Starker Frost ist Zusatz-Risiko

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Der Student Abdoulaye Maiga hatte den Brand in dem Wohnaus in Gießen entdeckt.

Gießen/Frankfurt/Hanau ‐ Bei zwei Bränden in Hessen haben etwa 130 Feuerwehrleute in der Nacht zum Mittwoch stundenlang gegen Feuer und Eis gekämpft.

In einem brennenden Hochhaus in Gießen wurden 29 Bewohner verletzt, drei davon schwer. In Hanau-Großauheim wüteten die Flammen in einem Betrieb, zwei Arbeiter erlitten Rauchvergiftungen. Auslöser für die Brände waren eine Zigarette und Schweißarbeiten. Der Frost erschwerte die Arbeit der Retter teilweise massiv. In Gießen war ein 52-Jähriger in seiner Einzimmerwohnung mit einer glimmenden Zigarette eingeschlafen - das Bett fing Feuer. Der Mann erlitt schwere Brandwunden. Die Feuerwehr löschte seine Wohnung im Erdgeschoss zwar schnell, der dichte Rauch drang jedoch in alle acht Etagen des Hochhauses. Die Flucht aus den 152 Wohnungen wurde zur tödlichen Gefahr. Zwei Schwerverletzte rettete die Feuerwehr bewusstlos aus einem Fahrstuhl. Insgesamt gab es 29 Verletzte, die meisten kamen mit Verdacht auf Rauchvergiftungen ins Krankenhaus. Der Gesamtschaden ist derzeit noch unklar.

Schnee und Eis behindern Brandbekämpfung

Die Brandbekämpfung bei Frost beschert den Feuerwehrleuten immer wieder Probleme, raubt ihnen unter Umständen wertvolle Zeit und wird im Extremfall sogar zur Gefahr. „Bei Schnee und Eis haben wir oft schon bei den Hydranten Probleme“, sagte der Chef des Fachbereichs Technik im hessischen Landesfeuerwehrverband, Harald Müller. „Die Metalldeckel müssen meist freigeschlagen werden. Das ist ein relativ großer Zeitverzug“, berichtete Müller, der bei der Berufsfeuerwehr Wiesbaden arbeitet. „Unabhängig davon ist es ein Problem, die Hydranten zu finden, weil man sie unter einer Schneedecke ja trotz der Hinweisschilder nicht gleich sieht.“

Feuerwehr auf Rückhaltebecken angewiesen

WER ZAHLT?

Für die Schäden, die bei einem Wohnungs- oder Hausbrand entstehen, kommt zunächst die Gebäudeversicherung des Hausbesitzers auf. Verursacht ein Mieter ein Feuer in dem Haus, tritt seine private Haftpflichtversicherung ein. Das gilt auch dann, wenn er das Feuer beim Rauchen verursacht hat, wie es beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin heißt. Weitere Infos zum Versicherungsschutz gibt es auf der Internetseite des Gesamtverbands.

Bei Großbränden sei die Feuerwehr zudem oft auf offene Wasserentnahmestellen abgewiesen - etwa Regenrückhaltebecken, Teiche oder Bäche. „Aber die sind bei Minusgraden natürlich auch zugefroren und wir müssen für den Saugschlauch erst Zugänge schaffen. Das ist mit Motorsägen und Äxten auf brüchigem Eis nicht ungefährlich“, gibt der 50-Jährige zu bedenken. Das Wasser im Tank der Löschwagen ist dabei nur eine begrenzte Alternative - und auch dieser Einsatz sei nicht ohne Probleme. „Dort ist ja kein Frostschutzmittel drin. Dieses Wasser würde frieren, wenn es nicht in Bewegung gehalten wird.“ Die Gefahr des Wasserstillstands besteht auch bei den Schläuchen.

Nicht zu unterschätzen sei das Risiko von frierendem Löschwasser etwa auf einem Dachstuhl. „Normalerweise tropft das ja ab, aber bei Frost kann es sich oben als Eis sammeln, immer dicker werden und zum Einstutz des ganzen Gebälks führen.“ Sind dann zugleich Feuerwehrleute im Gebäude, könnten Trümmer auf sie stürzen. Nicht zuletzt verursache austretendes Löschwasser spiegelglatte Flächen.

Trotz der zusätzlichen Hindernisse ist die Feuerwehr laut Müller bestens gerüstet für Einsätze bei Minustemperaturen. „Regelmäßig sorgen wir mit Schulungen dafür, dass alle wissen, wie Probleme bei Eis und Schnee zu lösen sind.“

dpa

Quelle: op-online.de

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