Welcome to Frankfurt

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Im English Theatre kommen Menschen aus aller Welt zusammen.

Frankfurt - Weinglas trifft auf Weinglas. „Enchanté!“ Die Ellenbogen einer dunkelhaarigen Frau lehnen auf einem Stehtisch, das Glas hält sie in die Höhe. Ein Bein hat sie hinter das andere geschwungen. Sie lächelt. Spricht auf Französisch. Von Domenico Sciuriti

Im ganzen Raum um sie herum verteilen sich Personengrüppchen, von denen man Gesprächsfetzen in verschiedenen Sprachen vernimmt. In der James-Bar des English Theatre hat sich der Internationale Stammtisch zusammengefunden.

„Der Stammtisch ist eine gute Gelegenheit für Zugezogene aus aller Welt, Menschen aus Frankfurt kennenzulernen“, erläutert David Hart. Er arbeitet für das Unternehmen Newcomers Network, das das Treffen federführend einmal im Monat organisiert. Die Initiative wurde zusammen mit Stadt, Handelskammer, English Theatre, zwei internationalen Schulen, Deutsch-Britischeer Gesellschaft und dem Regionalverband FrankfurtRheinMain ins Leben gerufen. „Hier treffen Neubürger auf Alteingesessene.“ Etwa 150 Gäste sind gekommen.

Fremd in einer Stadt

Günter Mosler ist Frankfurter. Sich selbst beschreibt er als „ausgeschlafenen Kosmopoliten mit persönlichen Erfahrungen aus – wirklich – aller Welt“. Mosler ist viel rumgekommen, lebte schon in vielen Ländern. Er kenne das Gefühl, fremd in einer Stadt zu sein. Deshalb komme er zum Stammtisch, er möchte Frankfurts Neulingen eine Stütze sein. „Wieso sind große Männer immer mit kleinen Frauen zusammen?“, fragt er mit schelmischem Lächeln eine deutlich kleinere Frau. Die beiden kommen ins Gespräch.

Zu jedem Stammtisch gibt es einen Vortrag. Immer stellt eine Frankfurter Institutionen sich und ihre Arbeit vor. So können die Zugezogenen gleich tiefer in das Stadtgeschehen eintauchen. Das Beste der Stadt präsentiere sich, betont Hart – mal ein Museum, mal eine in Frankfurt vertretene Gemeinde, mal ein Unternehmen. An diesem Abend spricht ein Architekt des neuen Gebäudes der Europäischen Zentralbank. Auf einem grauen Vorhang zeigt er Bilder und Animationen. Das Mikro hält er fest in der Hand. Nur die Frage einer Ostendbewohnerin über die Löhne der Bauarbeiter bringt ihn für einen kurzen Moment aus der Ruhe. „Wir zahlen ihnen nicht weniger, als es der Mindestlohn vorsieht“, wehrt er gefasst ab. Heute wolle er keine Politik machen.

Der soziale Nebeneffekt

Die 28-jährige Persiyana Koleva lacht viel, während sie mit Mosler spricht. Eigentlich sei sie nur wegen des Vortrags gekommen. Der soziale Nebeneffekt scheint der jungen Bulgarin aber keinesfalls etwas auszumachen. Sie ist gesprächig, findet schnell Zugang zu anderen Gästen. Koleva studierte in Trier, lebte sogar schon in Japan, seit einem Jahr ist sie nun in Frankfurt und bereits zum zweiten Mal beim Stammtisch dabei. Sie fühle sich sehr wohl in Frankfurt. Köln sei eine Studentenstadt, setzt sie zum Vergleich an: „Frankfurt hingegen ist ideal für junge Berufsanfänger.“

An der Bartheke versorgt das in schwarzen Hemden gekleidete Servicepersonal die Gäste mit Wein, Sekt oder Longdrinks. Gelbes Licht strahlt hinter ihnen auf die dunkelrote Wand. Das erzeugt elegante Atmosphäre. Das Buffet ist von einem lokalen Caterer gesponsert.

Koreanischen und hawaiianischen Wurzeln

Koleva klopft David Rhee auf die Schulter. Den Amerikaner mit koreanischen und hawaiianischen Wurzeln hat sie beim vorherigen Stammtisch kennengelernt. Rhee selbst ist schon seit 18 Monaten dabei. „Ich komme gerne hierher, weil so viele verschiedene Menschen aufeinandertreffen“, sagt er. Es sei leicht, mit anderen ins Gespräch zu kommen. „Man macht schnell Freunde.“ Rhee lebt schon seit acht Jahren in der Mainmetropole. Aus familiären Gründen verließ er Los Angeles. Heute sagt er: „Ich bin kein Business-Tourist mehr. Ich liebe Frankfurt und sehe mich mittlerweile als Frankfurter.“

Die gebürtige Frankfurterin Andrea Baer hat im Internet vom Internationalen Stammtisch erfahren. „Ich dachte, der Vortrag über das EZB-Gebäude könnte meinen Freund interessieren“, erklärt die 32-Jährige. Deshalb sei sie mit Enriwuee Lacherre zum English Theatre gekommen. Der 31-jährige Peruaner zog vor acht Jahren nach Deutschland, um Architektur zu studieren. Am Anfang sei es äußerst schwer gewesen, in der neuen Heimatstadt zurechtzukommen, erinnert sich Lacherre. Damals sprach er noch kein Wort Deutsch.

Die Premiere beim Stammtisch

Die Premiere beim Stammtisch läuft für das junge Paar gut, nach dem Vortrag finden sie schnell Anschluss an andere Gäste. Vor allem, dass so viele unterschiedliche Leute anwesend sind, gefalle ihnen. „Frankfurt ist für mich ein Tor zu Welt“, erklärt Baer. Der Stammtisch repräsentiere genau das. „Wir kommen wieder“, versichert sie.

Die Runde vor der Theke wird immer größer. Die Stammtischbesucher tauschen sich über Erfahrungen im In- und Ausland aus. Erzählen sich von ihren Jobs. Günter Mosler steht inmitten von ihnen, er hat bereits seine Visitenkarten verteilt. Ein Newcomer fragte ihn mal, wo er Tangoschuhe in Frankfurt kaufen könne. Mosel lacht, selbst diese Frage hat er beantworten können.

Mehr Infos zum Stammtisch auf www.newcomers-network.de.

Quelle: op-online.de

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