Stada setzt auf Osteuropa

Bad Vilbel - Zwar machen die deutschen Gesundheitsreformen der vergangenen Jahre der Stada Arzneimittel AG zu schaffen. Dennoch will das Unternehmen mit Sitz in Bad Vilbel kräftig expandieren - vor allem in Osteuropa. Von Marc Kuhn

Nicht zuletzt deshalb, weil dort viele Patienten ihre Medikamente direkt selbst bezahlen. „Wir sind sehr umtriebig“, sagt Lothar Guske, Geschäftsführer der Generika-Vertriebsgesellschaft Stadapharm, unserer Zeitung in Bad Vilbel. „Wir sind weiter auf der Suche nach Chancen. “ Vor allem die zusammenwachsende Europäische Union bietet den Hessen viele Möglichkeiten. Aber auch in Deutschland baue Stada seine Geschäfte aus. „Das ist ein wesentlicher Vorteil für die Standortsicherung. “.

Stada konzentriert sich auf Generika und Markenprodukte. Bei Generika würden Wirkstoffe verwendet, für die der Patentschutz des Originalanbieters abgelaufen sei, erklärt Guske. Damit würden qualitativ gleichwertige Produkte entwickelt, die jedoch billiger angeboten werden könnten. Guske spricht von einem volkswirtschaftlichen Nutzen, da die Pillen und Salben bis zu 60 Prozent günstiger verkauft werden. „Da spart man richtig Geld bei gleicher Qualität, denn Generika sind immer so gut wie das Original.“ Etwa 90 Prozent der Stada-Produkte in diesem Segment seien verschreibungspflichtig. Ohnehin würden alle Arzneien der Hessen in Deutschland nur über Apotheken vertrieben, erläutert Guske.

Die Verbindung zu den Apotheken hat historische Wurzeln. Schließlich wurde Stada 1895 als Apothekengenossenschaft in Dresden gegründet. Stada steht für Standard Arzneimittel Deutscher Apotheker. 1956 zog die Firma nach Bad Vilbel. Seit 1975 konzentriert sie sich auf Generika und ist seit 1997 an der Deutschen Börse im MDax gelistet.

Mittlerweile hat Stada rund 1500 Produkte auf dem Markt. Ein Teil wird in Bad Vilbel produziert. Der Rest in einem der 15 Werke, die auf acht Länder verteilt sind - unter anderem in Russland, Serbien und China. Über 44 Vertriebsgesellschaften in 31 Ländern werden die Geschäfte abgewickelt. Hinzu kommen Exporte in über 50 Länder. In Deutschland hat Stada mehr als 1200 Mitarbeiter, allein in Bad Vilbel über 850. Etwa 95 Angestellte arbeiten im Hochregallager in Florstadt. Im Stada-Konzern stehen rund 7800 Menschen auf der Gehaltsliste.

„Wir sorgen für Einsparungen“, sagt auch Adil Kachout, als Geschäftsführer der Stada GmbH für die Markenprodukte zuständig. Darunter seien viele Traditionspräparate. Zu den Umsatztreibern in Deutschland gehören das Erkältungsmittel Grippostad, die Sonnenschutzserie Ladival und die Schmerzsalbe Mobilat. Die rund 60 Markenprodukte verkaufe Stada ausschließlich über Apotheken, erklärt Kachout. Zudem sieht der Manager einen Markt für die Nahrungsergänzungsmittel seines Hauses. Stada profitiert nach den Worten des Geschäftsführers unter anderem von der demografischen Entwicklung in Deutschland. „Die Käufer werden immer älter.“ Im Durchschnitt seien die Stada-Kunden etwa 55 Jahre alt, 60 Prozent von ihnen seien Frauen.

Andererseits setzen die deutschen Gesundheitsreformen Stada unter Druck. Der Markt sei staatlich reguliert und von sogenannten Krankenkassen-Ausschreibungen beherrscht, berichtet Guske. Krankenkassen würden Verträge mit den günstigsten Anbietern schließen - und das seien häufig Unternehmen, die im Ausland Medikamente billiger herstellen könnten. „Der Herausforderung müssen wir uns stellen“, erklärt Guske. „Das Ausschreibungsverfahren der gesetzlichen Krankenkassen ist für den deutschen Standort nicht sehr gesund.“ Der Stada-Manager spricht von einer standortfeindlichen Situation in Deutschland.

Mit Problemen kämpft Stada auch in Serbien. Rund 97 Millionen Euro mussten die Bad Vilbeler dort abschreiben. Großhändler hätten ihre Rechnungen nicht begleichen können, erläutert Guske und verweist als Begründung für die Schwierigkeiten im Wesentlichen auf „deren Liquiditätsengpässe und die des staatlichen serbischen Gesundheitsfonds“. Stada hält aber an der Expansion in dem Balkanland fest, weil es aus Konzernsicht ein wichtiger Standort ist und will nun direkt an Apotheken liefern. „Es gibt Märkte mit tollen Chancen“, sagt Guske. „Da darf man sich nicht abschrecken lassen.“

Ehrgeizig sind die Wachstumsziele von Stada. Im Geschäftsjahr 2010 ist ein Konzernumsatz in Höhe von mehr als 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftet worden. Der Gewinn lag bei gut 68 Millionen Euro. In Deutschland, dem größten nationalen Markt des Konzerns, wurde ein Umsatz in Höhe von über 516 Millionen Euro erzielt. Damit trug das deutsche Geschäft rund 31 Prozent zum Konzernumsatz bei. 2014 sollen die Erlöse auf rund 2,15 Milliarden Euro steigen, der bereinigte Gewinn auf 215 Millionen Euro. „Das ist herausfordernd“, betont Guske. Welchen Anteil die Deutschen zu dem Konzernziel beitragen, will er nicht sagen. Der Geschäftsführer zeigt sich aber optimistisch, dass es erreicht wird.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare