"Nicht korrekt beschrieben"

Streit um Demonstranten-Studie

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Offenbach - Die Studie der Stiftung Marktwirtschaft zum Phänomen der Protestkultur und den Demonstranten am Frankfurter Flughafen ist auf scharfe Kritik der Ausbaugegner gestoßen. Von Ralf Enders

„Wenn man nur die Spitze des Eisbergs analysiert, bekommt man auch kein ganzheitliches Bild“ kritisierte Bürgerinitiativen-Sprecherin Ingrid Wagner. In einer Stellungnahme für die Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) Offenbach und das Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI), sagte Wagner, die Untersuchung sei „bei weitem nicht repräsentativ“. „Offenbar ist die Studie darauf angelegt, die durch den Ausbau des Frankfurter Flughafens Betroffenen in die Ecke der Nein-Sager und Fortschrittsverweigerer zu stellen.

- www.flughafen-bi.de

- www.stiftung-marktwirtschaft.de

Wir als Bürgerinitiative sind aber nicht dazu da, wissenschaftliche Studien zu analysieren und zu beurteilen“, teilte Wagner mit. Die Demonstranten seien keine Verweigerer und setzten ihre Hoffnung „nach wie vor in die Demokratie“. Auch die Frankfurter SPD hält wenig von der Stiftung Marktwirtschaft, die sie als „bekannten Zusammenschluss Neoliberaler“ bezeichnet. Der Fraktionsvorsitzende im Römer, Klaus Oesterling, sprach von einem „bedenklichen Nachweis von Realitätsverlust und Ausdruck der Vorurteile der Verfasser“.

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Die am vergangenen Dienstag vorgestellte Studie der von Politik, Wissenschaft und Unternehmen finanzierten Stiftung kam zu dem Ergebnis, dass es sich bei den „Montagsdemonstranten“ mehrheitlich um ältere, gut gebildete Menschen handele, „zeitreich und ressourcenstark“, bei denen eine „Kultur der Misstrauensgesellschaft“ herrsche. Kurz: Eher links orientierte Senioren mit viel Zeit und Geld. Jüngere Leute, Arbeitnehmer und vor allem weniger Gebildete seien dagegen kaum vertreten; der Protest stehe mithin nicht für weite Teile der Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet.

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BBI-Sprecherin Ingrid Kopp hatte bereits am Dienstag die Ergebnisse zurückgewiesen. Die Demonstranten seien „sehr wohl“ ein repräsentativer Querschnitt. Thomas Scheffler, ebenfalls BBI-Sprecher, sagte gegenüber der „tageszeitung“, schon aus dem Fragebogen der Interviewer sei eine „Tendenz zur Diskriminierung“ zu erkennen gewesen, deshalb hätten viele die Umfrage der Stiftung boykottiert. Scheffler bezweifelte gegenüber dem Blatt, dass überhaupt ausreichend Fragebögen zurückgeschickt worden seien, um eine seriöse Auswertung zu ermöglichen. Diesen Vorwurf weist Susanna Hübner, Kommunikationschefin der Stiftung Marktwirtschaft, zurück. Sie wies auf Anfrage darauf hin, dass es sich um eine sogenannte Vollerhebung handelt, das heißt in diesem Fall, die Demonstrationsteilnehmer seien - nach statistischen Gesichtspunkten - nahezu vollständig erfasst und befragt worden.

Die Erhebung durch Mitarbeiter des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap sei an den beiden Montagen 3. und 10. Juni dieses Jahres durchgeführt worden. Gestützt auf Presseberichte geht die Stiftung an beiden Tagen von jeweils 860 Demonstranten aus. Am 3. Juni seien 900 Fragebögen verteilt worden, am 10. dann noch einmal 500. Insgesamt seien 532 Bögen ausgefüllt zurückgesandt worden; dies entspreche einer Rücklaufquote von 61,9 Prozent in Bezug auf die Zahl der Demonstranten. (Vorausgesetzt, es waren an den beiden Montagen in etwa die selben 860 Menschen.)

Die Autoren der Studie sprechen von „schwierigen Umständen“ für die Befragung. Obwohl dem Bündnis der Bürgerinitiativen der Fragebogen zuvor geschickt worden sei und das BBI Unterstützung signalisiert habe, sei die Stimmung nach der ersten Befragung „gekippt“. Am zweiten Montag habe die Demonstrationsleitung dann zum Boykott aufgerufen.

Quelle: op-online.de

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