Immer der Erste

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Der frühere Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann ist zum Ehrenbürger der Mainmetropole ernannt worden.

Frankfurt/Rhein-Main - Erster war Walter Wallmann in vielen Ämtern: erster Frankfurter CDU-Oberbürgermeister, erster hessischer CDU-Ministerpräsident und erster Bundesumweltminister. Am Donnerstag kam noch etwas hinzu: Wallmann erhielt an seinem 77. Geburtstag als erstes  Stadtoberhaupt die Ehrenbürgerschaft. Von Anne-Katrin Einfeldt (dpa)

Seine politische Laufbahn startete der gebürtige Niedersachse nach seinem Jura-Studium in Marburg. Wallmann arbeitete einige Jahre als Richter, bevor er 1966 in den hessischen Landtag einzog. Sechs Jahre später wechselte er in den Bundestag. Dort profilierte er sich als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses, der die Rolle des DDR-Spions Günter Guillaume im Bonner Kanzleramt aufzuklären versuchte.

Kampf gegen Schmuddel-Image Frankfurts

Deutliche Spuren hinterließ Wallmann in den Jahren 1977 bis 1986 als Oberbürgermeister in Frankfurt. Er kämpfte gegen das Schmuddel-Image der Bankenstadt. Die wiederaufgebaute Alte Oper wurde glanzvoll eröffnet, am Main entstand das Museumsufer, und der Platz am Römer erhielt sein historisches Gesicht zurück. Wenn sie auch oft als „Puppenstube“ kritisiert wird: Die Touristen lieben diese Fachwerkhauszeile. In die Ära Wallmann fielen aber auch gewalttätige Ausschreitungen Autonomer, so der Sturm auf das US-Konsulat 1978 bei einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs und die Auseinandersetzungen um den Bau der Startbahn West am Flughafen Anfang der 80er Jahre.

Erster CDU-Ministerpräsident Hessens

Wallmann bescherte den Hessen unter anderem die Direktwahl der Bürgermeister und Landräte. In seiner vierjährigen Arbeit als Regierungschef musste der Mann mit der Vorliebe für blaue Anzüge aber auch Kritik einstecken. Ende 1988 wurde bekannt, dass ein ernster Störfall im Atomkraftwerk Biblis ein Jahr lang verschwiegen worden war. Im folgenden Jahr erlitt die CDU eine herbe Niederlage bei der Kommunalwahl. Aufsehen erregte die „Tulpenzwiebelaffäre“: Haus- und Gartenarbeiten an seinem Privathaus in Frankfurt hatte sich Wallmann aus der Staatskasse bezahlen lassen.

Verzicht auf Oppositionsrolle

Das „Experiment mit einem CDU-Ministerpräsidenten“, wie eine große Zeitung schrieb, beendeten die Hessen im Januar 1991. Der Sozialdemokrat Hans Eichel gewann die Wahl und konnte mit den Grünen erneut eine Regierung bilden. Daraufhin verzichtete Wallmann auf die Rolle des Oppositionsführers, legte sein Landtagsmandat nieder und gab wenige Monate später auch den CDU-Landesvorsitz vorzeitig ab.

Heute gesundheitlich angeschlagen

Die Abstinenz von der Tagespolitik beendete er 1995, als Wallmann den Vorsitz der Frankfurter CDU übernahm. Im Rathaus Römer drängte er zur Zusammenarbeit mit der rot-grünen Mehrheit und setzte die Kandidatur von EU-Ausländern auf der Unionsliste durch. Er begründete dies mit dem Satz: „Die CDU war und ist seit ihrer Gründung die Europa-Partei.“ Im März 1997 wurden die Christdemokraten stärkste Fraktion im Frankfurter Rathaus. Vier Monate später gab Walter Wallmann aus gesundheitlichen Gründen seine politische Tätigkeit auf. 1999 beendete er auch seine Tätigkeit als Generalbevollmächtigter der Deutsche Vermögensberatung AG.

Quelle: op-online.de

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