Stell dir vor, es brennt und niemand löscht

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Mit diesem Plakat sollen Frauen für Feuerwehr interessiert werden: Es zeigt Katrin Müller (Neu-Isenburg) und Steffen Ball (Heusenstamm).

Die Brandschützer drücken große Nachwuchssorgen. Immer weniger junge Menschen sind bereit, ihre Freizeit mit einem derart aufwändigen Hobby zu verbringen. Denn zur Mitarbeit in der Feuerwehr gehört nicht nur die Bereitschaft, jeden Tag rund um die Uhr alles stehen und liegen zu lassen, um Menschen zu helfen, die in Not sind. Von Claudia Bechthold

Zu Feuerwehr gehören auch viel Ausbildung, der Umgang mit Technik und die Kenntnis von Vorschriften und Gesetzen. Und all dies erfordert Zeit - Freizeit eben. Und dennoch, es gibt wohl kaum ein Hobby, das so viel Befriedigung, Spaß, Gemeinschaft und Erfolgserlebnisse beschert wie die Feuerwehr. Das sagen zumindest viele, die schon lange dabei sind.

Ein wenig sind die Schwierigkeiten, mehr Nachwuchs zu finden, hausgemacht. Denn bis vor wenigen Jahren war gesetzlich festgelegt, dass Kinder erst im Alter von zehn Jahren Mitglied einer Jugendfeuerwehr werden dürfen. „In diesem Alter sind Kinder meist schon an andere Vereine gebunden, haben sich auf ein Hobby festgelegt“, erläutert Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann, der auch Präsident des Hessischen Landesfeuerwehrverbandes ist. Zeit für das Hobby Feuerwehr haben sie dann längst nicht mehr. Dazu kommt, dass auch für die Schule immer mehr Zeit aufgebracht werden muss.

Viele Kommunen tun sich schwer mit „Bambini-Feuerwehr“

Doch dieses Problem ist mittlerweile erkannt und behoben worden. Seit 2007 ist im Hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz festgelegt, dass Freiwillige Feuerwehren Kindergruppen gründen dürfen. Damit ist es nun möglich, Kinder ab sechs Jahren für die Feuerwehr zu interessieren und zu gewinnen. Behutsam können die Jüngsten so an Themen wie Brandschutz und Feuerwehrtechnik herangeführt werden.

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Nothilfe ist die wichtigste Aufgabe

Doch in vielen Kommunen tut man sich noch schwer mit der Gründung einer „Bambini-Feuerwehr“. Denn neben mühevollen Änderungen in der Vereinssatzung und meist auch in der Gemeindesatzung sind Aspekte wie Aufsichtspflicht und Unfallverhütung zu beachten. Und es werden natürlich auch wieder Freiwillige benötigt, die eine solche Kindergruppe betreuen.

Allerdings: Ein Allheilmittel, um die Nachwuchssorgen zu beheben, ist die Kinderfeuerwehr nicht. Denn auch jene jungen Leute, die aus der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung gewechselt sind, bleiben heutzutage nicht zwangsläufig über viele Jahre dabei. „Beruf, Familiengründung, andere Interessen - es gibt viele Gründe, warum Aktive irgendwann abspringen“, weiß Ackermann.

An Ideen herrscht kein Mangel

Deutlich wird diese Entwicklung an der Altersstruktur der aktiven Feuerwehrleute im Kreis Offenbach. Während fast 700 der insgesamt knapp 1600 Aktiven im Kreis Offenbach zwischen 17 und 29 Jahre alt sind, gibt es nur noch knapp 370 Feuerwehrleute zwischen 30 und 39 Jahren. Zwischen 40 und 49 Jahre alt sind etwa 340 der freiwilligen Brandschützer, und nicht einmal 150 sind 50 bis 59 Jahre alt.

