Flüge auslagern

Stille Nächte dank Airport Hahn?

+
Es wäre zu schön um wahr zu sein: Der unter dem Nachtflugverbot leidende Frankfurter Flughafen lagert Flüge in den Hunsrück aus, rettet den dortigen Standort und mindert den Lärm in der Region. Doch die Sache rechnet sich nicht. Auch Ryanair, die Mutter aller Billig-Fluglinien, hat angekündigt, künftig weniger Flüge am Flughafen Hahn anzubieten.

Frankfurt/Hahn - Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) wirbt für den Flughafen Hahn als Alternative zum Frankfurter Airport im lärmgeplagten Rhein-Main-Gebiet. Von Michael Eschenauer 

„Wir können eine Alternative anbieten, insbesondere in den Nachtrandzeiten“, sagte er gestern am Hahn. Dort traf er sich mit den Oberbürgermeistern von Frankfurt und Mainz, Peter Feldmann und Michael Ebling (beide SPD), sowie den Hahn-Chefs Heinz Rethage und Markus Bunk. Nun wolle er Hessens neuen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) einladen, um Überzeugungsarbeit zu leisten, sagte Lewentz der Deutschen Presseagentur.

Feldmann zeigte sich beeindruckt von den Kapazitäten im Hunsrück, wo seit Jahren Passagier- und Frachtzahlen rückläufig sind. Es müsse aber auch geschaut werden, ob Verlagerungen wirtschaftlich sinnvoll seien. Er könne weder für das Land Hessen noch die Stadt Frankfurt oder den Betreiber des Frankfurter Flughafens, Fraport, sprechen. Ein Vorstoß gegenüber der hessischen Landesregierung sei allerdings denkbar. Schwarz-Grün will wechselnde Lärmpausen von sieben Stunden für verschiedene Gegenden ermöglichen.

Hahn nicht weit weg und Kapazitäten frei 

Lewentz sagte, es müsse im Rhein-Main-Gebiet deutlich gemacht werden, dass der Hahn nicht weit weg sei und Kapazitäten habe. Auch Hahn-Geschäftsführer Bunk sieht Chancen etwa wegen des schnellen Umschlags von Fracht im Hunsrück. „Den Fahrzeit-Nachteil holen wir in der Abfertigung wieder raus“, sagte Bunk. Der Hunsrück-Airport gehört zu 82,5 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz, zu 17,5 Prozent Hessen.

Lesen Sie dazu den Kommentar:

Keine gute Prognose von Michael Eschenauer

Für die Kritiker des Flughafenausbaus in Frankfurt bleibe der Hahn „eine ernstzunehmende Option, um den Ballungsraum zu entlasten“, so der Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen BBI, Dietrich Elsner. Der Regionalflughafen könne insbesondere für die an Billigflügen interessierten Touristen mit internationalen Flugzielen weiterentwickelt werden. Außerdem biete er sich als Frachtflughafen an. Die bestehenden guten Verkehrsverbindungen könnten weiterentwickelt werden. Auch das Entfernungsargument lässt Elsner nicht gelten. Nicht alle Touristen kämen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Frankfurt solle sich auf Fernreisen für die Business-Klasse, also hochpreisige Geschäftsverbindungen, konzentrieren. Kurzstrecke gehöre ohnehin aufs Bahngleis, so Elsner. Den internationalen Wettbewerb mit Riesen-Flughäfen im Nahen und Mittleren Osten könne Frankfurt nicht gewinnen. Auch die Rolle als Umsteigerflughafen bringe keine echten Erlöse, so Elsner.

Top 10: Das sind die besten Flughäfen der Welt

Top 10: Das sind die besten Flughäfen der Welt

Die Kooperation mit dem Frankfurter Flughafenbetreiber war gescheitert, als dieser einen von den Fluggästen zu zahlenden „Hahn-Taler“ als eine Art Zukunftsbeitrag für die Weiterentwicklung des Hahns einführen wollte, um dessen Ertragsstärke zu verbessern. Dies hatte das Nachbarland abgelehnt, nachdem Ryanair als wichtigste Airline am Hahn mit Wegzug drohte. Daraufhin verkaufte Fraport seinen Anteil von 65 Prozent für einen „Symbol-Euro“ an Rheinland-Pfalz. Der Frankfurter Flughafenchef Stefan Schulte bezeichnete Hahn als Verlustbringer, den man sich als börsennotierter Konzern nicht leisten könne. Fraport-Sprecher Christopher Holschier erklärte: „Der erneute Einstieg ist für uns kein Thema.“ Die Profitabilität habe sich nicht verbessert.

Alles zum Thema Fluglärm lesen Sie im Stadtgespräch

Der frühere Justizminister und jetzige finanzpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Jörg-Uwe Hahn, warnt vor Gesprächen auf Länderebene, „die über Höflichkeit hinausgehen“. Schon lange hätten das Land Hessen und Fraport den Flughafen Hahn finanziell über Wasser gehalten. Obwohl sich Hessen mit einen zweistelligen Betrag engagiert habe, sei es der rheinland-pfälzischen Landesregierung nach dem Ausstieg von Fraport im Jahre 2009 nicht gelungen, ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln. „Hahn ist nicht die Antwort auf die Lärmproblematik im Rhein-Main-Gebiet“, so FDP-Sprecher Hahn. Es gebe keine vernünftigen Synergien, das Land Hessen sollte auch seine restlichen Anteile an dem darbenden Airport abgeben.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare