Offenbacher Christoph Degen

Aus dem Stand ins Traumamt

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Christoph Degen

Wiesbaden - „Jung, smart, chancenlos“ - So titelte Spiegel-Online im Januar 2009. Es war klar, dass Christoph Degen, damals 28 und seit 2008 im Landtag, bei der Neuwahl dank Listenplatz 30 nicht noch einmal einziehen würde. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Ein Opfer von Andrea Ypsilantis Versagen, so der Tenor. Degen nahm es sportlich und war ganz froh, sich dann wenigstens seinem Referendariat widmen zu können. Inzwischen ist er mit Listenplatz 27 wieder im Parlament. Mit 33 immer noch jung und smart und sofort erfolgreich: Denn der gebürtige Offenbacher, der in Neuberg im Main-Kinzig-Kreis wohnt, ist aus dem Stand schulpolitischer Sprecher der Fraktion und damit Nachfolger der langjährigen Sprecherin Heike Habermann (58) geworden. Die Offenbacherin wurde Landtagsvizepräsidentin.

Degen ist begeistert, „das ist für mich das Traumamt“. Schule hat den Juso nicht nur seit zehn Jahren politisch beschäftigt, Degen ist zuletzt auch eineinhalb Jahren begeisterter Lehrer an der Frida-Kahlo-Schule in Bruchköbel gewesen, einer Förderschule für geistige Entwicklung. Mit dem Thema Inklusion ist er daher bestens vertraut. Möglicherweise auch ein Grund dafür, dass er sich sehr differenziert und unideologisch äußert.

An der Ganztagsschule hat der Förderschullehrer im Team nur acht Schüler in der Klasse unterrichtet, „das schafft enge Bindungen“. Und doch tritt er dafür ein, dass es selbstverständlich möglich sein muss, alle Kinder an Regelschulen zu unterrichten, „wenn die Rahmenbedingungen stimmen“. Die Absicht der neuen Regierung, Förderschullehrer bei inklusiver Beschulung wieder fest an einer Schule zu verankern, hält er für einen richtigen Schritt: „Man muss nur aufpassen, dass diese Kollegen dann nicht für andere Aufgaben eingesetzt werden“.

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Dem von CDU und Grünen angestrebten Gipfel für einen Schulfrieden will sich Degen nicht verschließen: „Wir sind grundsätzlich bereit, mit jedem zu reden.“ Die Vorstellungen der SPD müssten sich in einer solchen Vereinbarung aber wiederfinden – „so weit waren die der Grünen ja nicht von unseren entfernt.“ Auch die „Weiterentwicklung von G8“ beschäftigt ihn. Wer schneller Abitur machen will, soll dazu die Chance in der Oberstufe bekommen.

Die dritte große Baustelle sei die Ganztagsschule. Der von Schwarz-Grün angestrebte Pakt für den Nachmittag an Grundschulen erfülle die pädagogischen Voraussetzungen nicht. Immerhin sei er gut für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Degen fürchtet allerdings, dass ärmeren Kommunen das Geld fehlen könnte, sich zu beteiligen.

Quelle: op-online.de

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