An Ideen, wie man Aktive länger als zehn Jahre an die Feuerwehr binden könnte, herrscht kein Mangel. Dabei sind auch die Kommunen recht erfindungsreich. Die einen gewähren Steuernachlässe, andere zahlen in eine zusätzliche Altersversorgung. Wieder andere bauen günstige Wohnungen direkt neben Feuerwehrhäuser. Ob solche Angebote den Zweck erfüllen, ist allerdings bislang nicht erwiesen. Und manche Gemeinde hat Vorstöße dieser Art auch schon wieder zurückgezogen.

Dass sich Kommunen so für ihre Freiwilligen Feuerwehren ins Zeug legen, verwundert allerdings nicht. Denn schließlich ist der Brandschutz Aufgabe der Gemeinde. Und mit Freiwilligen Wehren sparen die Kommunen - genau genommen - viel Geld. Denn ohne deren Einsatzabteilungen müssten die Städte und Gemeinden hauptamtliche Kräfte einstellen. Und diese wären um ein Vielfaches teurer als jene Freiwilligen, die - außer Aufwandsentschädigungen für Kräfte in bestimmten Funktionen - nichts für ihre Leistungen erhalten.

Verstärkt setzen Feuerwehren inzwischen auch auf weibliche Unterstützung

Derzeit läuft der Trend sogar eher in die andere Richtung: Weil viele Kommunen mit ihren Etats immer mehr ins Defizit rutschen, wird immer häufiger auch bei der Ausstattung der Feuerwehren nach Möglichkeiten zum Einsparen gesucht.

Dies kann aber nur so lange gut gehen, bis das erste Löschfahrzeug auf dem Weg zu einem Brand, bei dem am Ende auch noch Menschen in Gefahr sind, mit einem Motorschaden liegen bleibt. Sicher, die Technik, die Feuerwehrleute benötigen, ist nicht billig. Aber es gibt auch gute Gründe, die Ausrüstung auf dem neuesten Stand zu halten. Ein gutes Beispiel sind hydraulische Rettungsscheren, mit denen nach einem Verkehrsunfall das Dach eines Autos abgetrennt werden kann, um eine verletzte Person schonend zu befreien. Ein solches Gerät kann durchaus mehr als 20 Jahre halten. Allerdings überholt inzwischen die Technik diese Lebensdauer. Die von manchen Autobauern genutzten neuartigen Stahlsorten für die Karosserien knacken herkömmliche Rettungsscheren nicht mehr. Also müssen neue Geräte beschafft werden, auch wenn die „alten“ erst wenige Jahre zuvor gekauft wurden.

Verstärkt setzen Feuerwehren inzwischen auch auf weibliche Unterstützung. Frauen sind zwar in den Einsatzabteilungen noch immer in der Minderzahl, aber sie holen allmählich auf. Im Kreis Offenbach liegt der Frauenanteil knapp über acht Prozent. Um Frauen für den Brandschutz zu werben, aber wohl auch, um Vorurteilen entgegenzuwirken, hatte der Hessische Landesfeuerwehrverband vor zwei Jahren eigens eine Kampagne gestartet unter dem Motto „Mann, wie sich die Zeiten ändern“.

Gesetzliche Grundlage in Hessen

Das Hessische Brand- und Katastrophenschutzgesetz (HBKG) legt unter anderem fest, dass der vorbeugende und abwehrende Brandschutz sowie die allgemeine Hilfe Aufgaben der Kommune sind. Die Gemeinden sind danach verpflichtet, ihre Feuerwehr so aufzustellen, dass sie „in der Regel zu jeder Zeit und an jedem Ort ihres Zuständigkeitsbereichs innerhalb von zehn Minuten nach der Alarmierung wirksame Hilfe einleiten kann“. Damit ist auch geregelt, dass die Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehren Teil der jeweiligen Stadtverwaltung sind.

In den meisten Orten gibt es Feuerwehrvereine, in die jeder interessierte Bürger eintreten kann. Diese haben die Funktion eines Fördervereins. Die Vereine veranstalten zum Beispiel Feste oder Tage der offenen Tür, um für den Brandschutz allgemein, aber auch für Spenden zu werben. Auch diese Vereine sollen laut HBKG von den Trägern des Brandschutzes - also den Gemeinden - gefördert und finanziell unterstützt werden.

Quelle: op-online.de

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