Streiken für Bildung

Vom Elternbund bekamen Hessens Lehrer, die heute von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zum Streik aufgerufen sind, bereits Unterstützung.

Wir Eltern kennen die ungenügende Verwirklichung des Bildungs- und Erziehungsauftrages durch die Schulen und wissen, dass die Ursache teilweise in den Arbeitsbedingungen der Lehrer zu suchen ist“, erklärte Sven Bade, Vorsitzender des Verbands. „Oft hören Eltern, dass auf Grund der hohen Arbeitsbelastung (Unterrichtsvorbereitung, Arbeitenkorrektur, Verwaltungsaufgaben) zu wenig Zeit bleibt für individuelle Förderung, für die psychosoziale Situation einer Klasse oder sozialpsychologische Probleme einzelner Schüler - obwohl Lehrkräfte wissen, wie wichtig auch diese Aufgaben sind“, so Bade - für den feststeht: „Wenn die Zahl der Pflichtstunden reduziert wird, haben Lehrerinnen und Lehrer mehr Zeit für die einzelnen Schülerinnen und Schüler, mehr Zeit für eine solide Unterrichtsvorbereitung.“ Bei zusätzlichen Deputatsstunden hätten die Schulen mehr Zeit für die Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität, z. B. durch Hospitationen, Unterrichtsanalyse, mehr Teamarbeit, die Entwicklung neuer Methoden.

„Streikfrühstück“ im Hainbachtal

Die GEW erhofft sich heute für die Demonstration in Wiesbaden mit abschließender Kundgebung vor dem Kultusministerium 5000 Teilnehmer. Allein aus Frankfurt sollen 1000 Lehrer anreisen. Die Gewerkschaft verweist auf 5267 Unterschriften von Lehrern für ihren Streikaufruf. In Offenbach wird von der GEW ab 8.30 Uhr im Stadtcafé der Werkstätten Hainbachtal im Frieda-Rudolph-Haus, Büsing- bzw. Lilipark (Linsenberg 10) zum „Streikfrühstück“ geladen. Um 10.15 Uhr fahren Busse vom Maingelände nahe der Carl-Ulrich-Brücke in die Landeshauptstadt.

Allein in Berlin und Köln jeweils 5000 Demonstranten

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Auch der studentische Widerstand gegen Missstände im Bildungswesen erreicht heute einen Höhepunkt. In mindestens 35 Städten planen Studenten Demonstrationen und weitere Blockaden. Allein in Berlin und Köln erwarten die Organisatoren jeweils 5000 Demonstranten. Unterstützung kommt teils von den den Uni-Leitungen: „Der Präsident hat uns gesagt, dass er das toll findet“, sagte eine Studentin in Hildesheim. Die Aktionen richten sich laut Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz weniger an die Politik, sondern vor allem an die Hochschulen. „Die Politik kann und muss für eine auskömmliche Finanzierung sorgen.“ Aber: „Die Hochschulen haben jede Menge Gestaltungsmöglichkeiten, und wenn sie die nicht nutzen, ist der Reflex schnell da zu sagen, die da hinten in der Politik sind zuständig, nicht wir.“ Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider, sprach von einem „Hin und Her“ bei dem sich Hochschulen und Politik gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben. Während die Länder behaupteten, die Hochschulen müssten sich kümmern, behaupteten die Unis, das Geld reiche nicht aus.

„Ländercheck Wissenschaft“ fiel für Hessen schlecht aus

Rückenwind erhielten die protestierenden hessischen Studenten vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Der hatte in einer Vergleichsstudie analysiert, welche Bundesländer wie erfolgreich in der Bologna-Umsetzung sind. Das Ergebnis des „Länderchecks Wissenschaft“ fiel für Hessen schlecht aus. Bei der Einführung der neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master liegt das Bundesland deutlich unter dem Bundesdurchschnitt - ebenso beim sogenannten Lebenslangen Lernen. Auch die Mobilität der Studenten ist in Hessen demnach mangelhaft: Weder kämen viele Erasmus-Studenten nach Hessen, noch gingen viele Studierende von Hessen ins Ausland. Im Mittelfeld der Bundesländer landete Hessen beim Praxisbezug des Studiums und bei der Attraktivität für Studenten aus aller Welt. (psh/dpa/AP)

Quelle: op-online.de

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