Protestkampagne gestartet

Sportvereine leiden unter Sparzwang

Frankfurt - Die Protestwelle formiert sich: Auch Sportvereine in Hessen bekommen jetzt den wachsenden Spardruck zu spüren. Der Landessportbund protestiert. Von Petra Wettlaufer-Pohl 

Mit einer Öffentlichkeitskampagne will der Landessportbund (LSB) Hessen auf die Probleme aufmerksam machen, die dem Sport durch Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand entstehen. Der kommunale Schutzschirm des Landes, der notleidende Kommunen zum Sparen verpflichte, aber auch die Schuldenbremse sorgten dafür, dass der Sport als freiwillige Leistung betrachtet werde, die zu allererst gekürzt werden müsse, sagte LSB-Präsident Rolf Müller gestern in Frankfurt. Er sieht den Stellenwert des Sportes als Staatsziel deshalb infrage gestellt. Der Sport war 2002 per Volksabstimmung als schutzwürdig in die Landesverfassung aufgenommen worden. Damals ging es allerdings weniger um die Finanzierung als um Konflikte zwischen Sport und Naturschutz.

Sport sei Pflichtleistung

Gleichwohl forderte der LSB gestern, dass der Verfassungsrang nicht zur leeren Hülle werden dürfe. Müller erinnerte an einen Erlass aus der Zeit, in der Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) noch Innenminister gewesen sei. Danach sei der Sport eben nicht als freiwillige, sondern als Pflichtleistung anzusehen. Hessens Innenminister sind nicht nur für den Sport, sondern auch für die Kommunalaufsicht zuständig.

Der LSB fordert nun, es müsse klargestellt werden, dass dies auch in Zeiten von Schutzschirm und Schuldenbremse noch gelte. Hauptargument der Sportfunktionäre sind die vielfältigen gesellschaftlichen Aufgaben, die die Sportvereine erfüllten – von der Integration über Gesundheitsvorbeugung bis zur Nachsorge reiche die Palette von Aufgaben, die ehrenamtlich erfüllt würden.

Hallennutzungsgebühren und Energiekosten machen Vereinen zu schaffen

Präsidiumsmitglied Helmut Meister sagte, Hallennutzungsgebühren, Energiekostenbeteiligungen und neue Abgaben wie der Vereinseuro, die inzwischen mancherorts erhoben würden, machten den Vereinen zu schaffen. Beim TTC Grün-Weiß Weiskirchen im Sportkreis Offenbach etwa erwiesen sich die Nutzungsgebühren von 3,50 Euro pro Stunde und Sportler als echte Belastung. Ähnliches gelte für den Tanzclub Rodgau und die Karateabteilung des Turn- und Sportvereins Heusenstamm. Wenn die Strukturen der Vereine beschädigt würden, kämen unausweichlich soziale Folgekosten auf die Kommunen zu, mahnte Meister.

Der für den Leistungssport zuständige Vizepräsident Lutz Arndt fürchtet, dass junge Talente abwanderten, wenn die Trainingsbedingungen nicht stimmten: „Wir können nicht nur alle vier Jahre bei Olympia feiern, die jungen Leute müssen erst einmal nach oben kommen können.“ Müller betonte, man müsse das Bewusstsein dafür schärfen, wie wichtig die Sportförderung sei. Auch politische Aktivitäten von Vereinsvertretern könnten dafür sorgen, dass die Interessen des Sportes noch wirkungsvoller vertreten würden.

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Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild / dpa

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