Flughafen Frankfurt

Streik ohne Chaosfaktor

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Wieder hat ein Ausstand der Lufthansa- Piloten Flieger und Passagiere am Boden gehalten. Flughafenbetreiber Fraport droht ein Imageschaden.

Frankfurt - Wieder hat ein Ausstand der Lufthansa- Piloten Flieger und Passagiere am Boden gehalten. Flughafenbetreiber Fraport droht ein Imageschaden. Von Sophie Rohrmeier

Er sitzt in der Ecke in seinem Restaurant und wartet, ob es noch Kunden an die Holztische schwemmt an diesem Nachmittag. „Bisher sieht es nicht danach aus“, sagt Ralf Schweighardt. Er ist der Betriebsleiter von sieben Restaurants und Bars im Transitbereich des Frankfurter Flughafens - und einer Pizzeria in der Abflughalle A. Auf ein etwas besseres Geschäft hatte der Gastronom gehofft an diesem Freitag. Denn die Lufthansa-Piloten bestreiken die Kurz- und Mittelstreckenflüge, die von diesem größten der deutschen Flughäfen abfliegen.

Doch in der Abflughalle sammelt sich keine Menge von durstigen oder hungrigen Menschen. Alles ist ruhig - trotz Ferienende. Die Passagiere sind vorgewarnt. „Ich höre von den Fluggästen, die ich hier treffe, dass sie Frankfurt künftig meiden wollen“, sagt Schweighardt. Zu oft werde der Flugbetrieb hier durch Streiks gestört. Der Fraport- habe inzwischen den Ruf eines Streikflughafens, berichtet Schweighardt. Genau das macht dem Geschäftsmann Sorgen.

Ähnliches berichtet Taxifahrer Haroon Habibzai. Er hatte kürzlich Besuch aus Frankreich. „Die haben nach anderen Verbindungen als Lufthansa gesucht“, erzählt er. So machten es inzwischen viele, meint er. Das sei dann auch schlecht fürs Geschäft der Taxifahrer. Überhaupt schade ihm ein Streik wie an diesem Tag.

„Die Lufthansa reagiert viel besser als früher“, sagt eine Frau aus dem Spezialteam des Unternehmens, das sich um Streikopfer kümmern soll. Sie will ihren Namen nicht nennen. „Es gibt sicherlich einige verärgerte und enttäuschte Menschen, die bei uns anrufen“, sagt Kay Kratky, Bereichsvorstand von Lufthansa Passage. Das sagt er noch vor Beginn des Streiks in der Halle A - wo die Zahl der Pressevertreter die Zahl der Passagiere zeitweilig übertrifft.

Pilotenstreik am Frankfurter Flughafen

„Wir glauben eher, dass es noch ruhiger wird, wenn der Streik erst richtig beginnt“, sagt die Lufthansa-Kommunikationschefin, Barbara Schädler, die neben Kratky steht. Und genau das tritt um 17 Uhr ein. Keine Schlangen vor den Schaltern, keine aufgeregten Passagiere in den Hallen, keine Hektik in den Gängen des Flughafens. Das Service-Personal von Lufthansa und Fraport in gelben und rosa Westen fällt auf. Kundenandrang dagegen: Fehlanzeige. Anders im April. Drei Tage lang legten die Lufthansa-Piloten ihr Unternehmen so gut wie lahm, der erste von mehreren Streiks am Flughafen in diesem Jahr.

Lufthansa-Manager Kratky findet den Streik auch nicht gut. Er als Bodenangestellter arbeite wie die meisten anderen Menschen mit dem Rentenziel von 67 Jahren. „Da ist es zumutbar für die sehr privilegierte Gruppe der Piloten, die Verträge etwas zu ändern“, sagt der Manager. Im schon länger schwelenden Konflikt geht es um die Übergangsversorgung für die Kapitäne in ihrem Vorruhestand. Der demografische Wandel verlange es aber, dass auch die Piloten länger arbeiten, sagt der Manager. Lieber noch als mit der Pflicht vor der Gesellschaft argumentiere er mit der Wettbewerbsfähigkeit der Lufthansa. „Die Renten der Piloten sind ein Kostenfaktor.“ Dass Piloten ihre Ansprüche mit ihrer hohen Verantwortung begründen, ist für Brillen-Verkäufer Romero nicht stichhaltig: „Bus- und Zugfahrer haben auch viel Verantwortung.“

dpa

Quelle: op-online.de

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