Frankfurts Weg in die Industrialisierung

Stampfend und zischend

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Rauchende Schornsteine verweisen auf eine prosperierende Industrie. Blick auf die Adlerwerke an der Höchster Straße in Frankfurt. Die Farblithographie entstand nach einem Gemälde von Hans Lack, um 1920.

Frankfurt - „Mit Dampf in die Zukunft!“ - Unter diesem Titel informieren ein neues Buch und eine Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte über Frankfurts Weg in die Industrialisierung. Von Christian Riethmüller

Die Nachbarn waren nicht entzückt. Sie klagten von der „Ohrenplage und Nasenqual“ und meinten damit die Produktion der Firma Fries in dre Schulstraße im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Dort betrieb die Familie Fries seit 1843 eine Eisen- und Metallgießerei nebst Maschinenfabrik. Es war einer der ersten Industriebetriebe in Frankfurt. Er dient als Beispiel in der neuen Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte, die sich mit der Industrialisierung Frankfurts im 19. Jahrhundert beschäftigt, deren Beginn wohl auf das Jahr 1835 terminiert werden kann. Damals fing in der bis dato von Handel und Handwerk geprägten Freien Reichsstadt die erste Dampfmaschine an zu stampfen und zu zischen. Die Druckerei Heller & Rohm hatte die Maschine zum Betrieb von zwei Schnelldruckpressen erworben. Schnell Schule machte dieses Beispiel aber nicht. Bis 1864, dem Jahr der Einführung der Gewerbefreiheit, hatte sich die Anzahl der Dampfmaschinen auf Frankfurter Gebiet gerade einmal auf etwa sechzig erhöht.

Maschinenfabrikant Johann Conrad Kämpf (mit Jacke, Bildmitte) und seine Belegschaft auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1890. Kämpf produzierte in der Höhenstraße Zentrifugalpumpen und Ventilatoren.

Spätestens mit der Gründung auch heute noch bekannter Unternehmen wie J.G. Mouson & Co., Naxos-Union oder Deutsche Gold- und Silber-Scheide-Anstalt (Degussa) und vor allem der Eingemeindung der heutigen Frankfurter Stadtteile Bornheim 1877 und Bockenheim 1895 entwickelte sich die alte Handelsstadt zum Industriestandort. Frankfurt war in dieser Zeit vor allem ein Zentrum des Maschinenbaus und der Elektrotechnik. Die bis heute geltende Bedeutung Frankfurts als Chemiestandort sollte allerdings erst Jahrzehnte später kommen - aus einem einfachen Grund: Zwar waren die Gründer der bekannten Chemiefabriken meist Frankfurter, doch die Produktionsstätten lagen in den Vororten Griesheim, Höchst und Fechenheim, die alle damals noch nicht eingemeindet waren.

Adickes von enormer Bedeutung

Von Bedeutung für Frankfurts fortschreitende Industrialisierung war schließlich auch die vom damaligen Oberbürgermeister Franz Adickes 1891 bauplanerische Ordnung, die das Frankfurter Stadtgebiet in verschiedene Bereiche einteilte, die fortan als Wohn-, als Gewerbe- oder als Mischgebiete galten. Adickes trieb auch den Bau des Osthafens voran, an den sich ein neues großes Industriegebiet im Osten der Stadt anschloss, wo schon bald die Schornsteine rauchten.

Anhand von Informationstafeln voller Fotos und Gemälde sowie etlicher in Vitrinen ausgestellter Objekte wie Schreibmaschinen von Adler, Dampfmaschinenmodellen oder auch Bügelflaschen aus den Frankfurter Brauereien erzählen die besuchenswerte Schau und das passend dazu erschienene Buch „Mit Dampf in die Zukunft!“ (Henrich Editionen, 14,90 Euro) von Konrad Schneider über einen bedeutenden Zeitabschnitt der Stadtgeschichte, der immer noch prägend für die Stadt ist, selbst wenn die Schornsteine längst den Bankentürmen gewichen sind.

Die Ausstellung „Mit dampf in die Zukunft! Frankfurts Weg in die Industrialisierung“ ist bis 7. Juni 2015 im Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster zu sehen. Öffnungszeiten: Mo - Fr 10 bis 18 Uhr, Sa, So 11 bis 18 Uhr. Ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt die Schau.

Quelle: op-online.de

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