Stelldichein der Weltraum-Helden

Darmstadt - Im Eingang steht ein halbnackter Außerirdischer. Um ihn herum schwirren andere Krieger aus „Star Wars“. Raumschiffe sind zwar nirgends zu sehen, die Anwohner tratschen aber trotzdem erschrocken, ob es sich um eine feindliche Invasion oder um die fünfte Jahreszeit handelt, die allerdings erst am 11. November beginnt.Von Axel Woelk

Im Innern des Ernst-Ludwig-Saals in Darmstadt-Eberstadt herrscht derweil der Ausnahmezustand. E.T. strahlt einem von vielen Ständen entgegen. Captain Kirk, Darth Vader, eine freundliche Twilek aus „Star Wars“ – ihnen allen begegnet der Besucher dieses ersten „Old Rocketman“-Treffens seiner Art.

Darth Vader trifft E.T.

Auf der Bühne des Saals schimmert die Weltraumbar – der „Old Rocketman“, in der sich laut zahlreicher Science-Fiction-Legenden die Helden zwischen ihren Abenteuern entspannen. An der Bar tummeln sich dann auch die ungewöhnlichsten Weltraumgestalten. Ihre Kostüme sind wild, bizarr und schillernd – vom martialischen Kriegeroutfit bis hin zu pazifistischer Mönchskutte.

Spaß ist aber nur die eine Seite dieser besonderen Veranstaltung. „Wir wollen unterschiedliche Gruppen zusammenführen“, sagt Organisator Robert Vogel, Science-Fiction-Journalist und freier Mitarbeiter der legendären „Perry-Rhodan“-Heftreihe. Die Science-Fiction-Gemeinschaft sei nämlich ziemlich fragmentiert. So gibt es Kostümklubs zu Genre-Klassikern wie eben „Star Wars“ oder „Raumschiff Enterprise“. Andere wiederum sind offensichtlich Fans der deutschen Serie „Raumpatrouille Orion“.

Weniger extrovertiert zeigen sich hingegen die Fans der Science-Fiction-Literatur. Ob nun mit Mark Brandis oder dem bekannteren Perry Rhodan – meist fiebern die Leser bei den Abenteuern ihrer Helden im stillen Kämmerlein mit. Im „Old Rocketman“ treffen sie sich aber alle - der passionierte Darth-Vader-Afficionado in entsprechender Verkleidung wie auch der unauffällige, eher ruhige Leser.

Treffen der Kosmosfreaks

Noch wichtiger ist Robert Vogel allerdings die Verbindung von Science-Fiction zur realen Wissenschaft und Raumfahrt. Aus diesem Anlass hat er gleich drei Mitarbeiter vom Darmstädter Satellitenkontrollzentrum ESOC in die Weltraumbar zu einem Vortrag eingeladen. Einer von ihnen ist Rainer Kresken. Er referiert über Juri Gagarins Weltraumflug vor rund 50 Jahren, den ersten eines Menschen überhaupt. Wächst unter den jungen Science-Fiction-Freunden womöglich ein neuer Gagarin heran, etwa einer, der gleich bis zum Mars und weiter fliegt? „Gut möglich,“ meint er.

Kosmosexperte Kresken hofft, dass eine bemannte Marsexpedition wieder weltweit eine Raumfahrteuphorie auslöst. „Ich selbst erlebte Armstrongs Mondmission als Siebenjähriger. Von da an wollte ich in die Raumfahrt.“ Heute seien die technischen Möglichkeiten für einen Marsflug voll und ganz gegeben. Aber es mangele an Geld und dem politischen Willen. Manche Beobachter sehen die bemannte Raumfahrt deshalb stagnieren. Die Shuttle-Raumfahrzeuge in den USA sind ausgemustert, Neuentwicklungen werden Jahre in Anspruch nehmen und die Sojus-Kapseln der Russen arbeiten alles andere als zuverlässig.

Zeit für ein neues Denken, sagt Dave Salt, der ebenfalls beim ESOC arbeitet. Er vertritt die These, dass die Verwirklichung so mancher Science-Fiction-Fantasie in Zukunft von privaten Geldgebern finanziert wird. Ein erster Schritt seien Raumtransporter, mit denen Menschen preisgünstig bis an den Rand der Atmosphäre gebracht werden könnten. Später seien selbst ganze Hotels für Raumfahrttouristen in den Weiten des Alls möglich. Über derzeitige und künftige Missionen der europäischen Raumfahrt spricht Salts Kollege Mike McKay. Bald schon werde es ernst mit der Exomars-Expedition. Dann könnte sich durch Grabungen auf der Marsoberfläche herausstellen, dass es Leben auch außerhalb des Planeten Erde gibt. McKay denkt auch schon an weiter: „Vielleicht kommt bald nach einer bemannten Mission zum Mars schon der Saturn.“

Die Science-Fiction-Freunde in Darmstadt hörten es gern. Wissenschaft und Fiktion befruchten sich schon seit Jules Vernes Zeiten gegenseitig. Die auf mehr als 2600 Hefte angewachsene „Perry-Rhodan“-Reihe wäre ohne das einstige Mondprogramm der Nasa undenkbar. Manche Erfindung auf der Erde nahm aber auch die Science- Fiction vorweg. Die berühmten Kommunikatoren aus Raumschiff Enterprise etwa finden sich heute als Blackberrys und Handys in fast jedem Haushalt. Die Science-Fiction-Szene wagt den Blick in die Zukunft. Daran denkt auch der „Old Rocketman“-Organisator Vogel. Wenn in vielleicht zwei Jahren die Veranstaltung wiederholt wird, könnte ein echter Astronaut unter den Teilnehmern sein.

Quelle: op-online.de

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