Gesetzesänderung für tot geborene Babys

„Sternenkinder" bekommen einen Namen

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Mario und Barbara Martin gehen in ihrem Wohnort in Brechen (Hessen) gemeinsam einen Weg.

Brechen/Berlin - Das Ehepaar Martin aus Hessen hat sein Ziel erreicht: Tot geborene Babys, die weniger als 500 Gramm wiegen, können künftig beim Standesamt registriert und anschließend richtig bestattet werden. Diese Änderung des Gesetzes hat der Bundestag jetzt beschlossen.

Barbara und Mario Martin wollten bei der entscheidenden Abstimmung im Bundestag über „Sternenkinder" unbedingt dabei sein. Das Ehepaar aus dem mittelhessischen Brechen hat selbst drei Babys verloren. Zwei von ihnen hat es - juristisch gesehen - nie gegeben, weil sie bei ihrem Tod weniger als 500 Gramm wogen. Die Martins haben lange dafür gekämpft, dass sich diese Rechtslage ändert. Am späten Donnerstagabend haben die Inhaber eines Friseur-Salons aus dem Kreis Limburg in der Bundeshauptstadt ihr Ziel erreicht.

„Jetzt hat der Tod unserer Kinder doch einen Sinn", sagte Barbara Martin am Freitag in Berlin. Zuvor hatte ihr Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) die erste Blanko-Urkunde für sogenannte "Sternenkinder" überreicht. „Sternenkinder-Eltern werden es in Zukunft nicht mehr so schwer mit der Bürokratie haben", ergänzte die 36-Jährige Martin.

Künftig dürfen tot geborene Babys unter 500 Gramm Gewicht einen Namen bekommen: Sie können offiziell beim Standesamt registriert und anschließend auch richtig bestattet werden. Bisher galten sie als Fehlgeburten und wurden beim Standesamt nicht erfasst.

Künftig dürfen tot geborene Babys unter 500 Gramm Gewicht einen Namen bekommen: Sie können offiziell beim Standesamt registriert und anschließend auch richtig bestattet werden. Bisher galten sie als Fehlgeburten und wurden beim Standesamt nicht erfasst. Schätzungen zufolge gibt es pro Jahr rund 1500 solcher Babys. „Jetzt sind sie keine Sache mehr und keine Fehlgeburt, sondern eine Person mit allen Rechten", sagte Martin. Gut sei auch, dass es für Eltern, die dies eintragen wollten, keinerlei Beschränkungen gebe, etwa bei der Zahl der Schwangerschaftswochen.
Die Gesetzesänderung ermöglicht es zudem, rückwirkend ein Kind beim Standesamt eintragen zu lassen. „Damit haben wir nicht gerechnet", freute sich Martin. So gilt die Regelung auch für ihre eigenen Kinder. Joseph-Lennard kam im November 2007 in Wiesbaden zur Welt, im siebten Schwangerschaftsmonat. Er wog weniger als 500 Gramm und lebte nur drei Stunden. Im folgenden Jahr erwarteten die Martins Zwillinge. Tamino-Federico starb im September 2008 in der 21. Schwangerschaftswoche im Bauch seiner Mutter, er wog 290 Gramm. Seine Schwester Penelope-Wolke wurde rund drei Wochen später im Oktober geboren, 500 Gramm schwer. Sie lebte nur wenige Minuten.

„Ein Menschenleben darf doch nicht nach Gramm definiert werden."

„Für uns waren diese Kinder real. Sie haben verdient, als wirkliche Kinder anerkannt zu werden und einen Platz nicht nur in unserem Herzen, sondern auch in unserem Stammbuch einzunehmen", hatten die Martins ihr Anliegen begründet. „Ein Menschenleben darf doch nicht nach Gramm definiert werden." Jahrelang kämpften sie für einen würdigen Umgang mit diesen „Sternenkindern". Sie sammelten Unterschriften für eine Petition; 40.000 Menschen haben sie unterschrieben.

Bei Bundesfamilienministerin Schröder stieß das Paar auf offene Ohren. Schon im Mai 2012 hat die Bundesregierung eine Änderung der Personenstandsverordnung beschlossen. Die Neuregelung könne zwar den Schmerz über den Verlust eines Kindes nicht lindern, sagte Schröder am Freitag bei ihrem Treffen mit den Martins. „Aber sie ermöglicht Eltern wenigstens einen würdigen Abschied von ihrem Kind." Das jahrelange Engagement der Martins verdiene deshalb großen Respekt. „Sie wollten Paaren helfen, die Ähnliches durchleiden müssen wie sie."

dpa

Quelle: op-online.de

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