MMK stellt Performancekünstlerin und Goldener-Löwe-Preisträgerin Carolee Schneemann vor

Revolte in der Macho-Welt

„Venus Vectors“ (1986-1988) von Carolee Schneemann J  Foto: Schneider/VG Bild-Kunst, Bonn 2017
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„Venus Vectors“ (1986-1988) von Carolee Schneemann

Frankfurt - Feministische Performances, Körperkunst und Experimentalfilme, damit wurde die US-amerikanische Künstlerin Carolee Schneemann in den 60ern berühmt. Vor Kurzem erhielt sie bei der Venedig- Biennale den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk. Von Eugen El

Frankfurts Museum für Moderne Kunst (MMK) widmet ihr jetzt eine umfangreiche Ausstellung. „Ich bin eine Malerin und werde immer eine Malerin sein“, sagte Carolee Schneemann einmal. Tatsächlich wird die 1939 geborene US-Amerikanerin eher mit der Performancekunst assoziiert. Das MMK möchte die künstlerischen Wurzeln der „wichtigsten Pionierin“ der Performancekunst zeigen, wie Direktorin Susanne Gaensheimer sagt, und zugleich Schneemanns hierzulande wenig bekanntes Werk vorstellen.

Etwa 270 Arbeiten sind auf der dritten Ebene in chronologischer Reihenfolge zu sehen. Das jüngste Exponat stammt aus dem Jahr 2011. Der erste Raum ist vielleicht der eindrücklichste. Dort kann der Besucher nachvollziehen, wie die Künstlerin Mitte der 50er Jahre als Malerin abstrakt-expressionistischer Landschafts- und Figurenbilder begann.

Die US-Kunstszene sei damals männlich dominiert gewesen, erinnert sich Schneemann. Sie spricht von einer Macho-Kultur. Selbstbewusste Künstlerinnen, die weder Aktmodell noch Sexobjekt sein wollten, waren nicht gerade selbstverständlich.

Auf Schneemanns frühen Gemälden wirken die Formen dynamisch. Diesen Aspekt entwickelte sie konsequent weiter. Sie baute Motoren hinter die Leinwände ein, brachte die Bilder buchstäblich in Bewegung. Nicht umsonst heißt die MMK-Schau „Kinetische Malerei“. Schneemann ging dazu über, reale Gegenstände in die Bilder einzubauen, sie in den Raum zu erweitern. Anfang der 60er Jahre brachte sie ihren Körper direkt in die Kunst ein. Die Fotoserie „Eye Body. 36 Transformative Actions“ zeigt, wie Schneemann nackt in ihrem Atelier agiert.

Bilder: Nacht der Museen in Frankfurt und Offenbach

Nacht der Museen in Frankfurt und Offenbach: Bilder
Nacht der Museen in Frankfurt und Offenbach: Bilder
Nacht der Museen in Frankfurt und Offenbach: Bilder
Nacht der Museen in Frankfurt und Offenbach: Bilder
Bilder: Nacht der Museen in Frankfurt und Offenbach

1962 wurde Carolee Schneemann als Choreografin für ein Tanztheater tätig. In den folgenden Jahren radikalisierte sie ihre von feministischen Schriften beeinflusste Kunst. Der Film „Fuses“, ebenfalls in Frankfurt zu sehen, brachte ihr 1965 den Vorwurf der Pornografie ein. Er zeigt die Künstlerin beim Sex mit ihrem Lebensgefährten, dem Komponisten und Musiktheoretiker James Tenney. Mit der Serie „Blood Work Diary“ machte Schneemann ihr Menstruationsblut zur Kunst. In der ekstatischen Performance „Meat Joy“ (1964) zelebrierten Performer die Fleischeslust. Schneemanns Performances und Aktionen werden im MMK als Film- und Fotodokumentation, aber auch anhand von Skizzen und Textanleitungen präsentiert. Das ist indes etwas schwierig, denn eigentlich ist diese Kunst flüchtig. Die geballte Energie von Carolee Schneemanns körperbetonten Performances lässt sich im MMK nur erahnen.

„Carolee Schneemann. Kinetische Malerei“, bis 24. September im MMK, geöffnet dienstags bis sonntags 10-18, mittwochs 10-20 Uhr

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