Ministerium will Leitfaden

Streit um Facebook in der Schule

Offenbach - Facebook und Schule - nach Ansicht vieler Eltern passt das nicht zusammen. Das hat eine Studie in Hessen ergeben. Das Kultusministerium in Wiesbaden plant jetzt Regelungen für den Umgang mit dem Sozialen Netzwerk an Schulen. Von Peter Schulte-Holtey

Hessens Schulpolitiker stehen vor einem neuen Problem. Denn viele Eltern in Hessen halten nichts vom Einsatz von Facebook im Unterricht. 60 Prozent der befragten Eltern schulpflichtiger Kinder und die Hälfte aller befragten Erwachsenen sind für ein Verbot, Facebook für Unterrichtszwecke an Schulen zu nutzen, etwa um Hausaufgaben zu verteilen oder Klausuren vorzubereiten. Das ergab eine Studie des Hessischen Rundfunks (hr) und der Technischen Universität Darmstadt.

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Klare Regeln

Für Einschränkungen setzt sich auch Knud Dittmann ein; er ist Vorsitzender des hessischen Philologenverbands, der Interessenvertretung der Gymnasiallehrer. Zwar müsse nicht ganz auf Facebook verzichtet werden; der dienstliche Gebrauch sei jedoch nicht zulässig. Der Leiter der Ricarda-Huch-Schule in Dreieich: „Schulisch-relevante Daten wie Notenvergabe und -begründungen oder Informationen über Unterrichtsausfall dürfen nicht an ein Netzwerk wie Facebook angebunden werden, da Schülerinnen und Schüler nicht zu dessen Nutzung verpflichtet werden können.“

Unterdessen fordert der hessische Datenschutzbeauftragte Michael Ronellenfitsch mehr Klarheit für Lehrer im Umgang mit Facebook. „Es gibt keinen Runderlass und keine Richtlinie. Das sollte man amtlich in trockene Tücher bringen.“ Den Einsatz sozialer Medien in der Schule sieht er kritisch: „Als Amtsblatt ist Facebook untauglich und nicht akzeptabel.“ Schüler dürften nicht zu einer Facebook-Mitgliedschaft gezwungen werden, um etwa Mitteilungen ihrer Lehrer über einen Unterrichtsausfall erhalten zu können.

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Christoph Degen hält einen Leitfaden zum persönlichen Umgang von Lehrkräften mit Schülern in Sozialen Netzwerken für „überfällig“. Erforderlich sei auch die Stärkung von Medienkompetenz. Diese Forderung wird auch durch die Studienergebnisse der Wirtschaftsinformatiker von der TU Darmstadt gestützt. Demnach findet Aufklärung zuhause oft nicht statt. So gaben 75 Prozent der Jugendlichen in der zitierten Untersuchung an, dass die Eltern ihre Facebook-Nutzung nicht kontrollieren.

Im hessischen Kultusministerium wird jetzt eine „Handreichung“ für Lehrer erarbeitet, in der der Umgang mit Facebook eindeutig geklärt werden soll. „Wir wollen im schulischen Bereich kein absolutes Verbot“, heißt es in Wiesbaden: „Lehrerinnen und Lehrer müssen verantwortungsvoll mit der Netzwelt umgehen.“ Aus Sicht des Kultusministeriums sind Facebook und andere Soziale Netzwerke allerdings „Freizeitmedien“ und nicht dazu geeignet, schulische Inhalte zu verbreiten. Vielmehr wird der Einsatz von geschützten Lernplattformen empfohlen. 

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Quelle: op-online.de

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