Jahrelanger Streit

Wenn mal was anbrennt

Offenbach - Normalerweise wollen Feuerwehren nichts anbrennen lassen. Möglichst schnell sollen auch interne Probleme gelöst werden.

Umso mehr erstaunte jetzt ein Paukenschlag, der bundesweit für Diskussionsstoff sorgte: Die gesamte Führung der Feuerwehr von Niestetal im Kreis Kassel trat zurück. 30 Feuerwehrleute legten am 18. Januar ihre Ämter nieder - auch der Gemeindebrandinspektor, seine beiden Stellvertreter, etliche Zug- und Gruppenführer, Gerätewarte sowie die Leitungen von Kinder- und Jugendfeuerwehr. Vorausgegangen war nach Angaben der „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen“ (HNA) ein jahrelanger Streit innerhalb der Niestetaler Feuerwehr, der sich vor allem um den Begriff Kameradschaft und die Beteiligung an Übungsdiensten drehte. Im Kern ging es bei dem Konflikt um den Wandel der Feuerwehr zu einem technischen Dienst. Den hätten vor allem ältere Kollegen nicht mitvollziehen wollen, hieß es.

Teilnahme an den vorgeschriebenen Übungseinheiten

So verweigerten sie die Teilnahme an den vorgeschriebenen Übungseinheiten. Motto: „Wir haben schon früher jedes Feuer ausbekommen. “ Der Wehrführung warfen sie im Gegenzug vor, keinen Wert auf Kameradschaft zu legen. Die konterte, es fließe zu viel Alkohol bei den Treffen. „Das Problem ist weitaus vielschichtiger und komplexer“, versuchte der Bürgermeister von Niestetal, Andreas Siebert, die Wogen vor wenigen Tagen zu glätten. „Im Übrigen ist es unfair, die Altgedienten in die Ecke der Alkoholiker zu stellen. Es stimmt nicht, dass nur die Guten weg sind. Es ist ja auch nicht so, dass nur die Alten übrig geblieben sind. 25 der jetzt Aktiven sind unter 40 Jahre alt“, sagte er im Interview mit der HNA.

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„Wir wollen die Toleranz fördern“

Unter anderem in Internetforen wird nun heftig über die Auseinandersetzung diskutiert. Unverständnis über die Auslöser der Konflikte bei der nordhessischen Wehr, aber auch Zustimmendes ist zu hören und zu lesen. So sei die Entscheidung in Niestetal doch verwunderlich, „wenn man sich anschaut, aus welchen nichtigen oder gar vorgeschobenen Gründen, Feuerwehrangehörige rausgeworfen wurden“, heißt es. Ein anderer gibt zu bedenken: „Es ist wichtig, für Bedingungen zu sorgen, damit die Einsatzkräfte von heute und für die Zukunft der Wehr erhalten bleiben.“

Keine Zeit für Freiwillige Feuerwehr

Weitverbreitet ist folgende Kritik: „Fakt ist, dass sehr hoch ausgebildetes Personal gar keine Zeit hat, sich neben Familie noch stark in einer Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren.“ Einig scheinen sich viele Feuerwehrfrauen und -männer in einem Punkt: Auseinandersetzungen gibt es in jeder Gruppe. Feuerwehren, die unter Nachwuchsmangel leiden, sollten sich besonders anstrengen, „Streit-Brände“ möglichst früh im Keim zu ersticken.

psh

Quelle: op-online.de

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