Statt Protest viele Probleme

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Ein Occupy-Aktivist baut im Camp an der EZB in Frankfurt ein Transparent. Die Kerntruppe der Kapitalismus-Kritiker muss sich derzeit mit diversen Problemen herumschlagen.

Frankfurt - Eigentlich war abzusehen, was jetzt aus dem Camp der Kapitalismus-Kritiker an der Europäischen Zentralbank in Frankfurt geworden ist: Das „Occupy-Camp“, das noch vor wenigen Monaten bundesweit in die Schlagzeilen drängte, hat sich in ein Lager der sozialen Randgruppen verwandelt. Von Michael Eschenauer

Die Polit-Aktivisten, die hier besonders nach den großen Protesten im Frühjahr dauerhaft über alternative Wirtschaftsformen debattieren und informieren wollten, sind im eigenen Reich zur Randgruppe geworden. Laut „Bild“ gab es eine interne Abstimmung unter den derzeitigen Bewohnern, ob man das Camp nicht verkleinern sollte. Die Aktivisten, die dieses Ziel verfolgen, wurden allerdings von den neuen Bewohnern überstimmt. Derzeit sollen noch ganze fünf echte Occupy-Leute übrig sein. Der Rest setzt sich zusammen aus 60 Rumänen, angeblich handelt es sich weitgehend um Bettler, zehn Alkoholkranken, fünf Drogensüchtigen und zehn psychisch Kranken. .

Nach Angaben von Andrea Brandl, Sprecherin von Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU), besteht ein Duldungsabkommen mit den Lagerleuten unter Auflagen bis Ende des Monats. Ob eine geordnete Auflösung des Camps nach zehn Monaten Bestand noch möglich ist, weiß sie auch nicht so recht. „Wir führen Gespräche, aber nicht um Druck zu machen, sondern damit die Aktivisten ihre Probleme selbst lösen können“, sagt sie. Es scheine klar, dass die Aktivisten das „Auffanglager“ nicht längerfristig aufrechterhalten, sondern ihren Protest in eine andere Form überführen wollten. Die Probleme, so Brandl, hätten sich in den vergangenen Wochen sprunghaft vergrößert. Allein die Anzahl der rumänischen Obdachlosen habe sich von seinerzeit 20 auf rund 60 hochgeschraubt. Darunter seien auch zwei schwangere Frauen, von denen die eine bereits entbunden habe. Man habe mehreren entwurzelten Personen Unterbringungs-Angebote gemacht, die nicht akzeptiert worden seien.

Ratten im Lager

Als gäbe es nicht genug Probleme, breiten sich Ratten im Lager aus. Die Schädlinge wurden durch unsachgemäß entsorgte und gelagerte Nahrungsmittel angelockt. Sie legen ihre Nester besonders gern unter den Holzpaletten an, auf denen die Zelte stehen. Ordnungsdezernent Frank hat die Camp-Leute aufgefordert, sich um dieses Problem zu kümmern. Aus den Reihen der Bewohner heißt es, man habe einen Fachbetrieb beauftragt. Allerdings sei der Begriff Rattenplage übertrieben. Der Leiter der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, Peter Postleb, besuchte bereits das Occupy-Camp und gab Hinweise zu Hygienefragen. Die Frankfurter Polizei sieht im Camp kein Sicherheitsproblem. Es sei zwar, so Polizeisprecher Manfred Füllhardt, immer mal wieder Diebesgut sichergestellt worden, „die Bewohner sind aber friedlich und stellen keine Bedrohung für die Passanten dar“. Eine Drogenkontrolle in der vergangenen Woche sei abgesagt worden, weil die Aktion vorher durchgesickert sei.

Grundsätzlich sei das Ordnungsamt zuständig. Und dort werde man sich auch der nicht einfachen Überlegung widmen müssen „wie lange man das Lager noch dulden und wie man es irgendwann beenden will“. Das werde wahrscheinlich nicht einfach werden, so Füllhard.

Quelle: op-online.de

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