Stadtwerke wollen Strom erzeugen

Frankfurt - Mit gewaltigen Investitionen wollen die einstmals biederen Stadtwerke den Strommarkt umwälzen. Nahezu jeder Regionalversorger in Hessen sucht laut einer dpa-Umfrage nach Möglichkeiten, selbst in die Stromproduktion einzusteigen, die nicht unbedingt vor Ort stattfinden muss.

Beliebt und den geneigten Kunden gut zu vermitteln sind dabei Anlagen für erneuerbare Energien wie Sonne, Wasser, Wind und Biomasse. Doch auch die Stromgewinnung aus Abwärme (Kraft-Wärme-Kopplung) und konventionelle Kraftwerke für Kohle oder Gas stehen bei den lokalen Strommanagern hoch im Kurs.

die Versorger auf dem liberalisierten Strommarkt untereinander die Kunden abjagen, sind die Margen im reinen Stromvertrieb deutlich gesunken. Der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) sieht ein gewaltiges Potenzial für die Stadtwerke, die derzeit nur 9,2 Prozent der deutschen Kraftwerkleistung stellen. „Während die Stadtwerke über 50 Prozent der Menschen mit Strom versorgen, sind sie auf der Stromerzeugungsseite nach wie vor nur ein kleiner Player am Markt“, erläutert VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck. Einen Dämpfer haben die Pläne allerdings mit der von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) durchgesetzten Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke der Energieriesen erhalten. „Etliche angedachte und geplante Investitionen sind schon zurückgestellt worden“, sagt VKU-Mann Reck.

Die Berliner Entscheidung sei nicht nur ökologisch falsch, sondern habe auch erhebliche Planungsunsicherheit verursacht, schimpft der Marburger Stadtwerke-Chef Norbert Schüren. In Hessen hat zum Beispiel die Frankfurter Mainova geplante Investitionen in Frage gestellt. „Die Laufzeitverlängerung hat zur Folge, dass wir derzeit einen Teil der geplanten Projekte auf den Prüfstand stellen, weil der Bedarf an Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen mittelfristig sinkt“, sagt ihr Vorstandschef Constantin Alsheimer. In Wiesbaden plant die ESWE Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien. Rund 3,7 Millionen Euro sollen bis 2015 in die Produktion von Solarstrom fließen. Der Energieversorger HSE aus Darmstadt will bis 2015 über eine Milliarde Euro in saubere Energien stecken und damit ein Viertel des über das Tochterunternehmen Entega verkauften Ökostroms selbst erzeugen.

dpa

Quelle: op-online.de

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