Sterbebegleitung im Hospiz

Angebot und Nachfrage wachsen

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Reden oder einfach nur die Hand halten. Wer Sterbende begleitet, muss Belastungen aushalten. Viele Helfer ziehen aber auch innere Befriedigung aus dieser Tätigkeit.

Fulda - Am Lebensende wollen todkranke Patienten und Angehörige immer häufiger von Hospizhelfern mit einer Sterbebegleitung unterstützt werden. Die Zahl der Angebote ist in Deutschland deutlich gestiegen. Die ehrenamtlichen Helfer werden dabei mit viel Kummer konfrontiert. Von Jörn Perske 

Sie hat schon viele Menschen bis zum Tod begleitet. 30 seien es wohl gewesen. Irgendwann habe sie aufgehört mitzuzählen, sagt Gaby Stanke. Die 53-jährige Frau arbeitet seit sieben Jahren als ehrenamtliche Hospizhelferin für den Malteser Hilfsdienst in Fulda. In ihrer Freizeit besucht Stanke todkranke Patienten zu Hause. Zu 90 Prozent sind es Krebspatienten. Die Ärzte geben ihnen meist nur Wochen oder wenige Monate. In dieser schweren Zeit des Abschieds kümmert sich Stanke um die Kranken oder deren Angehörige. „Es wird viel gesprochen und viel geweint in dieser Phase“, sagt Stanke.

Wie Gaby Stanke engagiert sich eine wachsende Zahl von Freiwilligen in der ambulanten Sterbebegleitung bei den Maltesern. Die katholische Hilfsorganisation ist einer der größeren Anbieter für ambulante oder stationäre Hospiz- und Palliativdienste im Bundesgebiet. In Hospize kommen die Todgeweihten zum Sterben, für die keine Hoffnung mehr auf Heilung besteht. Austherapiert. Am Ende.

Die Zahl der ambulanten, mobilen Hilfsangebote der Malteser wächst, es gibt eine steigende Nachfrage. Dadurch wurden im vergangenen Jahr auch mehr Begleitungen gezählt: 8639 für Sterbende (2012: 7857) und 5407 für Angehörige und Trauernde. Die Malteser gewinnen bundesweit auch zunehmend Ehrenamtliche für die Mitarbeit. 2013 waren es knapp 2800 (2012: rund 2700).

Bewusste Entscheidung der Ehrenamtler

„Auch wenn es sich bei der Hospizarbeit um ein forderndes und nicht leichtes Ehrenamt handelt, gibt es glücklicherweise nach wie vor Menschen, die sich dafür entscheiden - ganz bewusst“, sagt Karolina Kasprzyk von der Geschäftsstelle Limburg, die für die Region Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig ist. Auch das Bundesgesundheitsministerium sieht eine „steigende Bedeutung“ und „stärkere Inanspruchnahme“ von Hospizen und Palliativmedizin. Unter Palliativmedizin versteht man die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen. Hierzu gehört auch die Schmerztherapie im ambulanten und stationären Bereich.

Nach Angaben des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes hat sich die Zahl der ambulanten Hospiz- und Palliativdienste seit 1996 mehr als verdreifacht: von 451 ambulanten Diensten auf rund 1500 im Jahr 2011. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. Laut Verband engagieren sich bundesweit rund 80 000 Ehrenamtliche in der Hospizbewegung in Deutschland. So wie Gaby Stanke.

Zufriedenes Lächeln der Patienten „stärkt für Wochen“

Für die Fuldaerin ist die ehrenamtliche Sterbebegleitung von zunächst fremden Menschen eine Herzenssache. „Ich bin jemand, der schon immer geholfen hat. Ich leide aber unter keinem Helfer-Syndrom.“ Wenn sie die Dankbarkeit verzweifelter und hoffnungsloser Patienten spürt, ein zufriedenes Lächeln erntet - „das bestärkt mich über Wochen“, sagte Stanke, die auch in ihrem Job mit Kranken konfrontiert ist. Sie arbeitet auf der Krebsstation des Klinikums Fulda. „Einfach da sein“ und reden steht bei den Besuchen im Vordergrund. Je nachdem wie aktiv und mobil die Patienten jeweils sind, spielt sie Gesellschaftsspiele oder geht mit ihnen eine Runde spazieren.

Für viele Schwerstkranke ist Gaby Stanke offenbar wie ein Kummerkasten. „Sie werfen im Gespräch Ballast von ihrer Seele ab. Bei zwei Drittel der Themen geht es um negative Dinge. Bei einem Drittel um Schönes und Positives, das sie erlebt haben.“ Stanke, selbst gläubige Katholikin, fällt auf: „Gläubige Menschen kommen mit ihrer tödlichen Krankheit besser klar als Ungläubige.“ Bei der Betreuung gläubiger Menschen spüre sie mehr Ruhe, Gelassenheit und Harmonie.

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Negativ beeinträchtigt fühlt sie sich von den Begegnungen nicht. „Ich tue mir damit nichts an. Ich bin ja letztlich auch nicht betroffen. Vor allem kann ich danach gut abschalten. Ich nehme keinen Kummer mit nach Hause. Auch weil ich gut ausgebildet wurde und betreut werde. Es ist wichtig, achtsam mit sich selbst zu sein.“

Eine Motivationsflaute bei der Betreuung hatte sie noch nicht, wie sie sagt. Aber wie zur Stärkung liest sich Gaby Stanke manchmal Briefe und Karten von Angehörigen durch. Sie bringen darin ihre Dankbarkeit für die Begleitung auf dem letzten Lebensabschnitt zum Ausdruck. „Das sind sehr bewegende Zeilen“, sagt sie.

dpa

Quelle: op-online.de

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