Kommentar: Auf Spuk vorbereiten

Wir sollten uns nicht zu sicher fühlen: Strom kann auch in Deutschland ganz schnell zur Mangelware werden.

Obwohl die Sicherheit der Stromversorgung im europäischen Vergleich als hoch gilt, zeigte der plötzliche Wintereinbruch Ende 2005, dass umfangreiche Infrastrukturen der Stromnetzbetreiber auch hier zerstört werden können. Der tagelange Stromausfall im Münsterland verursachte den Totalausfall wichtiger Versorgungsgüter wie Strom, Telefondienstleistungen, Trinkwasser und Infrastrukturen. Darauf vorbereitet war privat kaum jemand. Gut in Erinnerung ist auch die jüngste Strom-Hilfe aus Österreich: An zwei Tagen vor wenigen Wochen trat in Süddeutschland ein Stromengpass ein, ein altes Grazer Öl-Kraftwerk ging ans Netz und lieferte Energie nach Bayern.

Dass ins deutschen Stromnetz durch den Abschied von einigen Atomkraftwerken noch zusätzliche Unsicherheit gekommen ist, zeigt auch der aktuelle Fall im Rhein-Main-Gebiet. Seitdem Anfang August unter anderem das AKW Biblis vom Netz ging, ist die Situation im Versorgungsgebiet des Stromnetzbetreibers Amprion (dazu gehört auch der EVO-Bereich) äußerst angespannt. Lieferengpässe können für die nächsten Monate nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Wieder einmal zeigt sich: Es fehlen nicht nur moderne Höchstspannungs-Leitungen für den Stromtransport von Nord nach Süd. Auch die Probleme mit der sogenannten Blindleistung unterstreichen, dass Regierung und Industrie mit höchstem Druck die am Anfang stehende Energiewende umsetzen müssen.

Stadtwerke in der Region und EVO haben mit ihrem Notfallplan vorgelegt, sie haben verantwortungsvoll und korrekt gehandelt. Denn bei einem Stromausfall, der mehrere Stunden dauert, wird es brenzlig. Tiefkühlschränke stoppen, medizinische Geräte funktionieren nicht mehr. Auch in den für viele Firmen wichtigen Computernetzen und im Internet bleibt es dann dunkel. Darauf muss man sich vorbereiten können; dazu gehört auch, dass jeder weiß: Nach längstens 90 Minuten ist der Spuk vorbei. Deswegen ist es gut, dass der bislang geheim gehaltene Notfallplan jetzt an die Öffentlichkeit gelangt ist.

Quelle: op-online.de

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