Statt Liebe Leben in Angst

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Aus Angst traute sich die 31-jährige technische Assistentin über Monate kaum noch an die Tür, zuckte bei jedem Türklingeln zusammen, stets bereit, die Nummer der Polizei zu wählen. Nun wird gegen den Stalker - ein mehrfach vorbestrafter 39-Jähriger - am Frankfurter Amtsgericht verhandelt.

Frankfurt - Über Monate lebte die 31 Jahre alte medizinisch-technische Assistentin nur hinter verschlossenen Rollläden. Klingelte es an der Tür, fuhr ihr der Schrecken in den Körper und sie griff automatisch zum Telefon, um die Nummer der Polizei zu wählen, auch wenn es nur der Briefträger war. Von Matthias Gerhart (dpa)

Der Stalking-Fall, bei dem die zierliche Frau über Monate von ihrem Ex- Freund belästigt und verleumdet worden war, wurde gestern vor dem Frankfurter Amtsgericht verhandelt. Der mehrfach vorbestrafte angeklagte 39-Jährige wurde am ersten Prozesstag zu einem Jahr und acht Monaten Bewährungsstrafe verurteilt. Damit ging der Richter, der noch 400 Arbeitsstunden sowie eine Kontaktsperre anordnete, über die Forderung der Staatsanwältin hinaus.

Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Verleumdung und die Bezichtigung einer Straftat werden dem 39-Jährigen in dem Urteil angelastet; schließlich auch das unbefugte Nachstellen anderer Personen, wie es in dem seit März 2007 geltenden Stalking-Paragrafen offiziell heißt. Und Körperverletzung. Denn nach seinem Versuch, gewaltsam in die Wohnung seiner Ex-Freundin einzudringen, sprang diese in Panik vom Balkon im Hochparterre und brach sich mehrere Knochen.

Die über das Internet geknüpfte Liebesbeziehung hatte nur kurz gehalten. Der 39-Jährige trank nach Ansicht seiner Freundin zu viel und reagierte stark eifersüchtig. Dennoch hatte sie nicht die Kraft, dem Mann die Trennung dauerhaft knallhart zu verkünden. Stattdessen ließ sie sich immer wieder von seinen am Telefon mit weinerlicher Stimme gemachten Selbstmordankündigungen einschüchtern und willigte ein um das andere Mal in ein Gespräch ein. „Ich hatte einfach Mitleid mit ihm“, sagte sie im Zeugenstand unter Tränen. „Ich wollte nicht, dass er sich umbringt“.

Für die Frau ging die massive Belästigung weiter. 30 bis 40 Telefonanrufe am Tag und etliche E-Mails mit Drohungen. Immer wieder stand der Mann angetrunken mit gepackten Koffern vor ihrer Wohnungstür und begehrte Einlass. Auch die Familienangehörigen und Arbeitskollegen seiner Ex-Freundin verschonte er nicht. Er werde schon dafür sorgen, dass sie ihren Führerschein und die Arbeitsstelle verliere, drohte er. Dabei ging es um angebliche Autofahrten unter Drogeneinfluss. Auch nachdem das Opfer nach dem Sprung vom Balkon in der Klinik lag, ließ der Stalker nicht von ihm ab und rief im Krankenhaus an: „Ich dachte, er kommt jeden Augenblick ins Zimmer“, sagte die Frau im Zeugenstand.

Der Angeklagte versuchte vor Gericht, die Vorwürfe herunter zu spielen. Er sprach von einer „harmonischen Beziehung“. Und sein Verteidiger sagte: „Das ist eine tragikkomische Liebesgeschichte, die etwas aus dem Ruder gelaufen ist.“ Doch an eine irgendwie geartete Komik glaubte spätestens nach der Verlesung des Vorstrafenregisters des 39-Jährigen niemand mehr im Gerichtssaal. Wegen genau der gleichen Vorwürfe war der Mann bereits vor Jahren in Bergisch-Gladbach schon einmal verurteilt worden. Auch bei der Mutter seines Sohnes hielt er sich nicht an ein gerichtliches Kontaktverbot und misshandelte die Frau. Für Amtsrichter Justus Koch genug, um im Strafmaß einen Akzent zu setzen.

Quelle: op-online.de

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