Dem Lärm in Firmen auf der Spur

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Ralph Schöne.

Frankfurt - Es sieht aus wie ein Funkgerät mit einem Mikrofon. Wenn Ralph Schöne die Knöpfe drückt und dabei spricht, erscheinen Balken und die Zahlen schnellen bis auf Werte über 70 hoch. Von Marc Kuhn

„Sehen sie, was passiert. Und es ist nicht wirklich laut hier“, sagt der Manager von Cirrus Research. Die Rede ist von Dezibel. „Über 85 geht gar nicht“, erklärt Schöne. Zum Vergleich: Im Büro werden etwa 50 Dezibel gemessen, ein Staubsauger verursacht 80, eine Bohrmaschine 100 und ein Pistolenschuss 150 Dezibel. Ab 85 Dezibel muss am Arbeitsplatz ein Gehörschutz getragen werden. Die englische Firma, für die Schöne arbeitet, produziert und vertreibt Geräte zur Lärmmessung. Kürzlich ist die deutsche Niederlassung von Dresden nach Frankfurt umgezogen. Jetzt sucht sie Mitarbeiter. „Wir wollen wachsen“, berichtet Schöne. Seinen Umsatz in Deutschland und Österreich hat er im vergangenen Geschäftsjahr um rund 47 Prozent hochgeschraubt. „In diesem Stil wollen wir weiter machen. “.

Weltweiter Verkauf der Geräte

Die Bandbreite der Produkte reiche von „Handschallpegel-Messern bis zu anspruchsvollen, permanenten Terminals“, erläutert Schöne. Nach der Wende hatten die Briten in Dresden ein Büro aufgemacht und stationäre Anlagen zur Lärmmessung am dortigen Flughafen aufgebaut. Flughäfen seien verpflichtet, Lärm aufzuzeichnen, sagt Schöne. „Fluglärm ist ja ein Thema“, erklärt er weiter und blickt aus seinem Büro in Niederrat auf vorbeifliegende Maschinen. In Frankfurt seien die Aufträge aber seit langer Zeit an andere Firmen vergeben, erklärt der Cirrus-Manager. Sein Unternehmen habe den Standort gewechselt, weil es von der Peripherie ins Herzen Deutschlands umziehen wollte.

Die 1969 gegründete, börsennotierte Firma Cirrus verkauft ihre Produkte weltweit. Hergestellt würden sie ausschließlich in Großbritannien, erklärt Schöne. Er spricht von sehr anspruchsvollen Geräten, die individuell nach den Wünschen der Kunden zusammengestellt werden. Sie haben zahlreiche Zusatzfunktionen. So kann der Nutzer beispielsweise auch Notizen wie auf einem Bandgerät auf sie sprechen. Ein Kalibrier-Zertifikat belegt, dass die Lärmmesser technisch in Ordnung sind. Wenn sie eine Typenzulassung von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt erhalten, sind sie eichfähig, wie Schöne sagt. Geben deutsche Eichämter schließlich ihren Segen, so können die Messungen bei Gerichtsverfahren und Gutachten verwendet werden. Viele Kunden würden Wert darauf legen, dass die Messgeräte eichfähig seien, berichtet Schöne. Dies sei eine Art Gütesiegel. Aber nur wenige würden tatsächlich in die Eichämter gehen. Für Cirrus-Lärmmesser müssten Kunden mindestens 1000 Euro auf den Tisch legen, erklärt Schöne. Die Preisspanne sei „nach oben offen“.

„Schön ist Lärm in keiner Weise“

Er spricht von einem großen Markt und einem „deutlich wachsenden Bewusstsein für die Problematik“. Unternehmen müssten eine sogenannte Gefährdungsbeurteilung erstellen lassen, sagt Schöne. Dabei sei Lärm ein Parameter. Deshalb ist der Arbeitsschutz auch ein Schwerpunkt für den Einsatz der Messgeräte von Cirrus. Aber auch die Emissionen von Maschinen werden damit erfasst. So darf beispielsweise ein Rasenmäher, wenn er in den Handel kommt, nicht zu laut sein. Und: „Lärm ist eine Gefährdung für Beschäftigte in der Industrie“, erklärt Schöne und verweist auf Erfahrungen zum Beispiel im Maschinenbau und bei Brauereien, Zudem wird der Verkehrslärm mit Cirrus-Messern erfasst, nicht nur an Flughäfen, sondern auch von Straßen und Eisenbahnen. In jüngster Zeit sei Umweltlärm „ein Thema, das uns Wachstum beschert“, berichtet Schöne. Gemeint sind die Windräder, die mit ihren Geräuschen vielerorts bei Anwohnern für Ärger sorgen. Cirrus verkauft die Lärmmesser an Unternehmen. In letzter Zeit gebe es aber auch verstärkt Anfragen von Privatleuten, berichtet Schöne. Sie seien allerdings meist über den Preis verwundert. Aber: „Schön ist Lärm in keiner Weise“, sagt Schöne, „auch wenn er unter der Gefährdungsschwelle liegt.“

Quelle: op-online.de

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