Ein Stadel der Intrigen

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Blicke und Körpersprache sagen alles: Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) nahm gestern zusammen mit Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) Stellung zu den peinlichen Mobbing-Vorwürfen am Staatstheater Darmstadt.

Darmstadt - Schlechte Kritiken für das Staatstheater Darmstadt: Nicht vor, sondern hinter den Kulissen wird dort seit Wochen eine Intrige aufgeführt, in den Hauptrollen Intendant John Dew und Generalmusikdirektor (GMD) Constantin Trinks. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Es geht um Mobbing, Einschüchterung, Repressalien und ganz persönliche Querelen. Bevor noch mehr negative Schlagzeilen produziert werden, will Hessens Kunstministerin Eva Kühne Hörmann (CDU) dem Treiben ein Ende bereiten. Mit Ex-Staatssekretär Hans Heinrich Grosse-Brockhoff gewann sie einen Theaterkenner, der aufklären soll, was wirklich passiert ist. Dew und Trinks, die von dem „Sonderbotschafter“ der Ministerin gestern noch nichts wussten, hatten zu erkennen gegeben, dass sie beide in Darmstadt bleiben wollen.

Bisher bekannt ist, dass der GMD dem Lebenspartner Dews, Sven Ehrke, aus Qualitätsgründen eine Rolle im „Rheingold“ verweigerte. Der Intendant machte daraufhin Trinks Lebensgefährtin, der Sängerin Alexandra Lubchansky, die bereits zugesicherte Hauptrolle in Donizettis „Lucia di Lammermoor“ streitig. Wie Du mir, so ich Dir. Als das juristisch nicht gelang, habe man die Sängerin gemobbt, ihr den Zugang zu Proben verwehrt und sie mit Regieanweisungen drangsaliert, heißt es.

Das alles gelangte über die erboste Dame auch noch an die Öffentlichkeit, die angesichts des unbestrittenen künstlerischen Ranges der Beteiligten schockiert reagierte. Nicht minder entsetzt zeigten sich gestern Kühne-Hörmann und Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) nach einer Personalversammlung. Das Maß an Misstrauen, Unterstellungen und Emotionen, die die persönlichen Fehden der Chefs ausgelöst hätten, sei erschreckend, sogar von einem totalitären Regime sei die Rede gewesen.

Verwante nur mit Erlaubnis des Landes beschäftigen

Fakt ist wohl, dass Dew Verwandte nur mit Erlaubnis des Landes beschäftigen darf. In diesem einen Fall hatte er die Besetzung nicht angezeigt. Solche Vertragsklauseln seien üblich in der Theaterszene, erläuterte die Ministerin, die über die Sinnhaftigkeit derartiger familiärer Verquickungen nun aber nachdenken will.

Dew bestreitet jegliche Form des Mobbing. Zumindest seinem Geschäftsführenden Direktor Jürgen Pelz, gegen den deshalb eine Dienstaufsichtsbeschwerde vorlag, habe man nach gründlicher Prüfung nichts vorwerfen können, sagte Kühne-Hörmann. Doch beide Politiker verhehlten nicht, dass das Maß an anonymen Mails verängstigter Leute nicht von ungefähr kommen könne. Möglicherweise könne eine Mediation die Konflikte entschärfen, so Kühne-Hörmann. Aber es gebe auch Grenzen, „wenn vertragliche Verfehlungen zu Tage treten, die wir nicht mehr tolerieren können“, fügte Partsch hinzu. Womit ein weiterer Konfliktpunkt angesprochen war: Constantin Trinks nämlich habe für die Spielzeit 2012/2013 so viele Gastdirigate übernommen, dass er seine Residenzpflicht in Darmstadt nicht einhalten könne. Auch das soll jetzt verhandelt werden.

Quelle: op-online.de

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