig“, sagt sie.

Quelle: op-online.de

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