Sportärzte: Bewegung kann bei Krebs helfen

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Symbolbild

Frankfurt - Bewegung ist gesund, das ist nichts Neues. Dass Sport aber auch als intensives Mittel gegen Krebs helfen kann, hat erst die jüngste Forschung ergeben. Von Lara Sturm

Auch auf dem diesjährigen Deutschen Sportärztekongress beschäftigt man sich mit der Frage, warum Sport nicht nur Tumorerkrankungen vorbeugt, sondern sie manchmal auch heilt.

Krebs gehört zu den häufigsten schweren Erkrankungen mit Todesfolge in der deutschen Bevölkerung. Therapien, die die Lebensqualität der Patienten verbessern, sind gefragt. Sport ist eine davon. „Traut euren Patienten mehr zu“, empfiehlt Wilhelm Bloch, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule, seinen Ärztekollegen. Seit zehn Jahren beschäftigt sich die Forschung mit der Frage nach sportbezogenen Maßnahmen im Kampf gegen den Krebs. Doch noch immer sind viele Krebsspezialisten skeptisch: Soll man Schwerkranken eine Sporttherapie empfehlen? „Unbedingt“, findet Bloch. Zaghafte Ratschläge seien oft nicht der richtige Weg. Man müsse die Patienten von Anfang an ermutigen. Wenn der operative Eingriff überstanden sei und die Chemotherapie laufe, könne mit dem Sport begonnen werden. Schnell würden die Patienten die Angst vor einer Überanstrengung verlieren. „Der gewonnene Nutzen zeigt den Patienten deutlich, dass dies der richtige Weg ist“, beschreibt Bloch seine Erfahrungen.

Wie viel Sport gesund ist, hängt von der Schwere der Krebserkrankung ab. Daher sei eine sportmedizinische Beratung immer notwendig. Eigenständiges Handeln ohne ärztlichen Rat empfiehlt Bloch nicht. Die Trainingskonzepte für die Onkologie beinhalten unterschiedliche Trainingsformen wie Kraft- und Ausdauertraining. Wie man Fitnesstrainer für solche und andere Situationen sensibilisieren kann, ist ebenfalls ein Thema auf dem diesjährigen Deutschen Sportärztekongress in Frankfurt. „Ganz wichtig ist eine starke Vernetzung, eine Brückenbildung“, erklärt Klaus-Michael Braumann, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). Auf dem Kongress ist erstmals eine Trainerfortbildung vorgesehen. Diese soll eine bessere Beratung sicherstellen.

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Laut der DGSP geben immer wieder Trainer Fitnessmythen an ihre Kunden weiter. „Beispielsweise lässt sich ein Bierbauch nicht mit Rumpfbeugen wegtrainieren“, erklärt Winfried Banzer, der DGSP-Präsidiumsbeauftragte. Stattdessen hilft Joggen, Walken oder Radfahren.

Ärgerlicher als ein Mythus ist aber ein schlechter Rat beim Fitnesstraining. Falsches Training kann ein Grund für Rückenschmerzen sein. 90 Prozent der Deutschen leiden mindestens einmal im Leben unter diesen Schmerzen, bei jedem Vierten sind sie sogar chronisch. Dabei bieten in vielen Fällen bereits kleine Übungen gute Heilungschancen. Damit dies auch in den Arztpraxen und in den Fitnessstudios ankommt, sagt das Großprojekt „Ran Rücken“ den Schmerzen den Kampf an. Behandlungsmethoden aus dem Spitzensport sollen für die Allgemeinbevölkerung zugänglich gemacht werden. Das Forschungsnetzwerk plant, die Ergebnisse im Frühjahr 2014 der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Gute Nachrichten gibt es schon jetzt von einer anderen Front. Nach zahlreichen Gesprächen übernehmen vier gesetzliche Krankenkassen eine sportmedizinische Voruntersuchung. Die rund sechs Millionen Mitglieder der Techniker Krankenkasse, der Betriebskrankenkasse (BKK) Mobil Oil, der BKK vor Ort und der BKK RWE, können nun ohne Selbstbeteiligung diesen speziellen Check-Up durchführen. „Durch die Ermittlung der Belastbarkeit kann den Patienten ein optimales Training ermöglicht werden“, freut sich Braumann,

Sport ist also für ein gesundes Leben unabdingbar. Doch welcher Sport ist der Richtige? „Hauptsache, der Sport macht Spaß“, findet zumindest Banzer. „Da muss ich widersprechen“, fällt ihm Braumann ins Wort. „Sport sollte man nicht nur machen, wenn man gerade Spaß dran hat. Sport sollte wie Zähneputzen sein. Eine Selbstverständlichkeit.“

Quelle: op-online.de

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