Kriminalstatistik

Kommentar: Stete Tropfen und heiße Steine

So ändern sich die Schwerpunkte: Vor einem Jahr hat der damalige Polizeipräsident Heinrich Bernhard die Kriminalstatistik vorgestellt. Von Ralf Enders

Der Unterhaltungswert war hoch, der ohnehin extrovertierte Bernhard nahm am Ende seiner Berufslaufbahn kein Blatt mehr vor den Mund, beklagte jugendliche Intensivtäter und schimpfte über lasche Richter und allzu verständnisvolle Jugendhelfer.

Ein Jahr später ist - nach dem Sieben-Monats-Intermezzo des zum Ministerialdirigenten aufgestiegenen Günter Hefner - Roland Ullmann der Verantwortliche, und der Ton wird unaufgeregter. Es geht vorrangig um klassische Polizeiarbeit: Wohnungseinbrüche und eine „Sicherheitsoffensive“ gegen die in Teilen extrem gestiegene Kriminalität.

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Das muss nicht heißen, dass Ullmann die jugendlichen Serientäter und die überproportional darunter vertretenen „Personen mit Migrationshintergrund“ verharmlost. „Steter Tropfen höhlt den Stein“ sagt er zu seiner Vorgehensweise, um die Arbeit von Polizei, Justiz und Jugendhilfe endlich besser zu koordinieren. Wenn‘s denn kein Tropfen auf den heißen Stein ist. Aber vielleicht klappt‘s ja auf die ruhige Art. Getan hat sich nämlich seit Bernhards flammendem Appell vor einem Jahr rein gar nichts.

Ansonsten bietet die jüngste Kriminalstatistik für die Region wenig Anlass zur Beunruhigung. Die extrem gestiegenen Straßenraube, Autoauf- und Wohnungseinbrüche in Offenbach rufen nach Ursachenforschung, sollten aber keine Munition für altbekannte Vorurteile gegen die Stadt sein. Statistiken bieten wenig Erhellendes über Hintergründe, etwa professionelle Banden, die von einem Ort zum anderen ziehen, um für einige Monate dort ihr Unwesen zu treiben. Das macht Offenbach nicht zum Luftkurort, aber auch nicht zum Zentrum ungezügelter Kriminalität.

Quelle: op-online.de

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