Steinerne Geschichte

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Im Frankfurter Karmeliterkloster und Archäologischen Museum ist im Südflügel des Kreuzgangs ein neues Lapidarium mit römischen Steindenkmälern eingerichtet worden.

Frankfurt ‐ Im Frankfurter Karmeliterkloster und Archäologischen Museum ist im Südflügel des Kreuzgangs ein neues Lapidarium mit römischen Steindenkmälern eingerichtet worden. Von Reinhold Gries

Einen schöneren Platz für die fast 2000 Jahre alten Grabmonumente, Sarkopharge und Altäre der untergegangenen Römerstadt Nida - auf der heute der Stadtteil Heddernheim steht - hätte man kaum finden können. Denn lange wurde die Ruinenstadt, im 2./3. Jahrhundert nach Christi Geburt politisches, ökonomisches und religiöses Zentrum der limesnahen Vortaunusprovinz, als „Steinbruch“ benutzt. Aus dem späten Mittelalter stammen Berichte über Plünderungen des Nida-Kerngebiets und der auf die Provinzhauptstadt Mainz zulaufenden Gräberstraße. Bis ins 17. und 18. Jahrhundert konnte man mit den römischen Jupitersäulen, Grab- und Weihesteinen wenig anfangen. Außer dass man sie in Kirchen, Adelssitzen und Gutshöfen verbaute, als Straßenpflaster verwendete oder als Tischfüße benutzte. Denkmalschutz und Antikenbegeisterung entstanden erst aus romantischer und klassischer Rückschau des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts.

Steinsarkopharg für hochgestellte Persönlichkeit

Nach großen Ausgrabungskampagnen bei der Neuerrichtung der „Römerstadt“ und „Nordweststadt“ in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geht römische Spurensuche bis heute weiter, das macht das Lapidarium anschaulich. Einen römischen Weihestein entdeckte man bei der Restaurierung des Frankfurter Domturms, einen anderen mit einem Reitersoldaten als Fassadenzier auf Gut Breidenbach in Heddernheim. 2008 fanden Stadtarchäologen in einem Brunnen ein Weiherelief für Fortuna, was seinem Besitzer offensichtlich kein Glück gebracht hatte. Die neue entdeckte Grabinschrift eines „Varus“ hatte allerdings nichts mit dem legendären Verlierer zu tun, welcher der vor 2000 Jahren im Teutoburger Wald stattfindenden „Hermannsschlacht“ mit den Germanen den römischen Namen gab.

Ein weiteres Ausstellungsstück im Frankfurter Karmeliterkloster und Archäologischen Museum.

Heute ist das alles schön aufgestellt, zu stimmigen Steingruppen vereint und kommentiert. Dazu gibt es in fast klösterlicher Abgeschiedenheit viel Ruhe und Raum zum Schauen und Nachdenken: über das kopflose Weiherelief des Schmiedegottes Vulcanus, über die Muttergottheit mit dem Diadem und der abgebrochenen Nase, über das putzige Merkurköpfchen mit dem Flügelhelm. Ein gewaltiger Steinsarkopharg für eine hochgestellte Persönlichkeit dokumentiert den Übergang von der Brand- zur Körperbestattung, mit Basaltdeckeln verschlossene Steinurnen zeigen die preiswertere Variante fürs Volk.

Öffnungszeiten des Archäologischen Museums Frankfurt mit Lapidarium im Karmeliterkloster: Di-So 10 bis 18 Uhr, Mi 10 bis 20 Uhr.

Fast nach Italien versetzt fühlt man sich durch die eindrucksvolle Gruppe tuskisch und toskanisch gerundeter und gekehlter Nida-Säulen, durch den Steinlöwen einer Tiergruppe oder die Pinienzapfen-Bekrönung eines hohen Grabmales. Die Grabinschriften sind lesbar, aber schwer einzuordnen. Eisenwerkzeuge wie Hebelstange, Steindechsel, Flachmeißel und Bossierhammer führen in die antike Technik der Steinbearbeitung ein, von heutiger nicht weit entfernt. Und Unfertiges aus Vilbeler Sandsteinbrüchen und Bockenheimer Basaltlagern demonstriert, wie Werksteine - auch aus Preisgründen - vor Ort auf Drehbänken gerundet und vorgemeißelt wurden.

Quelle: op-online.de

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