Geburtenkontrolle bei Straßenkatzen

Kastration aus Tierliebe

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Sie sind aktiv in Sachen Geburtenkontrolle bei Straßenkatzen. Von links: Marie-Christin Gronau von Tasso e.V., Sandra Weitzel vom Verein Strassenkatzen-Frankfurt, Tierärztin Dr. Annette Tillner und Michaela Topell ebenfalls vom Verein Straßenkatzen-Frankfurt.

Frankfurt - Die namenlose Katze liegt wie tot auf dem silbernen OP-Tisch von Tierärztin Dr. Tillner. Sie soll nun doch nicht kastriert werden, hat die Ärztin entschieden. Dabei war genau das der Plan an diesem Morgen und der Grund für ihre Betäubung. Von Christina Lenz

Denn die Katze auf dem OP-Tisch ist eine von geschätzten 8.000 bis 10.000 Streunerkatzen in Frankfurt, die im Zuge einer groß angelegten Kastrationsaktion daran gehindert werden sollen, sich weiterhin unkontrolliert zu vermehren. Doch das Röntgenbild von Dr. Tillner hat gerade gezeigt: Im Bauch der Katze befinden sich sechs Föten, die durch die Kastration sterben würden. Das sei aus ethischen Gründen nicht vertretbar, sagen die Tierschützer.

Tasso, ein Verein zur Tierregistrierung, hat die Kastrationsprogramme angeregt und unterstützt sieben Tierschutzvereine bei der Finanzierung von Kastrationen für wildlebende Hauskatzen. Denn die unkontrollierte Vermehrung in der freien Wildbahn bringt den Babys dasselbe Schicksal wie zuvor schon den Eltern: kein Schutz vor Witterung, Verletzungen und Gewalt, keine regelmäßige Nahrung und Impfungen. Viele Tiere würden angefahren oder sogar totgeschlagen, erzählen die Katzenfreunde. Die kleinen Katzen, die in dieser Umgebung überleben, bringen wieder Junge auf die Welt und die Population wächst in Windeseile unüberschaubar an.

Für viele Tierschützer verstoßen die Bedingungen, unter denen diese Katzen leben gegen das Tierschutzgesetz. „Das Problem der Straßenkatzen wird öffentlich noch nicht wahrgenommen“, sagt Marie-Christin Gronau von der Tierschutzorganisation Tasso e.V. „Die Misere findet meist im Verborgenen statt“, stimmt Sandra Weitzel vom Verein „Strassenkatzen-Frankfurt“ zu, der durch die Finanzierung von Tasso unlängst insgesamt 30 Kastrationen durchführte.

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Die kleine Gruppe vom Verein Straßenkatzen Frankfurt macht sich regelmäßig auf, um den Streunerkatzen nachts, bei Wind und Wetter, auf Müllkippen oder in Industriegebieten auf die Schliche zu kommen. Dann locken sie die Streuner in Fallen und bringen sie zur Kastration zum Tierarzt. Doch eine kostenlose Kastration ist verboten, es fallen zwischen 80 und 140 Euro pro Operation an. Noch sind die Vereine auf die eher kargen Spenden angewiesen. „Die Katzen danken es uns auch nicht, sondern würden uns am liebsten die Augen auskratzen“, sagt Weitzel. Das seien alles andere als Schmusekätzchen, an Menschen nicht gewöhnt und deswegen auch nicht mehr an Tierhalter vermittelbar. Manchmal könne man sich ihnen nur mit Handschuhen nähern, so aggressiv reagierten sie auf Menschen.

Trotzdem machen die Vereine weiter, denn es geht ihnen darum, eine nachhaltige und tiergerechte Lösung zu finden. Sie alle beklagen die fehlenden politischen Lösungen für das Problem und fordern die Einführung einer Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für alle Hauskatzen mit Freigang. Denn nicht nur die Streunerkatzen sind das Problem, auch die unkastrierten Hauskatzen, die sich oft mit ihnen paaren.

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Mit rund 150.000 Unterschriften hat das Bündnis „Pro Katze“ aus Tasso e.V., „Vier Pfoten“ und dem Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) Anfang 2013 einen entsprechenden Antrag an das Landwirtschaftsministerium gestellt. Das Problem müsse auf Bundesebene gelöst werden und nicht an die Länder abgeschoben werden, meint die Sprecherin von Tasso e.V. Die Länder verhängten oft nur Freigangverbot für Hauskatzen. Das löse aber das Problem der fehlenden Kastrationen nicht und sei zudem für die Katzen eine ungute Beschränkung.

Quelle: op-online.de

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