Sportkreis zeichnet Engagierte aus

Wenn Damen die Spitze bilden

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Sich trauen und mitmachen: Nicht nur zum Beispiel im „Zumba“-Kurs, auch in der Vereinsspitze werden Frauen aktiv.

Dietzenbach - Oft fehlt es an Menschen, die bereit sind, eine Führungsposition in ihrem Verein zu übernehmen - besonders Frauen trauen sich oft nicht. Mit einem Vereinswettbewerb soll jetzt gegengesteuert werden. Preisträger des Projekts wurden vorgestellt. Von Barbara Scholze 

Die eingereichten Ideen waren so überzeugend, dass eine Unterscheidung in Platz eins oder zwei nicht möglich schien. Aus dem vom Sportkreis Offenbach ausgeschriebenen Wettbewerb „Wir nehmen jede Hürde - Frauen in Vereinsvorstände“ gehen der TV Dreieichenhain und die Turnerschaft Klein-Krotzenburg daher gleichberechtigt als Sieger hervor. „Beide Konzepte sind gut durchdacht“, lobte Sportkreis-Chef Peter Dinkel. Als Prämie erhalten beide Vereine je 150 Euro.

Zehn von etwa 360 Vereinen, die dem Zusammenschluss angehören, hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt. „Das ist für den Anfang gar nicht mal so schlecht“, sagte Dinkel. Die dabei skizzierten Projekte zur Frauenförderung in den Führungsgremien der Sportvereine überzeugten die Jury so sehr, dass sie über das Ranking hinaus zwei Ehrenpreise auslobte. Freuen dürfen sich über diese Anerkennung, die mit jeweils 100 Euro verbunden ist, der Verein für Fitness und Schwimmsport in Rödermark und die Sportgemeinschaft Dietzenbach.

Es mangelt an Führungskräften

Alle Beteiligten hatten einen Fragebogen ausgefüllt, der unter anderem Auskunft über frauenspezifische Angebote und Kooperationen mit anderen Vereinen verlangte. „Die Rückmeldungen waren recht unterschiedlich, auch in der Qualität, manche haben ein richtiges Konzept eingereicht“, berichtete Karin Siegmann, Frauenbeauftragte der Stadt Dreieich. Zusammen mit Sonja Arnold, Kreisbeigeordnete, Martina Dröll, Frauenreferentin im Deutschen Turnerbund und Andrea Wacker-Hempel, Kreistagsabgeordnete, hatte sie die Idee, Vereinsvorstände mit mehr Frauenpower auszustatten, entwickelt. „Es gibt viele Vereine, denen es an Führungskräften mangelt, wenn Frauen mitarbeiten, läuft es aber oft besonders gut, wirken sie doch eher integrierend“, so Siegmann. Gerhard Liebermann, Vorsitzender des Gewinnervereins TV Dreieichenhain, ergänzte: „Sport ist immer noch eine Männerwelt, ich freue mich jedes Mal, wenn ich im Landessportbund einer Frau begegne, das ist selten genug.“ Es müsse zu einem Selbstverständnis werden, dass für die Führungsaufgaben der Sportvereine nicht das Geschlecht ausschlaggebend sei, sondern die Qualität und die Kompetenz.

Zusammen mit seinem Verein hatte Liebermann ein ausführliches Arbeitspapier zum verstärkten Engagement der Frauen aufgelegt. „Wir haben unter anderem unseren Neujahrsempfang ausschließlich den Frauen im Verein gewidmet und mit einer Schule zusammen einen Film über die Historie des Frauen-Sports gedreht.“ Auch die Klein-Krotzenburger Turner beschäftigten sich lange Zeit intensiv mit dem weiblichen Geschlecht. „Wir hatten im letzten Jahr vier große Projekte, davon eins, das Frauen in den Vorstand holen sollte“, erzählte Vorstandsmitglied Romina Rizzo. Vor allem durch persönliche Ansprache des Vorsitzenden Thomas Petzold sei es gelungen, den Vorstand je zur Hälfte männlich und weiblich zu gestalten und darüber hinaus auch noch den Altersdurchschnitt erheblich zu senken. Gelungen ist das ebenso bei der Sportgemeinschaft Dietzenbach, wo Gisela Kieß als Vorsitzende mit gutem Beispiel vorangeht. „Ich sage immer, wenn ich das schaffe, könnt ihr das auch.“

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Anne von Soosten-Höllings, Vorsitzende des Vereins für Fitness und Schwimmsport in Rödermark, wies darauf hin, dass heutzutage überhaupt nur wenige Vereinsmitglieder bereit seien, ein Amt zu übernehmen. „Bei uns war es so, dass wir verstärkt Anfragen von Frauen mit Migrationshintergrund hatten, die schwimmen lernen wollten“, erzählte sie. Der Verein sei gerne bereit gewesen, das zu organisieren. „Allerdings unter der Voraussetzung, dass die Frauen sich auch bei den Vereinsaufgaben engagieren. „Dabei müssen wir sie natürlich immer dort abholen, wo sie stehen.“

Nach dem erfolgreichen Start soll der Wettbewerb nun im kommenden Jahr erneut ausgeschrieben werden. Dinkel: „Die Idee darf nicht versanden.“

Quelle: op-online.de

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