Straftäter wieder auf die rechte Bahn bringen

Offenbach - Sie werden es vermutlich nicht leicht haben. Junge Muslima werden von gleichsam jungen Männern aus dem eigenen Kulturkreis oft nicht gerade als Autoritätsperson geachtet. Von Fabian El Cheikh

Doch um Autorität geht es im Grunde auch nicht, wenn Banu Esler und Rahima Rashidi künftig straffällig gewordenen Migranten zur Seite stehen werden. Die beiden Frauen wollen als freiwillige Bewährungshelfer ihre hauptamtlichen und vom Gericht bestellten Kollegen ein wenig entlasten und dabei helfen, die Verurteilten wieder ein Stückchen weiter auf die rechte Bahn zu bringen.

Esler, deren Familie aus der Türkei stammt, und die in Afghanistan geborene Rashidi sind zwei von sechs Frauen mit Migrationshintergrund, die innerhalb der Bewährungshilfe die Rolle von Pionierinnen einnehmen.

Sie sollen sich, erläutert der Offenbacher Jugendbewährungshelfer Thomas Stiefel, gezielt um Migranten kümmern, die wegen unterschiedlicher Delikte zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden - und als Auflage von einem Bewährungshelfer kontrolliert werden. „Ich und meine zehn Kollegen haben jeweils bis zu 100 Probanden auf einmal zu betreuen, da bleibt keine Zeit für wünschenswerte Aufgaben.“

Projekt ist nicht auf Offenbach begrenzt

Wünschenswert sei etwa, wenn Esler und Rashida ihren sozial benachteiligten Klienten Freizeitaktivitäten anbieten, ihnen beim Nachholen eines Schul- oder Ausbildungsabschlusses helfen – oder bei Behördengängen: „Gerade dort haben die Betroffenen schnell einen anderen Stellenwert, wenn sie von einem Ehrenamtlichen begleitet werden“, so Stiefel.

Das Projekt, das nicht auf Offenbach begrenzt ist, sondern in Zusammenarbeit mehrerer Einrichtungen und Vereine in den vergangenen Monaten hessenweit auf die Beine gestellt wurde, wird von Jakob Schlink und dem Verein „Förderung der Bewährungshilfe in Hessen“ koordiniert. „Seit Jahren schon haben wir rund 100 Ehrenamtliche als Bewährungshelfer im Einsatz“, berichtete Schlink gestern im Offenbacher Freiwilligenzentrum. Dieses Team soll nun durch Mitbürger verstärkt werden, die selbst aus dem Ausland stammen.

Der Migrationsbeauftragte der Polizei Südosthessen, Hüsamettin Eryilmaz, freut sich denn auch über die positive Resonanz: „Diese Ehrenamtlichen können den Betroffenen gut vermitteln, dass sie es auch schwer hatten in der deutschen Gesellschaft, es aber geschafft haben.“

Dass es nun gerade Frauen sind, die unter anderem muslimischen Jugendlichen unter die Arme greifen, mache die Sache nur spannender. „Wir werden mit dem Rollenbild professionell umgehen“, sagen Esler und Rashidi optimistisch. Es ist eine Herausforderung für alle Beteiligten.

Quelle: op-online.de

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