In der Stadt zurück zur Natur

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Thierry Chastagnier aus Andilly führt im Palmengarten vor, wie ein „Hängender Garten“ angelegt wird.

Frankfurt ‐ Vom „Häuschen im Grünen“ träumen heute noch viele Städter. Aber auch in den Innenstädten können Grünflächen trotz starker baulicher Verdichtung zurückerobert werden. Von Thomas Maier (dpa)

Dies zeigt nun eine Ausstellung in Frankfurt unter dem Titel „Stadt-Grün. Europäische Landschaftsarchitektur für das 21. Jahrhundert“. Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) und der Frankfurter Palmengarten stellen in einem gemeinsamen Projekt die Neugestaltung von öffentlichen und privaten Gärten an 27 Beispielen aus Berlin, Mailand, London, Paris, Zürich oder Frankfurt vor. Dabei geht es um die Verwandlung von Industriebrachen in naturnahe Räume oder darum, wie einstmals zubetonierte oder vermüllte Flusslandschaften - am Manzanares in Madrid oder am Main in Frankfurt - zu sehr gelungenen Flanierzonen wurden.

Die Ausstellung „Stadt-Grün: Europäische Landschaftsarchitektur für das 21. Jahrhundert“ ist bis 22. August in der Galerie am Palmenhaus im Palmengarten zu sehen; Öffnungszeiten: täglich 9 bis 18 Uhr. Zur Schau ist ein Katalog erschienen.

Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt: Ein Park kann wie in Amsterdam auch zum Friedhof umgenutzt werden. Besonders spektakulär ist die öffentliche Begrünung der früheren Eisenbahntrasse Paris-Varenne, die auf einem Viadukt in neun Meter Höhe durch die Vororte führt. „Öffentliche Grünflächen müssen mehr geschützt werden“, sagt Kuratorin Annette Becker. Schließlich stammen alle großen öffentlichen Landschaftsparks in den europäischen Metropolen aus der Zeit des 19. Jahrhunderts. Neue Flächen kommen nicht mehr hinzu.

Das DAM, das wegen Sanierungsarbeiten derzeit für einige Monate geschlossen ist, hat mit der Ausstellung aus der Not eine Tugend gemacht. Die gläserne Galerie im Palmenhaus bildet das perfekte Ambiente für die Ausstellung. Die Gärtner des Palmengartens haben die 27 ausgesuchten Beispiele „in natura“ noch mit Pflanzen illustriert, die in den jeweiligen Projekten verwendet werden.

Den Naturbegriff hat Kuratorin Becker nach eigenen Worten breit angelegt - er reicht vom Blumenbeet und dem kleinen Nutzgarten im Hinterhof bis zur großen öffentlichen Parkanlage. Die dokumentierten Beispiele der „Privatgärten“ sind allerdings vor allem auf den großbürgerlichen Bereich beschränkt. Dabei entwickeln Großstädter derzeit viel Fantasie bei der Rückgewinnung der Natur. Der neueste Trend ist das „Guerilla Gardening“, bei dem Umweltaktivisten und Künstler Verkehrsinseln und andere öden öffentlichen Räume in Blumenoasen verwandeln. Dieser Aspekt fehlt aber in der Ausstellung.

Prominent vertreten ist der eindrucksvolle „Vertikale Garten“, den der Franzose Patrick Blanc aus unzähligen Pflanzen und Sträuchern an der Wand eines Museumsgebäudes in Madrid geschaffen hat. Der Palmengarten will sich diesen fulminanten „Hängenden Garten“ zum Vorbild nehmen. Auf rund einem Kilometer Länge soll der Zaun um Frankfurts bekanntesten Park nach den Vorstellungen von Blanc begrünt werden. Hinter einer PVC-Wand versteckte Leitungen sollen wie in Madrid die sprießenden Pflanzen ständig mit Wasser versorgen.

Ein zwei mal drei Meter großer Prototyp ist in der Ausstellung zu sehen. Das Frankfurter Projekt soll rund 2,5 Millionen Euro kosten. Bei der Finanzierung hofft man auf Sponsoren.

Quelle: op-online.de

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