„Unterm Strich mehr Menschen belastet“

Städte mit Lärmpausen unzufrieden

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Offenbach/Frankfurt - Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) ist überzeugt vom Erfolg des Lärmpausenmodells am Frankfurter Flughafen. Schon in den ersten Wochen habe es sich als „praktikabel“ erwiesen.

Die Städte Hanau und Neu-Isenburg sowie der Main-Kinzig-Kreis sehen das jedoch völlig anders. „Eine Lärmumverteilung zulasten einiger Gebiete kann nicht die Lösung zur Minderung von Lärmbelastungen sein“, erklärten die drei Kommunen nach einem gemeinsamen Gespräch in Neu-Isenburg. Sie lehnen das vom Ministerium gewählte Lärmpausenmodell 4 ab, weil es „neue Betroffenheiten generiert“. Die Vertreter der beiden Städte und des Kreises äußerten ihre Sorge über die gesundheitlichen Folgen des zusätzlichen Lärms und forderten stattdessen eine „klar gesetzlich geregelte Lärmobergrenze“. Nur mit ihr ließe sich der Lärm verringern. Die Beteiligten beklagten zudem, die gesetzlich festgelegten Lärmschutzbereiche berücksichtigten nicht die neue Situation: „Für viele besteht dadurch noch nicht einmal das Recht auf Finanzierung passiven Lärmschutzes.“ Und ob die Lärmschutzbereiche neu berechnet werden, sei fraglich.

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Auch deshalb berieten die Politiker über mögliche weitere Schritte gegen das ungeliebte Modell. Eine Klage wird es aber vorerst nicht geben. „Hierzu werden wir die Ergebnisse der Isenburger Fluglärmmessungen auswerten, um die Auswirkungen des Probebetriebes noch fundierter beurteilen zu können“, sagte Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos). Das Lärmpausenmodell läuft seit dem 23. April in einem einjährigen Probebetrieb. Die Fluglärmkommission hatte zuvor keines der fünf von Al-Wazir vorgelegten Modelle uneingeschränkt befürwortet, Modell 4 aber empfohlen. Demnach werden vor und nach dem Nachtflugverbot, das von 23 bis 5 Uhr gilt, Starts und Landungen abwechselnd auf verschiedenen Bahnen gebündelt, um Anwohnern eine zusätzliche Stunde Ruhe zu verschaffen. Voraussetzung ist allerdings Westwind. Minister Al-Wazir ist zuversichtlich, dass sich das Modell bewähren wird und geht davon aus, dass vor allem im Süden Frankfurts 40.000 Menschen entlastet werden. Kritiker sind dagegen skeptisch. Die Bürgerinitiativen rund um den Flughafen zum Beispiel meinen, der Lärm werden nur verschoben. Die FDP im Landtag sprach von einer „reinen Showveranstaltung“.

100. Montags-Demo im Flughafen

Vor allem Hanau, Neu-Isenburg und einige Gemeinden im Main-Kinzig-Kreis sind der Meinung, dass sie unterm Strich zu den Verlierern des Modells gehören. In Neu-Isenburg etwa würden durch mehr Verkehr auf der Südbahn des Flughafens abends 18.100 Menschen mehr mit Fluglärm belastet, während morgens nur 10 .900 entlastet würden. Für Hanau sehe es ähnlich aus.

re

Quelle: op-online.de

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