Protestwelle der Gläubigen

Steuer treibt viele aus den Kirchen - auch in Hessen

Offenbach - Bei den Kirchenaustritten in Deutschland zeichnet sich in diesem Jahr ein neuer Rekord ab. Hauptgrund ist offenbar, dass die Kirchensteuer auf Kapitalerträge künftig direkt einbehalten wird.

Unruhe in der Katholischen und Evangelischen Kirche in Deutschland: Immer mehr Mitglieder kehren den Kirchen den Rücken. Begründet wird der sprunghafte Anstieg mit dem geänderten Modus zum Einzug der Kirchensteuer auf die Kapitalertragssteuer. Schon bisher musste, wer einer Kirche angehört, auf Kapitalerträge Kirchensteuer zahlen. Die Banken überwiesen den Betrag jedoch nicht automatisch wie die staatliche Steuer ans Finanzamt. Ab 2015 soll sich das ändern. Die Geldinstitute fragen deshalb seit vielen Monaten nach der Konfessionszugehörigkeit.

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„Das sieht für viele Kunden offenbar so aus, als sei die Gier der Kirche unstillbar“, heißt es in Kreisen der Katholischen Kirche. Es ist keine neue Steuer, versichern die Bischöfe. Doch sie können sich mit Beteuerungen und Infoblättern kaum durchsetzen, weder am Bankschalter noch in der Öffentlichkeit.

Kommunionkinder und Konfirmanden des Jahres 2014

Kommunionkinder und Konfirmanden des Jahres 2014

Viele Austritte wegen der Änderungen gibt es inzwischen auch bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Das bestätigte ein Sprecher unserer Zeitung. Die EKHN habe 1,7 Millionen Mitglieder; mehr als 12.000 seien 2013 ausgetreten. In diesem Jahr gebe es bislang bereits 8000 Austritte. „Das macht uns Sorgen.“ Der Sprecher machte die „missglückte“ Informationspolitik der Banken für diese Entwicklung verantwortlich. Bei der Katholischen Kirche bestätigte ein Sprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart laut Medienangaben den Anstieg: „Nach menschlichem Ermessen wird die Gesamtzahl 2014 höher liegen als 2013.“

(ku/psh)

Quelle: op-online.de

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