Stadt auf Stelzen bald autonom

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„The Squaire“, jener an einen riesigen Wal´fisch erinnernde Bau an der A3 am Flughafen Frankfurt, entwickelt sich zu einer kleinen Stadt.

Frankfurt - Das Ding wiegt 350.000 Tonnen, hat eine Milliarde Euro gekostet, besitzt sogar eine eigene Postleitzahl (60600) und seit neuestem sogar eine Einkaufsmeile. Die Rede ist von „The Squaire“, dem riesigen, an einen silbernen Walfisch erinnernden Bauwerk am Frankfurter Flughafen zwischen den beiden Spuren der A3. Von Michael Eschenauer

„Große Firmen erkennen immer deutlicher, dass die Miete an sich nur einen kleinen Kostenfaktor in der Gesamtrechnung ausmacht. Viel wichtiger ist die Wertschätzung der Mitarbeiter, die sich in einem exzellenten Arbeitsumfeld manifestiert“, sagt Gerhard Niesslein, Vorstandssprecher der IVG Immobilien AG. Beim 97-prozentigen Eigentümer von „The Squaire“ schätzt man die Bedeutung des Arbeitsumfeldes für Produktivität, Kreativität, Zeitgewinn, Vernetzung und damit den Geschäftserfolg als immens ein. Seiner Verbesserung dient konsequenterweise der gestern hier eröffnete Einzelhandelsbereich mit 1400 Quadratmetern Grundfläche.

Jeden Tag 10.000 Menschen unterwegs

16, teilweise 20 Stunden täglich haben die sechs Läden geöffnet. An der Spitze steht ein Rewe-Markt. Es gibt einen Bäcker, einen Laden mit Italo-Essen zum Mitnehmen, ein Zeitschriften-, Buch- und Musikgeschäft, eine Sandwich-Bar sowie die „360 Grad-Bar“ eine Etage höher. Das Sortiment des Supermarktes ist speziell für die Klientel aus Büroangestellten und Reisenden konzipiert. Immerhin durchfluten täglich über 23.000 Bahnkunden, 150.000 Flugreisende und 70.000 Berufstätige den Flughafen. Allein im „Squaire“ sind jeden Tag 10.000 Menschen unterwegs. Die neuen Einzelhandelsflächen befinden sich direkt am ICE-Fernbahnhof auf der Ebene der bekannten Glaskuppel. Die Mieter zahlen zwischen 50 und 180 Euro pro Quadratmeter, die Büros sind für rund 30 Euro zu haben. Dies, so Niesslein, sei etwa ein Fünftel billiger als der Preis für Top-Lagen in Frankfurt.

Die Läden gehören, so der IVG-Sprecher, zum Konzept „New Work City“, das den arbeitenden Menschen in den Mittelpunkt stelle. Auf den insgesamt 140.000 Quadratmetern Nutzfläche findet sich nicht nur das kleine Einkaufszentrum. Geplant sind ferner Medical-Center, Fitness-Club, zahlreiche Cafés und Restaurants, zwei Hotels, ein Friseur, eine Apotheke und eine Reinigung. Sogar ein Kindergarten ist geplant.

„Bis Ende des Jahres werden wir wahrscheinlich 80 Prozent vermietet haben“, schätzt Niesslein. Derzeit seien etwa zwei Drittel der Flächen auf der 660 Meter langen und 65 Meter breiten Insel mit Stahlbeton-Stelzen unter der Haube.

Planungen begannen im Jahr 2000

Auf die Eröffnung mehrerer Restaurants Anfang Mai soll der Einzug des internationalen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternemens KPMG mit 2500 Mitarbeitern Ende Mai folgen. Bis zum Winter steht die Eröffnung des „Hilton“ auf dem Fahrplan. KPMG dient Niesslein als Beispiel dafür, wie „europaweit einzigartig“ der silberne Walfisch ist. Bei KPMG, die bisher ihre Zentrale in London hatte, habe man unzählige Standorte verglichen. Am Ende machte „The Squaire“ mit der Kombination Straße, Bahn, Flughafen und naher Banken-Metropole das Rennen. Als letzter Konkurrent stand Amsterdam im Ring. London war wegen der komplizierten Erreichbarkeit für KPMG nicht mehr attraktiv.

IVG plant ferner das Anbieten von „Satellite-Offices“. Sie sind gedacht für Firmen, die ihre Zentrale woanders haben, aber kurzzeitig die zentrale Lage am Flughafen nutzen und hier für einige Monate eigene Büros unterhalten wollen.

Die Planungen für „The Squaire“ begannen im Jahre 2000, Grundsteinlegung war im März 2007, Richtfest im Juni 2009. Die Eröffnung soll in mehreren Phasen verlaufen und Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Quelle: op-online.de

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