Zur Strafe: Steaks mit Maden

Frankfurt/Rhein-Main - Kassel (dpa) Grausame Details über die Qualen eines geistig leicht behinderten Mannes hat ein Zeuge im Kasseler „Sklavenmordprozess“ geschildert. Der Hauptangeklagte habe sogar seinen kleinen Sohn gezwungen, sein Opfer zu quälen, sagte der Klempner gestern vor dem Landgericht.

Der junge Mann sei völlig verwahrlost und hilflos gewesen, sein Peiniger habe ihn bei nichtigsten Anlässen schwer misshandelt. Es ist der zweite Prozess um den Tod des Behinderten. Ein erstes Urteil - acht Jahre und drei Monate Haft für den Mann und vier Jahre für die Frau wegen versuchten Mordes - war vom Bundesgerichtshof kassiert worden.

Der 44 Jahre alte Arbeitslose und seine damalige Frau hatten den jungen Mann über Monate wie ein Tier gehalten, um an seine Sozialhilfe zu kommen. Dabei wurde der 29-Jährige kaum versorgt und immer wieder misshandelt. Nachdem der Arbeitslose ihn mit einem Holzschemel verprügelt hatte, starb der Gequälte im Juli 2003. Der Klempner und seine damalige Freundin hatten bei der Beseitigung der Leiche geholfen.

„Er kam gerade aus dem Krankenhaus und sah richtig gut aus. Aber danach begann der Verfall“, sagte der Zeuge über den Beginn der Leidenszeit.

Auch Kleidung habe der Behinderte kaum bekommen und sei zudem völlig vernachlässigt worden. „Getrunken hat der aus der Regentonne im Garten, trotz des ganzen Ekelzeugs da drin.“ Auch habe der junge Mann immer wieder über Hunger geklagt. „Einmal hat er eine Packung rohe Steaks geklaut und heimlich im Zimmer immer wieder davon gegessen. Doch die wurden schlecht und bald waren überall Maden.“ Der Angeklagte habe ihn verprügelt und ihn gezwungen, einen Teil des verfaulten Fleisches zu essen.

Am schlimmsten seien die Schläge und Drohungen gewesen. „Der hat immer gesagt: Ich finde Dich, egal wohin du abhaust. Der hat geschrien, dass man das über fünf Häuserdächer hörte.“ Deshalb habe jeder Angst gehabt. Die Nachbarn hätten sich trotz der Schreie nie gemeldet. Als sie mit dem jungen Mann schwimmen waren, seien den Badegästen aber die schweren Wunden am Körper des 29-Jährigen aufgefallen. „Die sind dann zum Bademeister.“ Um die Polizei zu holen?, fragte der Richter. „Nee, nur damit der nicht ins Wasser darf mit den ekligen Wunden.“

Der damals etwa acht Jahre alte Sohn des Haupttäters habe sich an den Misshandlungen beteiligen müssen. „Er musste ihn kneifen, er musste ihn treten und er musste ihn auch an den Genitalien ziehen“, sagte der 35-Jährige.

Quelle: op-online.de

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