Stil-Ikone in Übergröße

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Eine Ballerina-Figur wünscht sich die 24-Jährige aber nicht. „Ich träume nicht von einem anderen Körper“, sagt sie. Man glaubt ihr das.

Alegra, Schneewittchen-Haare, Kleidergröße 44/46, trägt am liebsten Ballerina-Look: Rosa Strickjäckchen, schwarzer Body, rosa Röckchen, Ballerinas und schwarze Leggins. „In my next life I want to be a ballerina“ ist so was wie ihr Blog-Mantra. Von Kathrin Rosendorff

Eine Ballerina-Figur wünscht sich die 24-Jährige aber nicht. „Ich träume nicht von einem anderen Körper“, sagt sie. Man glaubt ihr das. Alegra ist Plus-Size-Bloggerin. Sie trägt das, was auch dünne Trendy-Mädchen tragen. Nur in größer. Allein im vergangenen Monat haben 42 545 Fans ihre Seite „Dollface is Candysweet“ besucht. Seit zwei Jahren bloggt sie. Sie war vor kurzem in der „Maxi“ und bei RTL zu sehen. Seitdem steigt ihre Popularität.

„Ich wusste am Anfang gar nicht, dass es überhaupt so was wie Plus-Size-Bloggerinnnen gibt“, erzählt sie. Dabei ist Plus-Size-Bloggen besonders im Ausland lange schon Trend. Da gibt es Lilli aus Australien, die keine Angst vor Querstreifen hat, oder Stéphanie aus Frankreich, die gewagte Schnitte liebt und auch anzieht.

Lieber Leggings als Sackhose

In Deutschland ist die Mainzerin die bekannteste Plus-Size-Bloggerin. Alegra fotografiert sich in ihren neusten Outfits in ihrer Wohnung. Und ihre Follower kopieren gerne ihren Style. Alegra mag es bequem und schön. Lieber Leggings als Sack-Hose. „Ich renne aber nicht jedem Trend hinterher. Das muss schon auch gut an mir aussehen.“

Eigentlich studiert Alegra Lehramt auf Englisch und Französisch. Das mit der Bloggerei sei reiner Zufall. „Ich habe viele normale Modeblogs gelesen und dachte nur, cool, das kann ich auch.“ Dass sie zur Mode-Ikone avancieren würde, war ihr da noch fern.

„Sachen in meiner Größe gibt es auch in normalen Modeläden“, sagt sie. „Spätestens wenn ich aber auf Übergrößen-Läden angewiesen wäre, würde ich abnehmen.“ Denn in deutschen Plus-Size-Läden gibt es meist nur überteuerten Vorstadt-Chic.

Blumige Umschreibungen wie „Die ist mollig, pfundig oder kräftig“ findet Alegra „ganz furchtbar“. Sie selbst sagt „dick“ oder „fett“. Und das einzige, für das sie sich zu dick findet, ist ein Bikini. „Das sieht wirklich nicht gut aus.“ Mit ihrem Studenten-Budget shoppt sie bei H&M, Primark im Frankfurter Nordwestzentrum und im England-Urlaub. In USA und England ist die Auswahl an hübscher, bezahlbarer Mode für dicke Mädchen größer, sagt Alegra.

Kate Moss in 44

Mode allein ist ihr aber zu oberflächlich. Aber ein Vorbild zu sein, mag sie. „Ich finde es ziemlich cool, ich werde ja auch später als Lehrerin versuchen Menschen, anzuleiten, selbstbewußt zu werden.“

Alegra ist fast ein bisschen verwundert über all die positiven Reaktionen auf ihren Blog. Und das, obwohl sie weiß, dass gerade Dicke viel Läster-Angriffsfläche anbieten. „Dabei gibt es doch viel mehr Frauen mit Übergewicht in der Gesellschaft als mit Kleidergröße 36.“ Für ihre Follower ist die Mainzerin so etwas wie die Kate Moss in 44/46. Eine Modeikone, an der sie sich orientieren können. Aber auch dünne Frauen finden sie und ihren Look schön.

Ganz oft schicken ihr junge, dicke Mädchen eine Mail mit der Frage: „Wie werde ich selbstbewußter?“ Das findert sie nicht so leicht zu beantworten. Alegra war immer schon selbstbewußt.

Fit bleiben

„Ich bin fett, aber ich finde mich schön.“ Blöd findet sie reduzierende Sprüche wie „Dick, aber lustig oder „Dick, aber ein schönes Gesicht.“

Sie war schon als Kind dick, aber hat nie darunter gelitten. „Meine Eltern haben mich erzogen auf mich stolz zu sein.“ Und auch ihr Freund – ein dünner Engländer – liebt sie genau in der Größe, die sie trägt.

Alegras Modeblog gibt es im Internet auf: http://dollface-is-candysweet.blogspot.com/

Weitere Plus-Size-Blogs:

http://frocksandfroufrou.com/;

http://leblogdebigbeauty.com;

http://ulrikahblog.blogspot.com/

„Es gibt andere Dinge im Leben als ‚schön schlank‚ zu sein“, sagt sie. Mit ihrem Blog will sie aber nicht die Message rüberbringen: „Es ist okay fett zu sein.“ „Das ist ja auch nicht wirklich gesund“, betont Alegra. Sie selbst will auch ein wenig abnehmen. Aber keine Größe 36 werden. „Für mich ist es gut, soweit ich mich fit fühle.“ Einen Ratschlag hat sie dann doch an alle Mädchen: „Auch wenn ihr nicht in Größe 36 passt, sollt ihr euch mögen.“

Quelle: op-online.de

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